15. Juli 2010 10:36

Blutsauger 

Gelsen-Plage: Kein Ende in Sicht

Lästige Biester! Jetzt kommen Hausgelsen in Fahrt. Experte warnt vor Viren.

Gelsen-Plage: Kein Ende in Sicht
© sxc

Der Höhepunkt der jüngsten Plage an Überschwemmungsgelsen in weiten Teilen Österreichs dürfte nach Aussagen des Gelsenforschers Bernhard Seidel nun überschritten sein. Damit könnten Grillpartys im Freien nun wieder störungsfreier ablaufen. Allerdings, so warnte der Experte, kommen die sogenannten Hausgelsen nun in Fahrt.

Das hilft gegen lästige Gelsen!

Überschwemmungsgelsen
Bei den Arten der sogenannten Überschwemmungsgelsen lauern Myriaden von Eiern in häufig von Hochwässern heimgesuchten Arealen. Kommt das Wasser und hinterlässt Tümpel, schlüpft ein Gutteil der Eier auf einmal. Nach ein bis zwei Wochen - je nach Temperaturen - entwickeln sich die Larven zu den fertigen, geflügelten Stechmücken, die dann in Massen die Gartenparty empfindlich stören können. Die Tiere sind aber sehr kurzlebig, daher neigt sich die Invasion nun dem Ende zu.

Hausgelsen
Ganz anders läuft die Sache bei den Hausgelsen ab. Vergleichsweise wenige, aber ungewöhnlich große Weibchen überwintern gerne in menschlichen Behausungen, Kellern und Schuppen. Sobald es warm wird, suchen sie kleine Wasseransammlungen, um ihre Eier abzulegen. Dabei werden sie auch während in der Natur sehr trockener Perioden in Gärten fündig. Achtlos stehen gelassene und mit Wasser gefüllte Gießkannen, Regentonnen oder sonstige Wasseransammlungen reichen für die Entwicklung der Eier über die Larven bis zu den geflügelten Blutsaugern. Bei entsprechend hohen Temperaturen verläuft die Entwicklung dank der energiereichen Blutmahlzeit der Mutter innerhalb von einigen Tagen. Im Verlaufe des Sommers werden die Hausgelsen von Generation zu Generation immer mehr.

Viren-Überträger
Hausgelsen sind auch in unseren Breiten Überträger etwa von Viren. So fungieren Stechmücken etwa als Überträger des Usutu-Virus, das vor wenigen Jahren das Amselsterben verursachte. Die Verbreitung von Krankheiten unter Menschen ist laut Seidel eine ebenso evidente wie unterschätzte Gefahr. So können auch Menschen am Usutu-Virus erkranken, wenngleich der Verlauf meist harmlos ist und unerkannt bleibt. Auch das von Gelsen übertragene West Nil Virus ist für Menschen nicht direkt lebensbedrohlich, es ruft Fieber, Muskelschmerzen und Lymphknotenschwellungen hervor. Bei älteren oder geschwächten Personen kann es auch zur Gehirnhautentzündung führen. Auch für einige Vogelarten ist das West Nil Virus eine tödliche Gefahr.

Seidel plädiert daher für mehr Problembewusstsein. So sollte man sich nicht unnötig Gelsenstichen aussetzen. Bekämpfungsmaßnahmen sind nach Ansicht des Experten nur sinnvoll, solange die Larven noch im Wasser sind. Dann kann ein Larvengift zum Einsatz kommen, das vergleichsweise geringe Auswirkungen auf andere Tiere hat. Mittel-und langfristig sollten etwa Hochwasserschutzanlagen so gebaut werden, dass kleine, kurzfristige Wasseransammlungen vermieden werden.


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