15. Dezember 2008 11:54

Naturheilkunde 

Die Kraft der Selbstheilung

Eine neue Therapie verbindet Schul- und Naturmedizin. Wir zeigen, wie auch Sie Ihre Selbstheilungskräfte aktivieren können!

Die Kraft der Selbstheilung
© Getty Images
Die Kraft der Selbstheilung
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Was tun Sie, wenn Ihr Kopf schmerzt? Eine Tablette schlucken oder die Schläfen mit Minzöl massieren? „80 Prozent der Bevölkerung würden lieber ein pflanzliches als ein synthetisches Medikament nehmen“, weiß der deutsche Internist Gustav Dobos, der an den Kliniken Essen-Mitte die Abteilung „Naturheilkunde und Integrative Medizin“ leitet. Mit einem in Europa bisher einzigartigen Konzept verbindet er dort das Fachwissen der Inneren Medizin mit traditionellen Naturheilverfahren. „Viele meiner Patienten haben eine Odyssee von Facharzt zu Facharzt hinter sich, ohne dass ihnen wesentlich geholfen werden konnte. An unserer Klinik erfahren sie, wie sie ihr Leben so verändern können, dass ihre Selbstheilungskräfte mobilisiert werden.“

Entspannungsverfahren wie Yoga, Qi Gong oder Meditation helfen dabei ebenso wie Kneipp’sche Wasseranwendungen, Heilfasten oder Methoden aus der Traditionellen Chinesischen Medizin. Dobos: „Ziel war es, die Kluft zwischen moderner Schulmedizin und traditionellen Heilverfahren zu überwinden.“ Über 15.000 Patienten wurden bereits behandelt.

Tipps für Sie
Das erfolgreiche Therapiekonzept kann man nun auch nachlesen. In seinem Ratgeber „Die Kräfte der Selbstheilung aktivieren!“ (Zabert Sandmann) verrät Mediziner Gustav Dobos, wie man Signale des Körpers rechtzeitig erkennt und was jeder selbst tun kann, um Krankheiten vorzubeugen und zu heilen. Und so können auch Sie mit wissenschaftlich anerkannten Naturmethoden die Selbstheilungskräfte Ihres Körpers anregen:

Gutes für den Bauch
Nervensache

Süßes und Fettes: Gerade in der Adventzeit wird der Verdauungstrakt oft schwer in Mitleidenschaft gezogen. Was viele nicht wissen: An unserer Verdauung sind über 100 Millionen Nervenzellen beteiligt – mehr als sich im Rückenmark befinden. Nervliche Belastungen können sich daher leicht auf den Magen oder Darm schlagen.

Das Selbstheilungsprinzip: Wenn das Weihnachtsmahl zu üppig war oder der Stress vor dem Fest zu groß: Als erste Selbsthilfemaßnahme bei Bauchkrämpfen empfiehlt Mediziner Dobos eine Leibauflage mit Kamillensud. Dazu 1 TL Kamillenblüten in 1/4 Liter kochendem Wasser 10 Minuten ziehen lassen und abseihen. Dann ein Geschirrtuch in dem Kamillensud tränken, auswringen und noch warm auf den Bauch legen. Darüber kommt ein trockenes Baumwolltuch, das fest um den Leib gewickelt wird. Nun noch eine Wärmeflasche darüber legen und 30 Minuten ruhen. Beruhigt Darm und Nerven gleichermaßen! Gegen stressbedingtes Bauchweh hilft auch ein 37°C warmes 15-Minuten-Sitzbad mit Melisse oder Lavendel. Sie können frische Kräuter oder Fertigpräparate (Apotheke) verwenden.

Auch Durchfallerkrankungen sind jetzt häufig. Arzt Dobos empfiehlt dagegen Heidelbeer-Tee: 3EL getrocknete Heidelbeeren mit 1/2 Liter kochendem Wasser übergießen, 20 Minuten zugedeckt ziehen lassen und mehrmals täglich ein halbes Glas davon trinken.

Nie mehr Kopfweh
Frauenleiden

Kopfschmerzen nach der Weihnachtsfeier? Oder weil Sie unter unter Druck stehen? Das Problem an Schmerztabletten: Sie können bei häufiger Einnahme selbst Kopfschmerzen verursachen. Und: Frauen leiden doppelt so häufig an Spannungskopfschmerzen wie Männer.

Das Selbstheilungsprinzip: „Kopfschmerz-Patienten sind oft Hochleistungstypen, die ständig unter Strom stehen und alles perfekt erledigen wollen. Entspannung kommt zu kurz – und der Nacken verspannt sich“, weiß Autor Dobos. Er meint, manchmal helfe es schon, die Trinkmenge zu erhöhen – auf insgesamt drei Liter Wasser oder Kräutertee am Tag. Außerdem gut: Stirn, Schläfen und Nacken mit Minz-Öl einreiben. In der Apotheke gibt es spezielle Minzölstifte. Und: „Besonders bei beginnenden Kopfschmerzen bewährt sich ein Senfmehlfußbad, das die Durchblutung anregt“, erklärt Dobos. Und so geht’s: Geben Sie 4 EL schwarzes Senfmehl (erhältlich in Reformhaus oder Apotheke) in eine Fußbadewanne. Diese wadenhoch mit körperwarmem Wasser anfüllen und die Füße 10 Minuten darin baden. Nach fünf Minuten nochmals heißes Wasser nachgießen, damit die Temperatur konstant bleibt. Zum Schluss die Füße mit lauwarmem Wasser abspülen, abtrocknen und warme Wollsocken anziehen.

Bei Neigung zu Spannungskopfschmerzen sollten Sie Fehlhaltungen (im Nacken und Rücken) vermeiden und auf ­eine ausgewogene Work-Life-Balance achten: Regelmäßige Bewegung ist hilfreich, da sie Verspannungen lockert und die Durchblutung fördert. Dobos: „Bei einem akuten Anfall reicht oft schon ein Spaziergang an der frischen Luft.“

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Starker Rücken
Keine Panik
Zu viele Einkaufssackerl geschleppt? Oder Überstunden am PC gemacht? Bei plötzlicher Pein im Kreuz lautet Dr. Dobos’ erster Rat: „Behalten Sie die Nerven! 80 Prozent aller Rückenschmerzen verschwinden innerhalb von sechs Wochen – und zwar völlig unabhängig davon, ob und wie sie behandelt wurden.“ Wenn Sie zu einem Scherzmittel greifen, dann sollten Sie damit jedoch nicht zu lange warten – sonst können die Schmerzen leicht chronisch werden.

Das Selbstheilungsprinzip: Als Soforthilfe empfiehlt Mediziner Dobos eine sogenannte „Gua-Sha-Massage“: „Bei dieser 2.000 Jahre alten, in ganz Asien verbreiteten Behandlungstechnik schabt man mit abgerundeten Instrumenten (wie etwa dem Deckel eines Babybreiglases) über den Rücken, bis sich die Haut deutlich verfärbt.“ So geht’s: Erst den Rücken mit Hautöl eincremen. Dann muss der Partner etwa 1,5 Daumenbreit rechts und links seitlich der Wirbelsäule mit dem Deckel mehrmals von oben nach unten streichen – mit deutlichem Druck. Das gleiche um je 1,5 Daumenbreit seitlich des ersten Striches wiederholen. Dann mit dem Deckel mehrmals vom Nacken bis zur Schulter und zum Schluss von der Schulter hoch zur Nackenmuskulatur streichen. Die teilweise recht starken Rötungen sind erwünscht und verschwinden nach zwei bis drei Tagen wieder. Hilft nicht nur bei Rücken- und Nackenschmerzen, sondern auch bei Spannungskopfschmerz und akuter Bronchitis.

Wenn Sie öfter unter Rückenschmerzen leiden, sollten Sie dafür sorgen, den Rücken mit Gymnastik beweglich zu halten. Dr. Dobos schwört auf Yoga: „Ich selbst übe mindestens zwei- bis dreimal die Woche und habe auf Reisen immer meine Yoga-Matte mit dabei.“ Auch mit bewusstem Essen können Sie Einfluss auf die Schmerzen nehmen: Mediterrane Vollwertkost (Olivenöl, Fisch, viel Obst und Gemüse) verringert die Bildung von Eicosanoiden – Botenstoffe, die an schmerzhaften Entzündungen im Körper beteiligt sind.

Gesunde Lunge
Jetzt häufig: Infekte

Trockene Heizungsluft drinnen, Minusgrade draußen: Gerade im Winter ist bei vielen Menschen die Neigung zu bronchialen Infekten erhöht. Und: Fünf Prozent der Erwachsenen (vor allem Frauen!) und jedes zehnte Kind leiden an Asthma bronchiale: Ihre Schleimhaut reagiert überempfindlich auf Reize wie Pollen oder Tierhaare. Sie schwillt daraufhin an und die Bronchien produzieren zähen Schleim.

Das Selbstheilungsprinzip: Mediziner Dobos kennt einen simplen Trick, um den Winter ohne Husten zu überstehen: Die morgendliche Dusche mit einem kalten Guss beenden! Hört sich ungemütlich an, macht aber wach und virenresistent: Erst die Beine und Arme, dann die Brust von oben bis unten kalt abduschen. Zum Schluss kommen Gesicht, Stirn- und Nebenhöhlen dran. Bei akuten Beschwerden hilft eine „heiße Rolle“: Ein Handtuch einrollen, mit heißem Wasser beträufeln und die Rolle nun auf Schulter und Nacken legen (Sie liegen dabei auf dem Bauch). Die feuchte Wärme des Wickels entspannt und lindert Atemwegsbeschwerden.

Wer immer wieder Probleme mit den Bronchien hat oder an Asthma leidet, sollte Stress abbauen. „Bei 30 Prozent aller Asthma-Patienten verengen sich sofort die Bronchien, wenn ihre Nerven überreizt werden oder sie Sorgen plagen“, so Dobos. Er rät auch zu Ausdauersport wie Walking oder Radfahren (aber nicht überfordern!) und zu regelmäßigem Verzehr von Omega-3-Fettsäuren (in fettem Seefisch, Leinöl, Walnüssen): Dadurch könne sogar die Dosis an Asthmamedikamenten verringert werden.

Fittes Herz
Gefahr

Das Fatale: Hoher Blutdruck macht kaum Beschwerden. Dennoch sterben daran mehr Menschen als an Krebs: Ein Viertel der Bevölkerung weist zu hohe Blutdruckwerte (also über 120/80 mmHg) auf. Zu den Spätfolgen zählen Nierenleiden, Herzkreislaufprobleme (bis hin zum Infarkt) oder Sehstörungen. Die Ursachen sind vielfältig – sie reichen von Bewegungsmangel und Übergewicht bis hin zu chronischem Stress.

Das Selbstheilungsprinzip: Veränderungen des Lebensstils (Gewichtsreduktion, Entspannungsmethoden) erweisen sich als sehr wirksam. Mediziner Dobos empfiehlt, den Fettanteil in der Ernährung zu reduzieren und mehr pflanzliches als tierisches Eiweiß zu essen (Soja, Erbsen, Bohnen). Ideal für alle, die abnehmen wollen: Bauen Sie Entlastungstage in Ihren Alltag ein, an denen Sie über den Tag verteilt 150 Gramm ungesalzenen Vollkornreis und dazu bis zu ein Kilogramm Obst essen. Dazu: Viel trinken! Dieses Minifasten tut im kalorienreichen Advent besonders gut.

Foto: (c) Getty Images


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