24. November 2009 11:37

Oft spät erkannt 

HIV-Schnelltest für frühere Behandlung

Schnelltest beim niedergelassenen Arzt könnte Betroffene früher in Therapie bringen.

HIV-Schnelltest für frühere Behandlung
© dpa

Pro Jahr wird in Österreich bei rund 500 Personen eine HIV-Infektion neu erkannt. Doch bei einem Drittel der Betroffenen wird die Infektion sehr spät, bei rund der Hälfte spät diagnostiziert. Jahrelange Infektiosität vorher und ein schwer geschädigtes Immunsystem sind die Folge. Ein neuer beim niedergelassenen Hausarzt durchführbarer einfacher Schnelltest auf HIV soll hier ein niederschwelligeres Angebot bringen, hieß es am 24. November bei einer Pressekonferenz in Wien.

"Wir glauben, dass der Schnelltest für die Behandlung von Patienten und für die epidemiologische Situation von entscheidender Bedeutung sein kann. Damit könnten auch die jährlich rund 500 Neuinfektionen reduziert werden", sagte Norbert Vetter, Vorsitzender des HIV/Aids-Ausschusses des Obersten Sanitätsrates.

Zu späte Behandlung
Die Crux: Nach einem Risikoverhalten - die meisten Fälle der Übertragung der Aids-Erreger findet über sexuelle Kontakte statt - kommt es im Rahmen der Infektion zwar oft vorübergehend zu völlig unspezifischen Symptomen (Hautausschlag, Fieber etc.), doch dann kann eine HIV-Infektion viele Jahre lang symptomlos verlaufen. Und viele Betroffene kommen deshalb viel zu spät in Behandlung - und waren genauso lang ein Risiko für ihre Partner.

Christian Zagler, Präsidiumsmitglied der Österreichischen Aids-Gesellschaft: "33 Prozent der neu Diagnostizierten HIV-Positiven haben nur noch weniger als 200 CD4-Zellen (pro Kubikmillimeter Blut), 50 Prozent weniger als 350 CD4-Zellen." Das bedeutet eine bereits massive Schwächung des Immunsystems. Viele der Betroffenen kommen auch erst zum Arzt bzw. zum Test, wenn potenziell gefährliche opportunistische Infektionen (Lunge, Gehirn) aufgrund der eingetretenen Immunschwäche aufgetreten sind.

Fast normale Lebenserwartung
Das wäre nicht notwendig. Vetter: "Die Patienten kommen zu spät, um die vollen Möglichkeiten der hoch aktiven antiretroviralen Therapie ausschöpfen zu können." In guter Behandlung haben HIV-Positive heute eine fast normale Lebenserwartung bei guter Lebensqualität. Ihr Immunsystem kann sich wieder erholen. Die frühzeitig und optimal Therapierten sind auch kaum mehr ein Infektionsrisiko für ihre Partner.

Doch bisher gab es für die Bestimmung des HIV-Status fast ausschließlich Labortests, deren Ergebnisse erst nach einiger Zeit vorlagen. Der Pneumologe: "Ein Viertel der Getesteten holt den Befund im Labor nicht ab."

Leichter Schnelltest
Ändern soll das jetzt ein vom Pharma- und Diagnostikkonzern Abbott angebotener Schnelltest. Er ist bei jedem niedergelassenen Arzt leicht durchzuführen. In Österreich dürfen HIV-Tests nur in "medizinischen Settings" - also beim Arzt, im Labor, Krankenhaus oder in Beratungsstellen mit entsprechender Expertise - erfolgen. Der Vorteil laut Thomas Szekeres, Laborexperte am Wiener AKH: "Das Testergebnis liegt binnen 15 bis 30 Minuten vor."

Das Test-Kit erlaubt den Nachweis von HIV-Antikörpern sowie des HI-Virus-Proteins p24. "Schnelltest", heißt aber schnelles Vorliegen des Resultats und nicht frühere Erkennung einer Infektion. Das "diagnostische Fenster" zwischen einem Risikoverhalten bezüglicher der Übertragung der Aids-Erreger (ungeschützter Geschlechtsverkehr, Spritzentausch beim Drogenkonsum) beträgt weiterhin bis etwa drei Wochen. Erst dann spricht das Verfahren an. Doch für Menschen, die ihren HIV-Status kennen wollen und sich in der symptomlosen Phase befinden, kann der Test beim Arzt des Vertrauens nun leicht erreichbar sein.

Aids-Aktivist Günter Tolar: "Es herrscht nach wie vor Stigmatisierung der Betroffenen. Man tut gut daran, mit der Information eines HIV-positiven Status in Österreich vorsichtig umzugehen." Der Test beim Hausarzt biete da die Möglichkeit besserer Vertraulichkeit. Dem ehemaligen ORF-TV-Moderator wurde vergangenes Jahr ein falsch positiver HIV-Test in einem Wiener Spital einfach per Telefon mitgeteilt. Nichts war dran. Und laut Tolars Klienten sprechen sich positive HIV-Tests auch schnell beim Arbeitsmarktservice (AMS) herum. Woher das kommt, so der Aktivist, wisse niemand.


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