03. Jänner 2007 10:12

Orakel befragen 

Der Blick in die Zukunft

Wie Sie sich selbst Ihre Zukunft für das neue Jahr vorhersagen können. Wir zeigen Ihnen sieben Methoden für zu Hause.

Der Blick in die Zukunft
© buenos dias

Zu Jahresbeginn haben Astrologen, Hellseherinnen und Wahrsagerinnen Hochkonjunktur. Aber nicht nur Profis können versuchen, einen Blick in die Zukunft zu werfen – auch Sie selbst haben das Zeug dazu. Wenn Sie nicht nur auf Ihre Intuition, sondern auf klare Regeln setzen wollen, dann sollten Sie nicht ohne Handbuch loslegen.

Übrigens: Nicht nur Frauen glauben an höhere Mächte: Die alten Griechen folgten dem Orakel von Delphi, Wallenstein seinem Astrologen Seni, auch US-Präsident Ronald Reagan beherzigte die Ratschläge seiner Sterndeuterin. Während Sterne und Kristallkugel Profis vorbehalten bleiben, können Laien einfachere Orakel befragen. Das sind die populärsten Methoden:

Karten legen
Im 18. Jahrhundert war das Befragen von Tarotkarten in Paris ganz besonders en vogue. Mittlerweile gibt es die 78 verschiedenen Symbolkarten in allerlei Designs, sogar Klimt und da Vinci unterstützen beim Kartenlegen. Beim Tarot gibt es unterschiedliche Legesysteme – wer will, kann alles auf eine Karte setzen. Ebenfalls sehr bekannt sind bestimmte Reihenfolgen, in denen mehrere Karten streng geordnet werden. Die Position der Karte zeigt, ob etwas über die Vergangenheit, die Gegenwart oder die Zukunft ausgesagt wird. Symbole wie Herrscherin, Narr, Geld, Kraft, Turm, Sonne oder Gehängter sind mit bestimmten Bedeutungen behaftet, die großen Spielraum für Interpretationen lassen. Verboten sind allerdings Fragen, die nur eine Antwort wie Ja oder Nein zulassen.

Glückskeks
Diese Methode bedarf keiner Einschulung. In China-Shops und der Asia-Abteilung im Supermarkt gibt es jene Kekse, die auch nach einem Essen beim Chinesen am Eck kredenzt werden. Das knackige Keks enthält ein kleines Papier mit klugen Sprüchen oder einer Prophezeiung. Die Sprüche im Dessert wurden ursprünglich verwendet, um Nachrichten während der mongolischen Besetzung in China im 13. und 14. Jahrhundert unter dem Volk zu verbreiten. Ein Revolutionär verkleidete sich als Priester und reiste durch das Land um Mondkuchen mit den darin enthaltenen Botschaften zu verteilen. Die Mongolen erwischten ihn nicht, weil sie den Kuchen wegen der darin enthaltenen Lotuspaste nicht essen wollten. Später erfanden in Amerika lebende Chinesen die heute bekannten Glückskekse, als ihnen die Lotuspaste für den Kuchen ausgegangen war.

Pendel
Schon in der Antike wurde ein baumelndes Pendel vor Entscheidungen befragt. Auch heute kreisen und schwingen Metall- oder Glasteile nicht nur dann, wenn die Frage lautet: „Liebt er mich?“ Ja-Nein-Fragen sind beim Pendeln durchaus möglich, die klare und schnelle Antwort macht dieses Orakel praktikabel. Profis pendeln in Österreich aus, wo die Erdstrahlung günstig ist oder Wasseradern den Schlafplatz stören könnten. Erst muss das Pendel zeigen, wie es schwingt (links-rechts, kreisförmig), wenn es „ja“ oder „nein“ bekunden möchte. Dann werden konkrete Fragen gestellt. Das Ergebnis ist oft davon geprägt, was man sich wünscht oder vorstellt, denn das Pendel bleibt ein Werkzeug des Unterbewusstseins.

I Ging
Im fernen China war das als „Buch der Wandlungen“ bekannte „I Ging“ schon vor mehr als 3.000 Jahren im Einsatz. 50 getrocknete Schafgarbenhalme (heute: Stäbchen) werden nach komplizierten Mustern gezogen und aufgelegt. Als Ergebnis zeigt sich ein Hexagramm, das einem von 64 Mustern entspricht. Jedem Muster ist eine bestimmte Bedeutung zugeordnet, die Interpretation ist ziemlich vertrackt. Handbücher unterstützen bei der präzisen Fragestellung (kein Ja-Nein) und der Deutung. Modernes I Ging. Etwas einfacher ist die zweite Methode, der Münzwurf – dafür sind nur drei gleiche Münzen nötig. Web-Versionen beschleunigen I Ging.

Runen
Die altgermanischen Schriftzeichen bieten schnelle Hilfe auf Alltagsfragen. Als Orakel sind sie allerdings dem Tarot oder I Ging durchaus ähnlich: Man muss sehr konkrete Fragen stellen, um vielleicht eine brauchbare Antwort zu bekommen Entscheidungsfragen sind tabu, wie bei den verwandten Methoden. Beim sogenannten Runenwerfen werden einzelne Runen aus einem Beutel gezogen – natürlich erst, nachdem man eine Frage formuliert hat. Danach legt man sie in fixen Formationen auf und interpretiert sie mittels Handbuch.Für Ungeduldige gibt es das Express-Orakel: Es wird nur eine einzige Rune gezogen. Alltagsfragen wie: „Was wird passieren, wenn ich diesen Job annehme?“ werden ruckzuck beantwortet. „Wie hoch ist mein Gehalt?“ wäre hingegen eine unzulässige Frage.

Glaskugel
Ein Arbeitsgerät für Profis, nur auserwählten Laien gelingt das übersinnliche Sehen. Den Ursprung hat diese Methode im Mittelalter. Damals wurden glatte Flächen wie Spiegel, Wasseroberflächen und transparente Objekte zur Deutung mystischer Antworten verwendet. Die Wahrsagekugeln dienen als Medium zur Übertragung von Informationen. Angeblich werden im Inneren der Kugel Karten, Linien oder etwa ein Pendel sichtbar, sobald der „Seher“ sich gut genug konzentriert und in Trance verfällt. Diese erscheinenden Symbole geben Aufschluss über bereits Geschehenes oder künftige Ereignisse.

Handlesen
Aristoteles wird sich doch nicht getäuscht haben? Er behauptete vor 2.350 Jahren: „Die Linien sind nicht ohne Grund in die menschliche Hand geprägt. Sie stammen von himmlischen Einflüssen.“ In der Zwischenzeit gibt es für die Handlesekunst sogar einen wissenschaftlich klingenden Namen: Chiromantik. Der individuelle Charakter jeder Hand ist unbestritten – bekanntlich ist jeder Fingerabdruck einmalig, so auch die Linien an den Flächen. Banale Interpretationen sind aber Fehlschläge: Die Länge der sogenannten Lebenslinie sagt zum Beispiel nichts über das zu erzielende Alter, sondern vielmehr über die vorhandene Vitalität aus. Die Biegung des Daumens zeigt Durchsetzungsvermögen, kleine Fältchen an der Handkante eine mögliche Kinderschar. Und falls doch alles anders kommt: Auch Orakel sind nicht fehlerfrei.

Eva Jankl


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