23. April 2009 10:31

Geliebte Sonne 

Braun gebrannt gilt immer noch als schön

Risikobewusstsein der Österreicher gering. Vor allem Frauen und Jugendliche wünschen sich einen dunklen Teint.

Braun gebrannt gilt immer noch als schön
© sxc

Vorzeitige Falten, Allergien, ja sogar Hautkrebs: Trotz solcher Risiken ist für drei von vier Österreichern Sonnenbräune ein wichtiges Urlaubsmitbringsel. Frauen und Jugendliche lieben den gebräunten Teint besonders. Jede dritte Österreicherin und jeder dritte Teenager gefallen sich so am besten, hat eine Umfrage von Marketagent.com ergeben.

28 Millionen für Sonnenschutz
Zumindest theoretisch wissen die Österreicher aber, dass die Sonne eine ebenso verführerische wie gefährliche Liebschaft ist: Die Ausgaben für kosmetischen Sonnenschutz steigen langsam, aber stetig um ein bis drei Prozent jährlich. 2008 wurden dafür 28 Millionen Euro ausgegeben (für Kosmetikprodukte insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro).

Sonnenschutz sehr wichtig
"Die Mehrzahl ist sich der Problematik bewusst", bestätigte Gerhard Gribl, Konsulent der Branchenplattform Kosmetik transparent, die die Umfrage in Auftrag gegeben hat: 54 Prozent der Befragten halten Sonnenschutz für sehr wichtig, 32 Prozent für wichtig. Nur acht Prozent meinen, darauf könne man ruhig verzichten. Fünf Prozent verwenden generell keine Sonnenschutzmittel.

Wissen und Tun sind aber nicht immer das selbe: Wird geschmiert, dann häufig "light": Am meisten werden Produkte mit Lichtschutzfaktoren zwischen 15 und 25 verwendet - das entspricht einem mittleren Schutzniveau. Für das Gesicht verwenden immerhin 31 Prozent der Befragten mindestens Faktor 30. Beim restlichen Körper setzen nur 22 Prozent auf hohen oder sehr hohen Schutz.

Das hängt wohl damit zusammen, dass viele Österreicher meinen, Sonne ohnehin gut zu vertragen: Knapp 40 Prozent beschreiben sich als wenig sonnenempfindlich und fast 33 Prozent als sonnenunempfindlich. "Man könnte meinen, wir leben in Süditalien", meinte Gribl. Nur rund 28 Prozent schätzen sich als sonnenempfindlich oder sehr empfindlich ein.

Sonnebrand
Wenig verwunderlich ist daher, dass elf Prozent der Österreicher jedes Jahr mindestens ein Mal der Sonnenbrand erwischt. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 30 Jahre tritt die "Alarmstufe Rot" deutlich häufiger ein als bei Älteren. In der Gruppe der über 50-Jährigen sind auch nur noch 27 Prozent der Meinung, dass Sonnenbräune und Urlaub unbedingt zusammengehören.

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Das ist neu beim Sonnenschutz: Einer EU-Empfehlung zufolge dürfen Produkte, deren UVA-Schutz mindestens ein Drittel des UVB-Schutzes beträgt, das Siegel UVA tragen. In Österreich wurde diese Kennzeichnung vom Gesundheitsministerium als Hersteller-Richtlinie herausgegeben.

"Seit heuer muss ein Drittel UVA-Schutz drin sein, damit überhaupt Sonnenschutzmittel drauf stehen darf. Alle anderen Produkte gelten als Körperlotion", erklärte Britta Klebon, Fachgruppenleiterin für Sonnenschutz der Deutschen Gesellschaft für wissenschaftliche und angewandte Kosmetik e.V., bei einer Veranstaltung der Branchenplattform Kosmetik transparent.

Bisher kennen 53 Prozent der Österreicher das neue UVA-Zeichen. Aber nur 0,4 Prozent wissen laut Kosmetik transparent auch, worum es dabei geht.

Neue UVA-Regel
Die neue UVA-Regel stellt für Hersteller von Naturkosmetik ein Problem dar. "Sie haben große Schwierigkeiten, diese Anforderung zu erreichen", so Klebon. "Schöne Produkte lassen sich mit Naturkosmetik bis Schutzfaktor 10 herstellen, danach ist Schluss." Mehrere Hersteller, zum Beispiel die bekannte Marke Dr. Hauschka, lassen laut Kosmetik transparent deswegen ihre Sonnenschutzlinien gleich ganz auf.

Der Lichtschutzfaktor wird auf der Packung nicht mehr nur als Zahl, sondern auch als Kategorie angegeben: niedrig (6 - 10), mittel (15 - 25), hoch (30 - 50) und sehr hoch (50+).

Zellen werden gestärkt
Eine neue Entwicklung ist, dass Sonnenschutzmittel Stoffe enthalten, die die Zellen schützen und die körpereigenen Reparaturmechanismen stärken. "Wirkstoffe sind etwa Folsäure oder Anti-Oxidantien-Cocktails", berichtete Klebon. Solche Inhaltsstoffe können auch die Auswirkungen von Infrarotlicht, das zur Bildung von zellschädigenden freien Radikalen beiträgt, mildern. Filtern könne man Infrarotlicht bisher aber nicht.

Relativ neu sind Sonnenschutzmittel zum Schlucken. Sie können zwar verhindern, dass man einen Sonnenbrand bekommt. Vor Hautkrebs schützen sie aber nicht, sagte die Wiener Hautärztin Beatrix Volc-Platzer. Deshalb sollte man sie nur in Kombination mit kosmetischem Sonnenschutz verwenden.

After-Sun-Lotionen, die das Enzym T4 Endonuklease V enthalten, können laut der Medizinerin bereits entstandene Sonnenschäden zu einem gewissen Teil ausbessern. "Eine Ausrede, sich nicht zu schützen, sind aber auch sie nicht."


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