12. September 2008 11:22

Grippeimpfung 

Grippe-Viren haben sich stark verändert

Erstmals seit 20 Jahren müssen für Impfstoff alle Virusstämme ausgetauscht werden. Das müssen Sie über Grippeimpfung wissen.

Grippe-Viren haben sich stark verändert
© dpa

Die weltweit zirkulierenden Grippe-Viren haben sich in diesem Jahr extrem stark verändert. Deshalb mussten erstmals seit 20 Jahren für den neuen Influenza-Impfstoff alle drei Virusstämme komplett ausgetauscht werden, wie Dieter Köhler vom wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin berichtet. Das zuständige Paul-Ehrlich-Institut gab inzwischen die ersten Impfstoffdosen frei. Insgesamt dürfte deren Zahl in der Saison 2008/2009 wie schon im vergangenen Jahr bei rund 30 Millionen liegen.

Impfschutz
Um einen optimalen Impfschutz zu gewährleisten, werden die Grippe-Impfstoffe jedes Jahr an die aktuell zirkulierenden Influenza-Viren angepasst. "Das ist auch der Grund dafür, warum man sich jedes Jahr impfen lassen sollte", erklärt Köhler. Optimal für die Impfung ist die Zeit von September bis November, da die ersten Erkrankungsfälle meist im Dezember auftreten und es nach der Impfung 10 bis 14 Tage dauert, bis das Immunsystem einen wirksamen Schutz aufgebaut hat.

Influenza
Durchschnittlich sterben nach Angaben des Professors in jeder Grippesaison in Deutschland 7.000 bis 8.000 Menschen an den Folgen der Influenza. Bei heftigen Grippe-Epidemien könne diese Zahl aber weitaus höher liegen: 2004/2005 beispielsweise habe es zwischen 15.000 und 20.000 zusätzliche Influenza-Todesfälle gegeben. Während der Grippesaison 2006/2007 mussten laut Robert-Koch-Institut (RKI) 2,7 Millionen Menschen wegen einer Influenza-Erkrankung zum Arzt und 14.000 zur Behandlung in eine Klinik eingewiesen werden.

Chronisch Kranke
Deshalb sei es wichtig, die Durchimpfungsraten wieder zu steigern, sagt Köhler. Vor allem Menschen über 60 Jahre und Patienten mit einer chronischen Erkrankung sollten sich in jedem Fall impfen lassen: "Diese Personengruppe ist besonders gefährdet, weil ihr Immunsystem aufgrund des Alters oder einer chronischen Erkrankung geschwächt ist." Ihr Anteil bei Todesfällen und Klinikeinweisungen wegen Influenza sei besonders hoch. Auch medizinischem Personal, Pflegekräften sowie Personen, die viel Kontakt mit anderen Menschen haben, wird die Impfung empfohlen.

Gefahren unterschätzt
In der Grippesaison 2006/2007 - jüngere Daten liegen noch nicht vor - waren nach RKI-Angaben lediglich 28 Prozent der Bevölkerung in Deutschland geimpft. Im Vergleich zur Saison 2005/2006 war dies ein Rückgang um fünf Prozentpunkte. In den Jahren zuvor waren die Durchimpfungsraten noch kontinuierlich angestiegen. "Der jüngste Rückgang bei den Grippe-Impfungen zeigt, dass die Gefahren einer Influenza-Infektion zu wenig wahrgenommen oder nach wie vor unterschätzt werden", warnt Köhler.

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Alle Jahre wieder kommt die Grippewelle und fesselt tausende Menschen ans Bett. Die echte Influenza ist dabei nicht mit dem einfachen Schnupfen zu verwechseln. Eine "echte Grippe" ist viel seltener und kann die Gesundheit ernsthaft bedrohen.

Da in jeder Saison ein anderes Grippevirus kursiert, muss die Impfung für dauerhaften Schutz jährlich wiederholt werden. Die Grippeimpfung schützt Sie nicht vor dem sogenannten "grippalen" Infekt, einer Erkältungskrankheit.

Wer sollte sich impfen lassen?
- Menschen im Alter über 60 Jahren
- Personen mit chronischen Grundkrankheiten (insbesondere Herz- oder Lungenerkrankungen, Asthma, Diabetes, Nierenversagen)
- Patienten mit angeborener oder erworbener Abwehrschwäche einschließlich HIV-infizierte Personen
- Personen mit Krebserkrankungen
- Personen mit beruflichem Infektionsrisiko, also Ärzte, Schwestern und anderes Personal im Spitalsbereich, aber auch in ärztlichen Ordinationen und Ambulatorien, sowie Personal von Pflegeheimen und mobile Krankenschwestern
- Personen mit Kontakt zu Risikopersonen
- Schwangere
- Kinder, besonders bei Kontakt zu Risikopersonen
- Interkontinental-Reisende
- Personal mit häufigem Publikumskontakt

Gibt es Nebenwirkungen?
Normalerweise wird die Impfung gut vertragen. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Hautreaktionen an der Einstichstelle wie Rötung, Schwellung und Schmerzen. Im Fall einer besonders starken Immunreaktion kann es zu leichtem Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen sowie einem allgemeinen Krankheitsgefühl kommen.


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