13. November 2007 11:20

Sanfte Medizin 

Gesund mit China-Medizin

TCM-Expertin Claudia Krist-Dungl erklärt, wie Sie mit der chinesischen Kräuterlehre gesund durch den Winter kommen.

Gesund mit China-Medizin
© sxc

Das Lächeln ist nicht aufgesetzt, sondern echt: „Die Nadeln im Ohr tun nicht weh“, beteuert ORF-Wetterlady Christa Kummer. „Still halten!“, mahnt Ärztin Andrea Zauner-Dungl forsch und setzt zum nächsten Stich an. Sinn und Zweck der Nadelung: Die Ohrakupunktur soll energetische Blockaden in der Halswirbelsäule lösen.

Gehörsturz
Die fesche TV-Moderatorin schwört seit zwölf Jahren auf die Heilkraft der Chinesischen Medizin: „Damals bin ich wegen eines Blasenleidens zu einem chinesischen Arzt in Wien gegangen. Der hat mir mit Kräutern gut geholfen“, so die 43-Jährige. Eine Nebenhöhlenentzündung bekam sie mit Akupunktur weg; doch den endgültigen Schritt weg von der Schul- hin zur östlichen Medizin tat Kummer vor zwei Jahren: „Ich hatte, stressbedingt, einen Gehörsturz und hätte für eine Woche zwecks Kortisontherapie ins Spital sollen. Da rief ich Dr. ­Andrea Zauner-Dungl an und bat sie um Hilfe. Sie hat mich mitten in der Nacht hier (Anm. im China-Zentrum in Gars am Kamp) aufgenommen und mit Akupunktur und ­homöopathischen Infusionen wieder hinbekommen“, erinnert sich der ORF-Wetterstar.

Die sympathische Wahl-Niederösterreicherin (Kummer wohnt in der Nähe des Dungl-Zentrums in Gars) ist seither regelmäßig zu Besuch im China-Zentrum. Und damit eine von vielen, die auf alternative Heilverfahren vertraut. Einer Studie zufolge sind bereits mehr als 70 Prozent aller ­Österreicher sanften Therapien gegenüber aufgeschlossen. MADONNA startet daher eine große Gesundheits-Serie über natürliche Heilmethoden, beginnend mit der Traditionellen Chinesischen Medizin.

Yin & Yang
Gerade diese weckt auf den ersten Blick wenig Vertrauen: Begriffe wie Yin (das weibliche Prinzip), Yang (der männliche Gegenpol), ­Meridiane (die Energiebahnen im Körper) oder Chi (die Lebensenergie) verwirren den Laien und Verfahren wie Tuina (chinesische Massagetechnik), Moxen (fernöstliche Wärmebehandlung), oder Akupunktur (Nadelung) klingen fremd oder flößen gar Angst ein.

Den zwei „Dungl-Schwestern“ Andrea Zauner-Dungl und Claudia Krist-Dungl ist es gelungen, eine Brücke zu schlagen zwischen westlicher Schulmedizin und der 3.000 Jahre alten chinesischen ­Philosophie. Während Andrea Zauner-Dungl unter anderem das ­China-Zentrum in Gars leitet, gilt ihre Schwester Claudia als die TCM-Kräuterexpertin, die für die Dungl-Filiale in der Wiener Schottengasse verantwortlich ist.

Lesen Sie weiter: Das Interview mit Claudia Krist-Dungl.

Interview
Die Pharmazeutin verriet MADONNA, was man laut China-Medizin in der kalten Jahreszeit beachten muss und wie man sich wirksam vor Erkältungen schützt:

Ist es in der China-Medizin auch so, dass gegen jede Krankheit ein Kraut gewachsen ist?

Claudia Krist-Dungl: Absolut. Es gibt in der Traditionellen Chinesischen Medizin sehr viele Heilkräuter. Aber natürlich arbeiten die Chinesen auch mit tierischen Substanzen beziehungsweise mit Mineralstoffen. Und nachdem es immer wieder Probleme gibt, auch mit deren Verträglichkeit, sind wir im Westen dazu übergegangen, diese chinesische Philosophie umzumünzen auf unsere Kräuter.

Das geht so einfach?

Krist-Dungl: Wir haben einen großen Schatz von über vierhundert Kräutern. Seit zwanzig Jahren bemühen sich westliche Mediziner und Pharmazeuten, unsere Heilpflanzen nach chinesischen Kriterien einzuordnen. Und es gelingt ihnen ganz gut. Wir, im Dungl-Zentrum, gehen diesen Weg sehr konsequent. Natürlich: Wenn jemand schwerwiegende Gesundheitsprobleme hat, kommen sehr wohl auch chinesische Kräuter zum Einsatz. Aber diese sind für Laienanwendungen nicht geeignet. Wenn man nicht genau weiß, wie man mit diesen Kräutern umgeht, kann das extrem negative Folgen haben. Auch die Qualität der Kräuter ist ein entscheidendes Kriterium: In China gibt es leider Gottes starke Umweltverschmutzung und daher kann man die Kräuter nicht einfach in einem beliebigen Asia-Shop kaufen. Das wäre gefährlich. Man muss genau wissen, woher die Heilpflanzen kommen.

Wenn Sie mit heimischen Kräutern arbeiten: Wo bleibt da der chinesische Ansatz?

Krist-Dungl: Zum einen arbeiten wir nach der China-Lehere der Fünf Elemente: Das heißt, dass jeder Mensch von seiner Konstitution her einem der fünf Elemente (Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser) entspricht und damit auch zu unterschiedlichen Beschwerden neigt.

Zum Beispiel?

Krist-Dungl: Holz-Typen mit zuviel Yang-Energie sind leicht reizbar und neigen zu Bluthochdruck, während Erde-Typen oft mit Übergewicht kämpfen. Der Feuer-Typ ist anfälliger für Herzerkrankungen; der Wassertyp hat oft Nierenprobleme.
Metall-Typen wiederum haben ein schwaches Immunsystem und erwischen daher öfter Erkältungen. Zum anderen werden in China die Kräuter nach ihrer Thermik eingeteilt, also ob sie wärmen oder kühlen. Weiters nach der Geschmacksrichtung (süß, sauer, bitter, scharf) und nach dem, wie sie unsere Lebensenergie (Chi) bewegen: Sie können ausgleichen oder aktivieren. Diese chinesische Systematik wenden wir auf die westlichen Kräuter an.

Das klingt aber kompliziert.

Krist-Dungl: Ist es nicht. Bei Halsweh verordnen wir nicht einfach nur Pfefferminztee, sondern wir kombinieren ihn mit weiteren Kräutern. Eine ideale Teemischung gegen akutes Kratzen im Hals wäre: 35 g Pfefferminze, 40 g Salbei, 20 g Thymian und 10 g Malvenblüten. Einen Esslöffel der Mischung mit 1/4 Liter siedendem Wasser übergießen und fünf Minuten ziehe lassen. Salbei und Thymian sind scharf-warm und werden ideal durch die scharf-kühlende Pfefferminze unterstützt. Das nimmt den Schmerz und lässt Entzündungsprozesse leichter abheilen. Die Malvenblüten wirken zusätzlich beruhigend.

Ein Rezept für die kalte Jahreszeit also. Laut China-Philosophie entspricht ja der Herbst dem Metall-Element...

Krist-Dungl: Ganz genau. Und das Metall-Element wiederum findet seine Entsprechung im Lungenmeridian. Trockene Heizungsluft drinnen, kalte Luft draußen: Das schadet der Lunge. Daher ist es so wichtig, die Luft jetzt feucht zu halten, etwa indem man eine Wasserschale auf den Heizkörper stellt.

Weitere Rezepte?

Krist-Dungl: Nach der chinesischen Philosophie ist die Lunge auch mit der Haut verbunden. Bei ersten Anzeichen einer Erkältung wirkt daher ein körperwarmes Bad Wunder, dem man 15 Minuten lang heißes Wasser zulaufen lässt. So erzeugt man ein künstliches Fieber, die Haut öffnet die Poren und der Körper kann über die Haut entgiften. So kann man sich schnell regenerieren.

Kann ich auch vorbeugend etwas tun?

Krist-Dungl: Es gibt einen Anti-Erkältungscocktail, der die Immunabwehr steigert. Die Zutaten: Je 30 g Eisenkraut, Holunderblüten und Hagebutte, 2 g Zimtrinde und 1 g Gewürznelke. Einen Esslöffel der Mischung mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen. Den Tee mit einem Löffel Sanddornmus und 1/4 Liter Johannisbeersaft mischen, eventuell mit Honig süßen und täglich trinken. Eisenkraut stärkt die Lungenenergie und steigert mit den Holunderblüten die Abwehrkräfte. Die Mischung ist auch noch bei beginnendem Schnupfen hilfreich.

Und was hilft gegen Husten?

Krist-Dungl: Laut innerer Organuhr ist der Lungenmeridian zwischen drei und fünf Uhr in der Früh aktiv. Das ist die Zeit, wo man meist zu husten anfängt und nicht mehr einschlafen kann. Da kann man das Atemzentrum in der Mitte des Brustbeins zwei Minuten lang massieren. Das hilft auch gut bei Kindern.

Was halten die Chinesen von Sport im Winter?

Krist-Dungl: Der Lungenmeridian braucht Bewegung. Lungenentzündung bekommt jemand, der lange liegen bleibt. Moderate Bewegung (kein ­Extremsport!) hilft, die Energie gleichmäßig im Körper zu verteilen und beugt so Blockaden vor. Daher, auch bei schlechtem Wetter: Raus an die Luft und zwanzig Minuten flott spazieren gehen!

Wie ernähre ich mich jetzt am besten?

Krist-Dungl: Dem Metall-Element ist der scharfe Geschmack zugeordnet. Eine Spur Scharfes (wie Ingwer, Chili, Knoblauch) aktiviert den Lungenmeridian; zu viel schadet aber. Die Schärfe wird idealerweise ausgeglichen durch saftiges Kochen: Geschnetzeltes, Eintöpfe und Suppen tun unserem Organismus jetzt besonders gut.

Die westliche Medizin empfiehlt viel Vitamin C...

Dungl-Krist: Die Chinesen sagen: Vitamin C ist sauer und verschließt die Poren. Wenn ich gesund bin, schadet eine Zitrone oder Orange sicher nicht. Aber wenn ich schon fröstle, dann ist Orangensaft ungünstig, weil er den Körper zusätzlich auskühlt. Dann brauche ich Ingwertee, der den Körper von innen wärmt.


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