23. Februar 2009 08:56

Gute Vorsätze 

Fasten ist auch eine seelische Wohltat

Enthaltsamkeit hat positiven Effekt auf die Psyche. So lange sich die Idee im Alltag nicht verselbstständigt.

Fasten ist auch eine seelische Wohltat
© sxc
Fasten ist auch eine seelische Wohltat
© sxc

40 Tage lang kein Alkohol, nichts Süßes oder weniger Rauchen: Zur Fastenzeit schießen die guten Vorsätze beinahe wie Schwammerln aus dem Boden. Welchen Nutzen die selbst gewählte Abstinenz abseits des religiösen Faktors hat, erläuterte Cornel Binder-Krieglstein vom Berufsverband Österreichischer Psychologen (BÖP). Die Hauptsache sei jedenfalls, sich selbst etwas zu beweisen und so zu stärken. Im Alltag überhandnehmen sollte der gute Wille aber nicht.

Verhaltensänderungen
Prinzipiell gehe es beim Fasten immer um Verhaltensänderungen - "und die sind das schwerste überhaupt", so Binder-Krieglstein. Aus psychologischer Sicht könne man zwei Motivationsgründe dafür unterscheiden: zum einen das Ideal, dem man nachkommen möchte, und zum anderen den schlichten Willensbeweis. Klar sei jedoch, dass zum gewählten Thema eine gewisse Affinität vorhanden sei, meist handle es sich um gesundheitsschädliche Dinge, die mit einem "Das sollte ich nicht tun"-Gefühl gekoppelt sind, erklärte der Psychologe.

Gelüste im Zaum halten
Der Effekt, den das Fasten mit sich bringt, ist für die Psyche prinzipiell positiv. "Man weiß dann: Ich kann ein Vorhaben umsetzen und habe die Befähigung, tiefe Gelüste im Zaum zu halten", sagte Binder-Krieglstein. So werde das Selbstbewusstsein gestärkt. Die Zeit des Fastens könne man auch für einen Reflexionsprozess nutzen und prüfen, wie lange man die Enthaltsamkeit durchhält bzw. ob und wie man den Verzicht auf das abendliche Glas Wein, die Tafel Schokolade oder die Zigarettenpause kompensiert.

Positiver Nutzen
Im Alltag verselbstständigen sollte sich die Idee aber trotz allem positiven Nutzen nicht: "Wenn das Thema Dominanz im täglichen Leben bekommt, wenn man zum Beispiel den ganzen Tag darüber nachdenkt, was man isst und Kalorien zählt, dann beeinträchtigt das den Alltag. Das Verhalten lässt sich dann nicht mehr abstellen und man misst ihm zu viel Gewicht bei", warnte der Psychologe. "Man muss selbst die Kontrolle über das Essen haben und nicht umgekehrt", fügte er hinzu.

Vorsatz
Hält man seinen Vorsatz nicht durch, ist in Trauer zu verfallen und zu glauben, dass man es eben nicht schafft, der falsche Weg. Besser wäre es, das Vorhaben erneut in Angriff zu nehmen und es beim zweiten Versuch einfach anders anzugehen. Nur weil man einmal gescheitert sei, bedeute das schließlich nicht, dass etwas prinzipiell nicht möglich sei, betonte der Experte.

Nächste Seite: Getreidekur zum Entgiften

Getreide, dem in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ein hohes therapeutisches Potenzial beim Entwässern oder Ausleiten von Feuchtigkeit zugesprochen wird, lassen schnell die ersten Kilos purzeln, weiß TCM-Expertin Claudia Nichterl. "Eine Reiskur beispielsweise ist ideal, wenn man sich ständig schlapp fühlt und man häufig Magenprobleme hat."

Das gekochte Getreide wird mit gedünstetem Gemüse, Obst oder Obstkompott zu einer vollwertigen Mahlzeit ergänzt. Kräuter und Gewürze sorgen für Geschmack und kleine Mengen Nüsse, Samen, Linsen, Bohnen oder Tofu unterstützen bei der Sättigung. Hochwertige kaltgepresste Öle sind ebenfalls erlaubt. Beispiel für einen Getreidetag: Insgesamt maximal 150 Gramm Getreide (roh gewogen) verzehren Gemüse, so viel man möchte maximal 500 Gramm Obst 1,5 bis 2,5 Liter Flüssigkeit (Tee, Suppe, Wasser).

Kein Fleisch
"Während einer Getreidekur sollte auf Fleisch, gebratene und panierte Speisen sowie scharfe und salzige Würze verzichtet werden. Fertigprodukte sowie Kaffee, Schwarztee, Alkohol und Nikotin sollten in dieser Zeit auch gemieden werden. Unterstützende Tees sind Maishaartee, Melissentee, Brennesseltee, Mariendisteltee. Auch warmes oder heißes Wasser eignen sich sehr gut. "Die Tage danach" müssen die Verdauung und der Stoffwechsel wieder behutsam an die Mahlzeiten herangeführt werden, das dauert etwa eine Woche, so Nichterl. Die Aufbauzeit sollte mindestens ein Drittel der Länge der Fastenzeit betragen, auf jeden Fall aber vier volle Tage.

Viel trinken
"Wichtig ist es, weiterhin reichlich zu trinken (mindestens zwei Liter pro Tag), damit es zu einer besseren Durchfeuchtung der Schleimhäute des Verdauungstraktes kommt", erklärt die Expertin. Der Körper soll langsam - mit leicht verdaulicher Kost wie gekochtes Gemüse/Obst oder Getreide(Brei) - wieder an das Essen gewöhnt werden. Ernährungsfehler während des Aufbaus in den ersten Tagen nach dem Fasten, rächen sich nicht nur in einer sprunghaften Gewichtszunahme, sondern gefährden den Erfolg der gesamten Kur.

Gesunde Menschen können jederzeit einmal in der Woche "fasten". Dafür eignet sich besonders ein Obst-, Gemüse-, Reis-, Kartoffeltag etc. "Da empfehle ich einen ruhigen, entspannten und stressfreien Tag dafür zu wählen", so Nichterl.

Foto: (c) sxc


Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |