15. April 2008 11:18

Risiko Übergewicht 

Dicke Frauen erkranken häufiger an Brustkrebs

Fettgewebe führt zu vermehrter Östrogenproduktion. Bereits regelmäßige Spaziergänge können das Risiko mindern.

Dicke Frauen erkranken häufiger an Brustkrebs

Übergewicht erhöht das Brustkrebs-Risiko ganz erheblich. Nach Angaben des Berliner Krebsmediziners Michael Untch erkranken dicke Frauen zwei- bis dreimal öfter an Brustkrebs als schlanke Altersgenossinnen. Grund sei eine Östrogenproduktion im Fettgewebe, sagte Untch zum Beginn einer europäischen Brustkrebs-Konferenz in Berlin.

Häufigste Krebserkrankung
Brustkrebs ist mit rund 57.000 Neuerkrankungen und 17.600 Sterbefällen im Jahr die häufigste Tumorerkrankung bei Frauen in Deutschland. Zu der Konferenz, die von Patientinnenorganisationen ins Leben gerufen wurde, werden bis zum Donnerstag rund 5.000 Ärzte und Experten in Berlin erwartet. In Österreich wird die Diagnose Mammakarzinom jährlich bei rund 4.700 Frauen gestellt, etwa 1.700 Patientinnen erliegen der heimtückischen Krankheit.

Gehen Sie spazieren!
Übergewicht gehe bei Frauen mit der Bildung von Fettgewebe im Bauchraum einher, sagte der Chefarzt der Frauenklinik des Berliner Helios-Klinikums im Stadtteil Buch. In diesem Fettgewebe würden Hormonvorläufer zu Östrogenen umgebaut. Diese erhöhten das Risiko für Brustkrebs. Bereits regelmäßiges Spazierengehen von mehr als vier Stunden in der Woche könne dieses Risiko jedoch mindern, sagte Untch. Auch nach einer Brustkrebstherapie führt Bewegung nach Angaben des Arztes zu deutlich weniger Folgetherapien. Jüngste Studien hätten gezeigt, dass sich viele Patientinnen durch Bewegung weitere Chemo-oder Hormontherapien und neue Operationen ersparen könnten.

Stillen schützt
Ein großer Schutz vor Brustkrebs sei auch das Stillen, betonte Untch. Da Frauen in Deutschland heute jedoch weniger Kinder bekämen als früher, werde auch weniger gestillt. Untch bedauerte, dass bisher weniger als die Hälfte der eingeladenen Frauen in Deutschland das neue Mammographie-Screening zur Brustkrebsvorsorge für 50- bis 69-Jährige nutze. Es ist für Kassenpatientinnen kostenlos.

Todesrate senken
"Meiner Meinung nach müssen Hausärzte und Gynäkologen noch viel mehr auf den Nutzen dieser Untersuchungen hinweisen, auch wenn ihnen diese Gespräche nicht vergütet werden", sagte der Chefarzt. Screenings, die es in anderen europäischen Ländern schon länger gebe, senkten nachweislich die Todesraten bei Brustkrebs. Je früher ein Tumor erkannt werde, desto einfacher sei auch die Therapie, ergänzte er.


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