14. September 2009 09:02

Immunsystem 

Herbst ohne Schnupfen

Ärzte verraten, wie Sie jetzt Ihre Abwehrkräfte stärken können. Plus: Ihre Immunpower im Selbst-Check!

Herbst ohne Schnupfen
© Getty Images

Haben Sie sich geschworen, diesen Herbst nicht alles mitzumachen? Wenn zum Beispiel alle anderen verschnupft das Bett hüten, wollen Sie lieber durch bunte Blätterwälder streifen?

Jetzt beginnen!
Gute Idee! Und am besten beginnen Sie sofort mit der Umsetzung: „Im Idealfall unterstützt man sein Immunsystem natürlich das ganze Jahr über mit ausgewogener Ernährung und moderater Bewegung. Aber wer fit durch den Herbst kommen will, sollte spätestens jetzt mit gezielten Maßnahmen beginnen“, erklärt die Wiener Allgemeinmedizinerin Doris Gapp.

Im ersten Teil der großen MADONNA-Gesund-Serie verraten Top-Experten daher, mit welchen einfachen Tricks Sie es den Erkältungsviren diesen Herbst besonders schwer machen können.

1. Der Selbst-Test
Wie fit sind Sie? Schritt eins: Machen Sie eine Bestandsaufnahme und finden Sie heraus, wie es aktuell um Ihr Immunsystem bestellt ist. Der einfache Check verrät Ihnen, wo Ihre Schwachstellen liegen und wo Sie gezielt ansetzen können.

2. Anti-Viren-Food
Gesünder essen. Sie haben zu wenig Zeit für ausgewogene Mahlzeiten? Sie rauchen oder sind gerade auf Diät? Dann ist eine Umstellung auf immunstärkende Nahrungsmittel der erste Schritt im Anti-Schnupfen-Plan. Denn: Was wir essen hat enorme Auswirkungen auf unsere Abwehrzellen. „Die gesunde Basis bilden viel frisches Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und magere Milchprodukte. Essen Sie Fleisch nicht öfter als zwei- bis dreimal pro Woche und setzen Sie dafür öfter Fisch auf den Speiseplan!“, empfiehlt Ärztin Gapp. Zucker, zu viel Alkohol oder Kaffee schwächen den Darm – und somit die Immunabwehr.

Vitamin-Doping muss nicht aufwendig sein: Peppen Sie Ihre Alltagsmenüs mit reichlich pflanzlichen Lebensmitteln (Gemüse, Salate) auf und verzehren Sie Obst, Nüsse oder prebiotische Joghurts (besonders gut für den Darm!) zwischendurch. „Sehr empfehlenswert sind auch kaltgepresste Pflanzenöle wie Lein-, Kürbiskern-, Traubenkern- oder Olivenöl. Sie enthalten ungesättigte Fettsäuren und liefern hochwertige Baustoffe für die Ausbildung elastischer Immunzellen in unserem Körper und schützen zudem vor Allergien“, weiß der Salzburger Apotheker Norbert Fuchs, der sich seit mehr als 20 Jahren intensiv mit Nährstoffen und deren Auswirkungen auf den Organismus beschäftigt.

Tipps
Seine persönlichen Tricks, um grippefrei durch die kalte Jahreszeit zu kommen: „Frisches Obst statt Obstsäften, Salate und Gemüse vor den Hauptmahlzeiten und nicht nur als Beilage essen, sowie kaltgepresste Pflanzenöle. Dazu regelmäßiger, kreislaufstimulierender Ausdauersport und komplexe Nährstoff-Präparate, wenn man merkt, dass die Akkus leer werden.“

3. Frischluft-Kuren
Training nach Maß. Es muss gar nicht viel sein: Dreimal pro Woche ein moderates 45-Minuten-Lauftraining oder ein täglicher, flotter 20-Minuten-Spaziergang reichen schon aus, um die Immunzellen auf Trab zu halten. Exzessiver Sport hingegen schwächt die Abwehr sogar – insbesondere, wenn er nur am Wochenende stattfindet. „Absolut verboten ist Sport bei Fieber oder Erkältungen mit Husten. Damit riskiert man Herzrhythmusstörungen oder einen Kreislauf-Kollaps“, warnt Gapp.

4. Immun-Training
Kneipp-Kuren
Sie brauchen kein professionelles Kneipp-Becken – eine Badewanne tut’s auch: Wer jeden morgen ein bis zwei Minuten lang wie ein Storch durch knöcheltiefem, 10 bis 16 Grad kaltes Wasser watet, bringt seine Abwehrkräfte spürbar auf Trab. Wichtig dabei: Man sollte unbedingt mit warmen Füßen ins Wasser gehen! Nach dem Kneippen das Wasser nur abstreifen und nicht abtrocknen. Sofort warme Socken anziehen – die Füße dürfen nicht kalt bleiben! Medizinerin Doris Gapp: „Auch durch Sauna oder Dampfbad kann man den Körper an Temperaturschwankungen gewöhnen und abhärten.“ Die weißen Blutkörperchen vermehren sich und die T-Zellen werden aktiviert. „Aber bei bereits bestehenden Infekten nicht in die Sauna gehen!“, warnt die Ärztin.

Bürstenmassage
Sanfte Alternative für Zartbesaitete mit Angst vor dem kalten Wasser: Morgens nach dem Aufstehen die trockene Haut mit einer Naturfaserbürste (oder einem rauen Handtuch) drei Minuten lang in kreisenden Bewegungen abrubbeln: Am rechten Fußrücken (dem herzfernsten Punkt!) beginnen und bis zur Hüfte hocharbeiten. Dann folgen das linke Bein, Po, Bauch und Arme (erst rechts, dann links). Zum Schluss die Brust und – nach Erreichbarkeit – den Rücken massieren. Das bringt die Blutzirkulation in Schwung! Gapp: „Wie alle Kneipp-Rituale bringt aber auch Trockenbürsten nur etwas, wenn es zum täglichen Ritual wird.“

5. Gesunder Abstand
Kontakt-Barrieren
Der beste Schutz vor Schnupfen und Grippe ist natürlich, den Kontakt mit Viren zu vermeiden. Schwierig – denn die Reichweite von Schnupfenviren, die durch Niesen aus der Nase geschleudert werden, beträgt beeindruckende fünf Meter. Das reicht vom vorderen Ende eines Busses bis zur Mitte. Erste Hilfe: Wegdrehen, wenn jemand niest oder hustet oder dezent einen Schal vor Nase und Mund ziehen. In Grippezeiten auf Händeschütteln oder Bussis verzichten und nur durch die Nase einatmen: die Flimmerhärchen fangen viele Viren ab. Um die Schleimhäute zusätzlich zu stärken, kann man die Nase innen auch mit etwas Fettcreme einreiben.

Saubere Hände
Eine Ansteckung mit Viren erfolgt in 80 Prozent aller Fälle über die Hände (Türklinken, Einkaufswagerl). Das heißt: Wer gesund bleiben will, sollte sich mit den Händen möglichst nicht ins Gesicht fassen! So verhindert man, dass die Viren von den Händen auf die Schleimhäute von Nase oder Mund übertragen werden. Und: Durch richtiges und häufiges Händewaschen lassen sich fast die Hälfte aller Erkältungen vereiden. Lassen Sie das Wasser mindestens 30 Sekunden über beide Hände fließen! Abtrocknen sollten Sie die Hände keinesfalls an Gemeinschaftshandtüchern – das sind wahre Bakterienschleudern!

Spaß haben
Wer nun aus Angst vor Viren zum Eremiten wird, tut sich aber auch nichts Gutes: Einsamkeit schadet den Immunzellen ebenso wie falsche Ernährung oder Stress. Daher: Regelmäßig liebe Freunde treffen! Vorausgesetzt, diese sind nicht gerade erkältet...

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Selbst-Check
Sind Ihre Immunzellen gut gewappnet? Testen Sie selbst: Beantworten Sie die folgenden Fragen mit Ja oder Nein:

- Ich leide oft unter Atemlosigkeit und/oder einem unruhigen, schnellen Herzschlag.
JA NEIN

- Mein Haar ist spröde und die Nägel sind brüchig.
JA NEIN

- Ich habe oft eingerissene Mundwinkel und/oder schmerzhafte Bläschen (Aphten) im Mund.
JA NEIN

- Meine Verdauung ist sehr unregelmäßig.
JA NEIN

- Oft juckt meine Haut, was bei Wärme noch zunimmt.
JA NEIN

- Schnupfen entwickelt sich bei mir häufig zu einer Nebenhöhlenentzündung.
JA NEIN

- Ich schlafe zu kurz oder unruhig und wache daher morgens nicht erholt auf.
JA NEIN

- Mein Terminplan lässt mir nur wenig Zeit für Entspannung.
JA NEIN

- Ich rauche und /oder trinke mehr als zwei Gläser Bier oder Wein pro Tag.
JA NEIN

- Ich bin fast immer auf Diät.
JA NEIN

- Ich bin ein Couch-Potatoe und meide frische Luft.
JA NEIN

- Ich nehme regelmäßig Medikamente (wie etwa Hormone, Schmerzmittel oder Kortison).
JA NEIN

Auflösung

Mehr Nein als Ja-Antworten: Ihre Abwehrkräfte funktionieren. Mit unseren Tipps erhalten Sie noch mehr Immunpower!
Gleich viele Nein und Ja-Antworten: Ihr Immunsystem braucht Unterstützung – lesen und befolgen Sie die Immun-Strategien unserer Experten!
Mehr Ja als Nein-Antworten: Sie brauchen Hilfe: Klären Sie beim Arzt, ob Sie an einer behandlungsbedürftigen Abwehrschwäche leiden!


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