15. Oktober 2008 08:37

Karies 

Die Feinde der Zähne

Neue Untersuchungen zeigen: Der Genuss von vielen kurzkettigen Kohlenhydraten verändert die Mundflora und fördert Karies und Parodontitis.

Die Feinde der Zähne
© getty
Die Feinde der Zähne
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Hunderte verschiedener Bakterienarten tummeln sich in unserer Mundhöhle – sind sie im Gleichgewicht, so sind auch Zähne und Zahnfleisch geschützt. Stress, falsche Ernährung und mangelnde Hygiene bringen die Mundflora aus dem Gleichgewicht. Die Folge: Mundgeruch, Parodontitis und Karies. „Die Bakterien haften am Zahnbelag und können sich dort sehr gut vermehren. Daher ist die tägliche gründliche Entfernung der Beläge die Basis der Mundgesundheit“, erklärt der Wiener Zahnarzt Walter Wadsak.

Karies und Parodontitis
Schuld an Karies ist ein winziges Bakterium namens Streptococcus mutans. Der Keim wäre nicht so gefährlich, würde er nicht durch Zahnbelag und zuckerreiche Ernährung aufgepäppelt werden. Ähnliches gilt für Entzündungen am Zahnfleisch: Auch sie werden durch Bakterien ausgelöst. Wadsak: „Aus dem Biofilm auf den Zahnoberflächen werden bakterielle Stoffwechselprodukte freigesetzt.“ Und diese sind Gift für das Zahnfleisch: Wird eine oberflächliche Gingivitis nicht behandelt, so geht die Entzündung tiefer. „Parodontitis ist eine ernste Erkrankung, die zum Verlust der Zähne führen kann“, so Wadsak.

Mund-Milieu
Wichtigstes Ziel bei der Mundpflege ist demnach, den schädlichen Bakterien den Nährboden zu entziehen. Neue Studien zeigen, dass die Ernährung direkten Einfluss auf die Zusammensetzung der Mundflora hat. Wadsak: „Je mehr kurzkettige Kohlenhydrate gegessen werden, desto schädlicher für die Zähne.“ Sogenannte kurzkettige Kohlenhydrate sind in Weißbrot und Mehlspeisen enthalten und werden im Gegensatz zu langkettigen Kohlenhydraten vom Körper rasch aufgenommen. Wadsak: „Kurzkettige Kohlenhydrate bauen Zahnbelag viel schneller auf.“

Selbsttest
Neue Untersuchungen zeigen: Wer seine Ernährung auf Vollwertkost umstellt, Softdrinks, Weißbrot und Süßigkeiten meidet, hat bereits nach einem Monat deutlich weniger Zahnbelag.

So schützen Sie Zähne und Zahnfleisch
Ernährung. Nicht der Zucker bohrt das Loch in den Zahn. Er sorgt aber dafür, dass sich schädliche Bakterien in der Mundflora ausbreiten. Kurzkettige Kohlenhydrate und stark bearbeitete Kohlenhydrate mit hohem glykämischen Index füttern die Keime. Die Kariesbakterien zerlegen den darin enthaltenen Zucker in Glukose und Fruktose. Dabei bilden sich Säuren, was zu einer Entkalkung und langsamen Zerstörung des Zahnschmelzes führt. Außerdem bilden schädliche Bakterien im Mund aus Glukose ihren ­eigenen Klebstoff. Sie haften dann besonders gut an den Zahnoberflächen.

Wie oft?
Für Zähne und Mundflora wäre der völlige Verzicht auf Zucker, Weißbrot und Mehlspeisen am besten. Doch da Süßes auch Trost für die Seele sein kann, empfehlen Experten zumindest die Reduktion von zuckerhaltigen Produkten wie Schokolade, Eis und Mehlspeisen. Aber auch Cola-haltige Getränke und Softdrinks (auch wenn sie künstlichen Süßstoff enthalten) sind schädlich. Wer auf Süßes nicht verzichten will, sollte sich an folgende Regel halten: Besser einmal viel naschen als über den Tag verteilt die Zähne mit vielen kleinen Zuckerportionen zu versorgen

Fluoride
Speichel kann die Säure im Mund binden. Daher ist Kauen von zahnfreundlichem Kaugummi ein guter Schutz. Auch Fluoride (in Zahnpasta und Spülungen) schützen die Zähne. Tipp: Vor Naschorgien den Mund 30 Sekunden mit ­fluoridhaltiger Lösung spülen.

Foto: (c) sxc


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