02. September 2008 11:15

Kräuterkunde 

Die Kraft der Heilpflanzen

Schon vor Jahrhunderten nützten Hexen und Kräuterweiber die Kraft der Heilpflanzen als Medizin. Heute sind die alten Methoden bestens erforscht und populärer denn je.

Die Kraft der Heilpflanzen
© sxc
Die Kraft der Heilpflanzen
© sxc

Unsere Vorfahren wussten nichts von wissenschaftlichen Untersuchungen. Dennoch gelang es ihnen, treffsicher das richtige Kraut zur Hand zu haben: „Mischen Sie Frauenmantel, Schafgarbe, Melisse, Ehrenpreis und Taubnessel-Blüten zu gleichen Teilen und bereiten Sie einen Aufguss mit zwei Teelöffeln dieser Mischung. Nach zehn Minuten seien Sie das Kraut ab. Trinken Sie drei Tassen pro Tag.“ So lautet die Rezeptur aus einer alten Kräuterküche. Helfen sollte dieser Tee „gegen alles, was Frauen rund um ihre Weiblichkeit betrifft.“

Hexenwissen
Jahrhunderte später ist die Wirkung dieser Arzneipflanzen von der Forschung längst bestätigt. Und die Rezeptur wird immer noch gegen Wechselbeschwerden, Menstruationsschmerzen oder beim prämenstruellen Syndrom verschrieben.

„In der Vergangenheit hat man mit Heilen immer auch das Bild der Hexe verbunden“, weiß die deutsche psychologische Beraterin Stefanie Glaschke. Ein positives Hexen-Bild, denn diese „gehörten zur Gruppe der Weisen. Sie halfen bei Geburten, bereiteten Umschläge zur Wundheilung und Kräuteraufgüsse bei Erkrankungen der inneren Organe“, so Expertin Glaschke. Sie glaubt, dass das Wort Hexe von hagasuzza, also Zaunhockerin, abgeleitet ist. Gemeint sind also heilkundige Frauen, die im Bereich der Hecke ihre Kräuter hegen und sammeln.

Kräuterapotheke
In ihrem aktuellen Ratgeber „Das Heilwissen der weisen Frauen“ verrät Glaschke , welche Mittel und Praktiken Frauen einsetzten, die vor Jahrhunderten in Europa als Hexen, Kräuterweiber oder Wehfrauen bekannt waren. Sie schworen unter anderem auf diese Heilpflanzen:

Arnika
Steht unter strengem Naturschutz. Die Pflanze wird nur äußerlich angewendet und hilft als Tinktur oder Salbe bei Quetschungen, Zerrungen und Sportverletzungen.
Tipp: Heute wird Arnika vor allem in der Homöopathie als SOS-Mittel bei Prellungen verwendet.

Baldrian
Das „alte Zauberkraut für Frauen“ galt auch als „Hexenkraut“. Medizinisch verwendet wird nur die Wurzel des Baldrians. Die enthaltenen Öle, Schleim- und Gerbstoffe wirken krampflösend und entspannend. Gut auch bei nervösem Magen, sowie während der Regel.
Tipp: Fördert als Tee, Tropfen oder Badezusatz die Einschlafbereitschaft in Stress-Zeiten.

Basilikum
Das „Königskraut“ fördert die Fettverbrennung, steigert den Appetit und lindert Krämpfe im Magen-Darmbereich. Hat antibakterielle und schmerzstillende Wirkung.
Tipp: Im Garten oder auf der Fensterbank kultivieren! Die Blätter sollen auch vor Erkältungskrankheiten schützen.

Betonie
Heißt im Volksmund auch „Zahnkraut“ und wirkt blutstillend. Gut einsetzbar ist eine Gurgellösung aus den grünen Pflanzenteilen bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum (Zahnfleisch!).
Tipp: Ein Tee aus Betonie hilft auch sehr gut gegen Durchfall.

Bohnenkraut
Die auch als „Pfefferkraut“ bekannte Pflanze wirkt appetitanregend und magenstärkend. Gegen unreine Haut hilft eine Kompresse mit Bohnenkraut-Tee. Kalt getrunken ist der Tee ein toller Durstlöscher!
Tipp: Schmeckt als Gewürz gut zu Tomaten, Gurken, Kürbis oder Fisch. Lindert Blähungen!

Brennnessel
Blutreinigende und harntreibende Wirkung. Tee hilft bei Harnwegsinfekten. Wird auch bei Gicht und Rheuma eingesetzt. '
Tipp: Entgiftet den Körper: Ideal als Salat bei Frühjahrskuren!

Frauenmantel
Wirkt gegen typische Frauenleiden – von Regelschmerzen bis PMS. Ätherische Öle heben die Stimmung; Gerbstoffe wirken entzündungshemmend. Auch Husten und Zyklusunregelmäßigkeiten werden damit erfolgreich behandelt.
Tipp: Warme Kompressen mit Frauenmanteltee helfen sehr gut bei Regelschmerzen.

Heidekraut
Ist leicht zu finden: Im Spätsommer und im Herbst blüht die Pflanze üppig in Rot- und Violetttönen. Ein Tee aus Blüten und Blättern hilft bei Harnwegsinfekten und Nierenleiden. Als Badezusatz auch bei Rheuma-Erkrankungen geeignet.
Tipp: Bei Schmerzen in der Nierengegend: Heidekraut mit heißem Wasser übergießen. Aus dem Sud einen Umschlag machen.

Johanniskraut
Der „Stimmungsmacher“ wurde schon früh als Mittel gegen böse Geister eingesetzt. Heute dient das Kraut in Kapsel- oder Tropfenform als Anti-Depressivum bei leichten Verstimmungen. Kann die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen!
Tipp: Johanniskrautöl beruhigt trockene, gereizte Haut.

Kamille
Die antiken Heilerinnen kannten Kamille ebenso wie die Hexen des Mittelalters. Entzündungshemmende und krampflösende Wirkung: Wird bei Magen-Darmerkrankungen und Erkältungen eingesetzt.
Tipp: Bei Schnupfen: 2 EL Blüten auf einen Liter heißes Wasser geben. Den Dampf inhalieren.

Lavendel
Der Seelentröster zeigt seine beste Wirkung als Nerven- und Entspannungsmittel. Verspannungen lösen sich hervorragend in einem Lavendelbad.
Tipp: Zum Abschalten: Für eine Tasse Tee 2 EL Blüten mit heißem Wasser übergießen. Vor dem Einschlafen trinken!

Melisse
Wurde im Mittelalter in jedem Klostergarten angebaut: Heute wird Melisse in erster Linie wegen seiner entspannenden Wirkung eingesetzt. Stärkt auch die Abwehrkräfte und hilft bei Verdauungsproblemen.
Tipp: Melissen-Extrakt soll auch gegen Fieberblasen helfen.

Pfefferminze
Kannte man sogar schon bei den alten Ägyptern: Hilft bei Magen- und Darmbeschwerden. Die Inhaltsstoffe wirken keimtötend und beruhigend. Gut auch bei Schnupfen und Husten.
Tipp: Wird meist als Tee getrunken. Bei Erkältungen wirkt die Pflanze auch als Badezusatz.

Rosmarin
Galt im 15. Jahrhundert als Wundermittel gegen alle Leiden – von Appetitlosigkeit bis Rheuma. Heute ist Rosmarin als Kreislauftonikum wissenschaftlich anerkannt. Ideal bei niedrigem Blutdruck! Wirkt anregend und hilft auch bei Regelkrämpfen.
Tipp: Für mehr Schwung: Am Morgen eine Waschung mit Rosmarinöl durchführen!

Salbei
Wirkt als Tee gut bei Störungen im Magen-Darmtrakt. Bewährt auch bei Entzündungen im Hals-Rachenraum.
Tipp: Hilft auch hervorragend gegen übermäßiges Schwitzen.

Thymian
Kräuterweiblein setzten das würzige Gewächs bei Atemwegserkrankungen ein. Auch heute noch wird Thymian vor allem bei Husten, Asthma und Bronchitis angewendet. Außerdem wirkt das Kraut stimmungsaufhellend und macht Schwerverdauliches bekömmlicher.
Tipp: Für Kinder: Thymiantee mit Honig wirkt hustenstillend.

Nächste Seite: Die besten Hexenrezepte für alle Fälle

SOS-Rezepte gegen Alltagsleiden
Abwehrkräfte stärken
Reiben Sie Meerrettich und essen Sie mehrmals täglich eine Portion frischen Topfen mit dem geriebenen Meerrettich. Die Kur in der Erkältungszeit am besten zwei Wochen lang durchführen!

Akne
Bereiten Sie einen Aufguss aus drei Handvoll Birkenblättern und einem Liter Wasser. Tränken Sie ein Baumwolltuch darin und tupfen Sie die betroffenen Stellen damit ab. Mehrmals wöchentlich wiederholen!

Blasenentzündung
Im akuten Fall trinken Sie Tees mit harntreibender Wirkung, wie etwa Brennnesseltee. Vorbeugend hilft auch Preiselbeersaft – etwa 300 ml pro Tag.

Bronchitis
Bei Hustenerkrankungen ist eine hohe Zufuhr an Flüssigkeit notwendig: Trinken Sie Anis und Holunder abwechselnd als Tee. Sie können auch die antibakteriellen Wirkstoffe der Zwiebel nutzen – am besten in Form von warmen Brustwickeln aus gekochten Zwiebeln.

Erkältung
Ein uraltes Hausmittel: Zuerst ein Vollbad mit Fichtennadelextrakt nehmen, dann ein warmes Bier trinken – und ab ins Bett. Wenn Sie – wie meist bei Erkältungen üblich – an mehreren Symptomen leiden (Husten, rinnende Nase, Halsweh, Schnupfen), führen Fenchel- und Anistee zu einer Besserung.

Fieber
Kalte Wickel um die Waden wirken fiebersenkend. Wichtig: Nur bei warmen Füßen anwenden und den Wickel erneuern, sobald er Körpertemperatur erreicht hat. Auch Holunderblüten helfen bei Fieber: Drei Tassen Tee pro Tag trinken.

Kopfschmerzen
Erste Hilfe bei leichtem Kopfweh: Reiben Sie die schmerzenden Stellen mit Majoran-Öl ein. Eine Auflage mit Meerrettich im Nacken kann Kopfschmerzen lindern, die durch Verspannungen entstanden sind. Bei Migräne ist eine Teekur mit Engelwurz einen Versuch Wert: Den Tee dreimal täglich in kleinen Schlucken trinken – sechs Wochen lang.

Regelschmerzen
Füllen Sie Kamillenblüten in einen Leinenbeutel und erwärmen Sie diesen (zum Beispiel ganz „modern“ in der Mikrowelle). Den warmen Kräutersack einige Minuten lang auf den Unterbauch legen.

Reizblase
Sie können den lästigen Symptomen (wie dauernd auf die Toilette zu müssen) vorbeugen, indem Sie öfter Kürbis auf Ihren Speiseplan setzen. Auch Kürbiskerne helfen. Und: Brennnesseltee trinken, um die Nieren gut durchzuspülen.

Zahnschmerzen
Sie sollten unbedingt so schnell wie möglich einen Zahnarzt aufsuchen. Kurzfristig können Sie schmerzende Zähne mit Nelkenöl betupfen. Bei entzündetem Zahnfleisch helfen Spülungen mit Betonie und Myrrhe.


Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |