15. Mai 2009 09:04

Essverhalten 

Essen verändert unsere Emotionen

Stress und negative Gefühle lassen manchen stärker zugreifen. Mechanismen noch unklar.

Essen verändert unsere Emotionen
© Getty Images

Das Wort Tiramisu kommt aus dem Italienischen und bedeutet "heb/zieh mich hoch" - darin liegt mehr Wahrheit, als so manch einer glaubt: "Essen verändert unsere Emotionen und umgekehrt", erklärte der Psychologe Michael Macht von der Universität Würzburg bei einer Tagung des Verbands der Ernährungswissenschafter Österreich (VEÖ) in Wien das Phänomen des emotionalen Essverhaltens. So können Stress und negative Emotionen die Nahrungsaufnahme steigern. Bisher sei aber noch unklar, auf welchen Mechanismen die emotionsregelnde Wirkung des Essverhaltens beruht.

Befragung
Laut einer Befragung gaben 46 Prozent der Teilnehmer an, bei Stress weniger zu essen - 34 Prozent griffen aber vermehrt zu, um die Hektik besser bewältigen zu können. 20 Prozent sahen keine Veränderung. Eine Studie mit Studenten zeigte, dass sie in den Tagen vor einer Prüfung stärker zu essen motiviert waren, um sich abzulenken, berichtete Macht. Eine andere Untersuchung ergab, dass das emotionale Essverhalten bei Ärger bei Bulimie-Kranken und Betroffenen von Binge-Eating-Störungen (Fressanfälle ohne nachträgliches Erbrechen, Anm.) noch stärker ausgeprägt war als bei gesunden Menschen oder solchen mit Anorexie.

Emotionaler Zustand
Zur Klärung der Mechanismen der emotionsregelnden Wirkung geht man vor allem auf die nährstoffbedingten physiologischen Veränderungen ein: So führt z. B. kohlenhydrat- bzw. fettreiche Nahrung zu Veränderungen im Gehirn, worauf sich der emotionale Zustand verbessert. Die Wirkung setzt allerdings erst verzögert ein. Hingegen betont die "hedonistische Hypothese" die unmittelbare Wirkung: Hier geht man davon aus, dass wohlschmeckende Nahrung positive emotionale Reaktionen auslöst und somit negative vermindert werden, erklärte der Psychologe.

Positive Gefühle
Die hedonistische Variante unterstützen verschiedene Untersuchungen: So zeigten Neugeborene bei der Gabe von Zuckerlösung mimische Reaktionen positiver Emotionen, ihre Stressreaktionen ließen sich stark reduzieren. In einem Experiment wurde Erwachsenen eine traurige Filmsequenz vorgeführt, danach wurden sie mit Schokolade "getröstet": Es zeigte sich eine deutliche Stimmungsverbesserung gegenüber Teilnehmern, die nur ein Glas Wasser erhalten hatten.


Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |