22. April 2008 12:34

Gendermedizin 

Frauen und Männer anders behandeln

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind für Frauen häufiger tödlich als für Männer.

Frauen und Männer anders behandeln
© sxc

Männer und Frauen reagieren anders auf Krankheiten und deren Behandlung. Einerseits gibt es bei beiden Geschlechtern unterschiedliche Symptome für die gleichen Krankheiten, andererseits beeinflussen auch Rollenbilder und Lebensumstände Präsentation und Verlauf von Erkrankungen, sagte die Allgemeinärztin Ingrid Pichler. Die "Österreichische Gesellschaft für geschlechtsspezifische Medizin" setzt sich für eine stärker Berücksichtigung des Geschlechts in der täglichen Behandlung und Forschung ein.

Längeres Leben
In den nächsten Jahrzehnten werden die Menschen immer länger leben, "alte und ältere Menschen werden aber zu zwei Drittel Frauen sein", berichtete die Vorsitzende der Gesellschaft, Kardiologin Jeannette Strametz-Juranek - der Bedarf an frauengerechter Medizin steige daher ständig. In wissenschaftlichen Studien wurden aber bis vor kurzem geschlechtsspezifische Unterschiede "komplett vernachlässigt". So wurden zum Beispiel Ergebnisse aus Untersuchungen, in denen ausschließlich oder hauptsächlich Männer untersucht wurden, auf Frauen übertragen.

Sehr viele Unterschiede
Die Gendermedizin erkennt aber sehr viele Unterschiede. "Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen in den industrialisierten Ländern die häufigste Todesursache bei Frauen dar", sagte die Urologin und räumte mit dem Mythos auf, dass Herzinfarkte für Männer gefährlicher sind. "Herzinfarkte sind häufiger tödlich für Frauen unter 60 Jahren als für Männer. 25 Prozent der Männer und 38 Prozent der Frauen sterben innerhalb des ersten Jahres nach einem Herzinfarkt." Ebenso haben die Risikofaktoren bei den Geschlechtern nicht den gleichen Stellenwert, fügte sie hinzu: "Durch Nikotin wird das Risiko eine Herz-Kreislauferkrankung zu bekommen, bei Männern um das 2,5fache, bei Frauen um das 4,5 fache gesteigert, männliche Diabetiker haben ein dreifaches Risiko, Diabetikerinnen ein achtfaches Risiko."

Männer sind benachteiligt
"Männer sind aufgrund ihrer Biologie benachteiligt. Mann sein alleine birgt das Risiko einer geringen Lebenserwartung", sagte der zweite Vorsitzende Michael Eisenmenger. Das Problem in der männlichen Seite der Gendermedizin sei "die Einstellung des Mannes zu Gesundheit und Körper", so der Urologe. Männer sollen an die Verantwortung für ihren Körper erinnert werden. Probleme wie "erektile Dysfunktionen" dürfen zum Beispiel nicht auf die rein mechanische Funktion des Schwellkörpers reduziert werden, sondern stehen auch in Zusammenhang mit koronaren Herzkrankheiten. Eine Studie der Urologischen Abteilung des SMZ-Ost in Wien zeige, dass Männer mit einer mäßigen bis schweren erektilen Dysfunktion ein um bis zu 65 Prozent höheres Risiko haben, innerhalb der nächsten zehn Jahre einen Herzinfarkt zu erleiden.


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