22. Jänner 2008 10:32

Konsument-Test 

Fachärzte besser als ihr Ruf

"Konsument"-Test zeigt: Kurze Wartezeiten im Akutfall. Privatzahler werden nicht bevorzugt.

Fachärzte besser als ihr Ruf
© APA

Wie lange braucht es, um als Akutpatient einen Termin bei einem Facharzt zu erhalten? Werden Privatpatienten gegenüber Kassenpatienten bei der Terminvergabe bevorzugt behandelt? Antworten darauf gibt die neue Ausgabe des Testmagazins "Konsument". 90 Facharztpraxen wurden mit der Bitte um einen Termin wegen eines Akutfalles kontaktiert. In den meisten Fällen war lediglich mit kurzen Wartezeiten zu rechnen, eine allgemeine Bevorzugung von Privatzahlern wurde nicht festgestellt. Dennoch: In puncto Terminvergabe gab es in einigen Fällen auch Anlass zu Kritik.

Behandlungstermin

Zwei Testpersonen - ein Kassenpatient und ein Selbstzahler - ersuchten telefonisch bei 90 Arztpraxen um einen Behandlungstermin. Getestet wurden jeweils zehn Ärzte aus neun Fachgruppen. Die von beiden Testpersonen vorgetragenen, identischen Krankengeschichten waren so konstruiert, dass kein Notfall vorlag, der eine Spitalseinweisung notwendig gemacht hätte. Die beschriebenen Symptome erforderten aber eine möglichst rasche Abklärung durch den Facharzt.

Termin am selben Tag
Acht von zehn Ärzten vergaben einen Termin innerhalb von zwei Tagen, in jeder zweiten Ordination erhielten beide Testpersonen sogar noch am selben Tag einen Termin. "Konsument"-Gesundheitsexpertin Bärbel Klepp: "Wird in einem Akutfall nicht bereits am selben Tag ein Untersuchungstermin vergeben, kann sich ein Nachhaken auszahlen. In zehn Fällen erhielten die Tester einen rascheren Termin." Lediglich zwei Mal mussten Privatzahler und Kassenpatient länger als eine Woche auf ihren Termin warten - in einem Fall allerdings sogar 42 Tage. Klepp: "Bei zu langer Wartezeit ist es ratsam, auch weitere Fachärzte zu kontaktieren. Die Chancen, noch am selben Tag einen Termin zu erhalten, stehen im Akutfall relativ gut." Drei Ordinationen wurden nicht bewertet: Die Tester versuchten hier eine Woche lang vergeblich einen Arzt zu erreichen.

Keine Bevorzugung
Eine allgemeine Bevorzugung von Privatpatienten konnte zumindest bei den getesteten Arztpraxen nicht ausgemacht werden: In insgesamt 14 Ordinationen erhielt der Privatzahler schneller einen Termin, in 17 Fällen wurde der Krankenkassenpatient bevorzugt. Acht Ärzte wurden allerdings mit "nicht zufriedenstellend" beurteilt, wenn sie etwa den Patienten an ein Spital oder eine Ambulanz verwiesen. Gerade hier wird aber in vielen Fällen eine Überweisung vom niedergelassenen Facharzt benötigt. Eine Ordination verwies zudem auf die Notwendigkeit einer Überweisung vom Praktischen Arzt. Klepp: "Seit der Einführung der e-card können pro Quartal drei Fachärzte aus verschiedenen Fachgruppen konsultiert werden. Erst beim vierten Facharzt ist eine Überweisung vom Praktischen Arzt nötig."


Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |
Facebook Kommentare