02. Februar 2009 10:25

Stressresistent 

Der neue Weg zu Gelassenheit

Dynamisch entspannen. Dem Stress keine Chance mehr lassen: Spezial-Bewegungen und klassische Musik sollen dabei helfen. So geht‘s!

Der neue Weg zu Gelassenheit
© Getty Images
Der neue Weg zu Gelassenheit
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Was haben klassische Musik und Entspannung miteinander zu tun? Mit seinem neuem Buch Dynamisch entspannen mit der Rossini-Methode hat der deutsche Psychologe Peter Bergholz eine klare Antwort darauf: Der bekannte Körpertherapeut und Autor entwickelte eine Entspannungstechnik, die Glückshormone stimuliert und neue, positive Erfahrungen im Körpergedächtnis verankert. Einfache Bewegungen des Beckens sowie der Schultern, Arme und Beine lösen tiefsitzende Verspannungen und setzen die Zwerchfellatmung in Gang. In Verbindung mit klassischer Musik – vor allem die des italienischen Komponisten Gioachino Rossini – werden die Bewegungen vertieft und der Entspannungsprozess unterstützt.

Musikbewegungen
„Veränderungen in unserem Leben sind nur möglich, wenn wir in Bewegung kommen“, erklärt Bergholz in seinem neuen Ratgeber. Und hat damit vollkommen Recht: Denn neue Erkenntnisse der Hirnforschung belegen, dass unsere Gedanken und Gefühle in erster Linie durch unsere Motorik bestimmt werden. Sie vermittelt zwischen Bauch und Kopf, zwischen Verstand und Emotionen. Das Kernstück der Rossini-Methode bilden deshalb vier einfache Bewegungen der Arme und des Beckens. „Durch die Verschmelzung mit ausdrucksstarker Musik werden die Moves zu Musikbewegungen, die auf eine einzigartige Weise das Innenleben anregen und gleichzeitig beruhigen können“, ist der Körpertherapeut überzeugt. Wie hoch Sie dabei die Arme nehmen oder wie korrekt Sie die Übungen machen, spielt keine große Rolle. „Weil es eben nicht auf eine bestimmte Position des Körpers oder die Exaktheit der Ausführung ankommt, sondern auf die Gefühle und Bilder, die durch die Musikbewegung ins Bewusstsein geholt werden und die sich im Körper verankern sollen“, so Rossini-Erfinder Bergholz.

Bauchhirn
Wer Stress effektiv begegnen will, muss dort ansetzen, wo Druck und Verspannungen gespeichert sind – und zwar im Bauch. Psychologe Bergholz: „Bauch, Kopf und Stress gehören zusammen, und jeder Versuch, den eigenen Stress zu bewältigen, wird ins Leere laufen, wenn der Bauch davon unberührt bleibt.“ Der Bauch – genau genommen der Verdauungstrakt – weist eine starke funktionelle und strukturelle Ähnlichkeit mit dem Haupthirn im Schädel auf – es ist wie ein Abbild des Kopfhirns. Und dieses hochempfindliche, gedanklich nicht manipulierbare System nimmt selbst das wahr, was der Kopf nicht wahrnehmen möchte.

Heilen
Jeder kleine Ärger, jeder faule Kompromiss, jede Kränkung hinterlässt Spuren im Verdauungssystem. Diese Spuren sind wie Spannungsherde, die sich in der Muskulatur des Darmsystems bilden. Normalerweise lösen sie sich von alleine. Schwächen uns aber zu viel Druck, Konflikte oder Erschöpfung, bleiben Spannungsreste. Hierbei helfen die Rossini-Bewegungen. Aber auch anschließende Entspannung ist wichtig: Legen Sie dafür wiederum klassische Musik auf. Tipp: Auch Mozart-Sonaten sind geeignet. Nun entspannen Sie liegend auf Ihrer linken Herzseite. Seien Sie dabei ganz ruhig, gelassen und zufrieden. Hören Sie Ihren Atem und spüren Sie Ihren Bauch. Wenn die Musik ausklingt, bleiben Sie noch einige Zeit ruhig liegen. Je mehr Zeit Sie sich für diese Phase nehmen, desto stärker werden Sie die Wirkung der Übungen spüren.

Stärken leben
In dieser Phase der bewegten Stille kommen Sie in einen meditativen Zustand, in dem sich die Gedanken weiten und über die gewohnten Grenzen hinausgehen können. Hier finden sich Themen, Ziele und Visionen. „Vielleicht nicht gleich beim ersten Mal, aber irgendwann setzt dieser Fluss bei jedem ein“, so Bergholz. Komplizierter und auch belastender wird es für jene, die sehr wohl wissen, wozu sie sich berufen fühlen – die sich aber nicht trauen, dazu zu stehen und die erforderlichen Konsequenzen zu ziehen. „Alles, was leben will, aber nicht gelebt wird, löst Frustration aus, und diese drückt unweigerlich auf die Lebensschwingung“, so der Experte. Dagegen gibt es nur ein Mittel: Lassen Sie sich nicht davon abhalten, das zu tun, wozu Sie sich berufen fühlen. Denn ein Zuviel an alltäglicher Routine und ein Mangel an neuen Herausforderungen sind die stärksten Feinde der strömenden Lebensenergie – der sogenannten Flow-Schwingung.

Mehr innere Harmonie
Und genau diese heißt es im Kampf gegen den Stress zu aktivieren: Die Flow-Schwingung – ein Zustand des inneren Fließens, der strömenden Lebensenergie, des wohligen Bauchgefühls und der Gegenspieler sämtlicher Stress-Symptome. „Wenn Flow geht, kann Stress kommen. Wenn Flow stärker wird, muss Stress weichen“, erklärt Psychologe Bergholz. In der Rossini-Methode wird dieser magische Mechanismus genutzt und dazu bewegt, Ihren Flow aufzuspüren, ihn wiederzubeleben und ihn zu einem verlässlichen „Partner“ in Ihrem Leben zu machen. Denn nur so hat Stress auch langfristig keine Chance mehr. Da Flow ein Prozess ist, der im Unterbewusstsein entsteht, empfiehlt Peter Bergholz die Rossini-Reise ein- bis zweimal in der Woche zu machen. Einen Versuch gegen das Alltagsübel Dauer-Stress könnte der ungewöhnliche musikalische Trip zumindest Wert sein...

Rossini-Methode
Buchtipp: Die Rossini-Methode mit Originalmusik von Gioachino Rossini. Knaur-Verlag um 17,50 Euro

Foto: (c) Getty Images


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