17. Mai 2010 08:18

Großstudie 

Können Handystrahlen Krebs auslösen?

WHO gibt keine Entwarnung. Studie zu Hirnkrebs ohne klares Ergebnis.

Können Handystrahlen Krebs auslösen?
© Pauty

Die bisher größte Untersuchung zu möglichen Verbindungen zwischen Handy-Gebrauch und Hirnkrebs hat keine klaren Ergebnisse gebracht. In die über zehn Jahre laufende Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind die Daten von fast 13.000 Handy-Nutzern aus 13 Ländern - darunter auch Deutschland - eingeflossen. Die Wissenschafter wollten herausfinden, ob der Gebrauch von Mobiltelefonen das Krebsrisiko erhöht. "Die Ergebnisse erlauben wirklich nicht den Schluss, dass von der Handy-Nutzung ein Risiko ausgeht", sagte der Direktor der Internationale Forschungsagentur für Krebs (IARC) der WHO, Christopher Wild, am Sonntag. Für eine Entwarnung sei es aber auch zu früh. "Es wäre voreilig zu sagen, dass mit der Handy-Nutzung kein Risiko verbunden ist."

Die Ergebnisse der Großstudie waren mit Spannung erwartet worden - sowohl von Handy-Firmen als auch von Interessengruppen, die in Mobiltelefonen eine Ursache von Hirntumoren vermuteten. Die Studie wurde zum Teil mit Geldern der Mobilfunkindustrie finanziert. Die 21 Forscher mussten nun einräumen, dass ihre Untersuchung eine klare Antwort schuldig bleibt.

Es wird immer mehr telefoniert
Ein Problem sei, dass die Studie bereits im Jahr 2000 gestartet wurde. Im Untersuchungszeitraum sei die Handy-Nutzung noch deutlich geringer gewesen als heute. Selbst die besonders intensiven Mobiltelefonierer in der Studie hätten ihr Handy im Schnitt nur eine halbe Stunde am Ohr gehabt. Inzwischen nutzten gerade junge Leute ihr Handy eine Stunde oder mehr am Tag. Allerdings seien die modernen Mobiltelefone auch strahlungsärmer, es werde mehr über SMS kommuniziert und es würden verstärkt Headsets eingesetzt.

Eine weitere Schwäche der Untersuchung sei, dass die Teilnehmer - eine Gruppe von Personen mit Hirntumoren und eine Kontrollgruppe Gesunder - im Nachhinein nach ihren Telefongewohnheiten befragt wurden. Daraus könnten Ungenauigkeiten resultieren, weil die Probanden sich irrten, räumten die Forscher ein.

Keine Auswirkungen?
Entgegen den weitläufigen Erwartungen kam bei der Studie heraus, dass Handy-Nutzer eher ein geringeres Hirnkrebs-Risiko hatten, als Personen, die nie ein Mobiltelefon benutzt hatten. "Wir können aber nicht einfach ausschließen, dass es keine Auswirkungen gibt", sagte die Forschungsleiterin Elisabeth Cardis. Andererseits zeigten die Ergebnisse nämlich auch, dass Handy-Telefonieren über sehr lange Zeit das Erkrankungsrisiko leicht erhöhen könnte. Dieses Resultat gilt jedoch auch als unsicher.

Europäische Wissenschafter starteten unlängst eine neue Studie, die mindestens eine Viertel Million Menschen in fünf europäischen Ländern nach ihrer gegenwärtigen Handy-Nutzung befragen soll. Sie gilt als genauer.

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Mit diesen Verhaltensregeln können sie die Handy-Strahlung am besten vermeiden. Diese Tipps sind besonders für Kinder wertvoll, da diese als besonders empfindlich gelten.

1. Headset
Je größer der Abstand zwischen Handy und Kopf, umso weniger Leistung wird eingestrahlt. Eines der besten Mittel, um den Abstand zu vergrößern, ist ein Headset.

2. Handy nicht auf Schoß legen
In einer ganz überwiegenden Mehrzahl der Fälle ist eine Reduktion durch Verwenden eines Headset der einstrahlenden Leistung zu beobachten. Das Kabel des Headset sollte die Handyantenne nicht umwickeln, da ansonsten eine Leiterfunktion entstehen kann. Es ist auch vernünftig das Handy nicht auf dem Schoss oder in der Hosentasche zu haben beim telefonieren, besser wäre es auf dem Schreibtisch oder ähnlichem.

3. Telefonieren im Freien
Auch während des Telefonierens gilt: je besser der Empfang, desto geringer die Belastung. Wer in geschlossenen Räumen oder im Auto telefoniert, riskiert eine schlechte Verbindung, wodurch das Handy zum Ausgleich eine höhere Leistung anregelt. Deshalb ist es besser, "im Freien" zu telefonieren und das Handy nicht unnötig abzudecken.

4. Freisprecheinrichtung
Im Auto verwenden Sie am besten eine Freisprecheinrichtung oder sie verzichten aufs Telefonieren, denn auch die Karosserie führt dazu, dass die Handy-Leistung hochgefahren wird. Die Verwendung einer Außenantenne schafft Abhilfe.

5. Verbindungsaufbau abwarten
Während des Verbindungsaufbaues ist die Strahlung, die von der Antenne ausgeht, sehr hoch. Warten Sie daher ab, bevor sie das Handy direkt ans Ohr halten.

6. Festnetz bevorzugen
Bei allen Telefonaten, besonders bei schlechtem Empfang, gilt: je kürzer und seltener die Telefonate sind, desto geringer die Belastung. Sie sollten Handy-Telefonate daher so kurz wie möglich halten. Verwenden Sie lieber einen Festnetz-Apparat in der Nähe.

7. Kein Handy im Schlafzimmer
Gegen zu hohe Strahlenwerte von Mobilfunksendern usw., Abschirmmaßnahmen vorwiegend im Schlafbereich als Vorsorge ergreifen. Auch im Standby-Modus nimmt das Handy in regelmässigen Abständen Kontakt mit der Basis-Station auf. Platzieren Sie daher ihr Mobiltelefon nie direkt am Nachtkästchen.

8. Handy nicht in Hosentasche stecken
Immer noch nicht ist wissenschaftlich geklärt, ob Handy-Strahlen die Fruchtbarkeit des Mannes beeinträchtigen. Deshalb: tragen Sie das Handy zur Sicherheit nicht in der Hosentasche.

9. Telefonieren Sie einfach weniger!


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