26. Jänner 2009 12:53

In Millisekunden 

Gehirn erkennt Nährwert eines Essens

Studie am Universitätsspital Lausanne: Das menschliche Gehirn taxiert in Millisekunden den Nährwert eines Essens.

Gehirn erkennt Nährwert eines Essens
© sxc

Das menschliche Gehirn misst in weniger als 200 Millisekunden den Nährwert einer Speise. Das zeigt eine Studie am Universitätsspital Lausanne. Dies geschieht automatisch, auch wenn ein Mensch gar keinen Hunger hat und gerade etwas anderes macht.

Untersuchung
Die Forscher um Micah Murray untersuchten bei zwölf Frauen und zwölf Männern die Reaktion des Gehirns auf fetthaltige und fettarme Speisen. Vordergründig mussten die Probanden entscheiden, ob auf Bildern, die ihnen die Forscher im Halbsekundenrhythmus vorlegten, ein Nahrungsmittel oder ein Küchengerät abgebildet war.

Messung
Ohne das Wissen der Testpersonen maßen die Forscher aber mit der sogenannten Elektroenzephalographie (EEG), ob das Gehirn auf Pizza oder Schokolade gleich reagierte wie auf eine Birne, Spinat oder ein Stück Wassermelone. Es zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen fettigen und den fettarmen Nahrungsmitteln.

Erkennung
Bei Pizza und Co. stellten die Wissenschafter einen viel stärkeren Ausschlag im EEG fest, wie Murray auf Anfrage sagte. Reaktionen zeigten sich vor allem in den Hirnarealen, die mit der Erkennung von Objekten, mit dem Fällen von Entscheiden und mit der Belohnung in Verbindung gebracht werden.

Gehirn unterscheidet automatisch
Das Gehirn unterscheide also automatisch zwischen verschiedenen Kategorien von Nahrungsmitteln, sagte Murray zu der Studie, die in der Fachzeitschrift "Neuroimage" publiziert wurde. Dies laufe sehr rasch ab, sozusagen vorsorglich, denn die - nicht übergewichtigen - Probanden hatten vor den Tests eine Mahlzeit erhalten, waren also nicht hungrig.

Mittel gegen Essstörungen
Die Studie könnte laut den Forschern helfen, neue Mittel gegen Ernährungsstörungen wie Bulimie oder Anorexie zu finden. Frühere Studien hätten nämlich bereits gezeigt, dass einige der für die Entscheidfindung wichtigen Hirnareale bei diesen Krankheiten eine Rolle spielten, sagte Murray. Weitere Untersuchungen seien aber nötig.

Wichtige Ergebnisse
Der Forscher wies auch darauf hin, dass gerade ältere Personen sich häufig nicht mehr ausgewogen ernährten. Vielleicht könne die Wissenschaft diesen Menschen helfen, die Signale ihres eigenen Gehirnes besser zu lesen. Die Mechanismen im Gehirn zu verstehen, könnte laut Murray auch für Krankheiten wie Diabetes oder Fettleibigkeit wichtig sein.

System hat sich entwickelt
Das System, das den Nährwert einer Speise rasch beurteilt, hat sich laut Murray im Lauf der Evolution entwickelt, weil es einen Vorteil bringt. Fettgehalt und Geschmack eines Nahrungsmittels seien auch Elemente, die ganz entscheidend das Ernährungsverhalten beeinflussten.


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