07. Mai 2010 09:01

Oft spät erkannt 

Herzschwäche wird neue Volkskrankheit

Krankheit ist gut behandelbar, wird aber häufig erst zu spät erkannt.

Herzschwäche wird neue Volkskrankheit
© sxc

Atemnot, körperliche Leistungsschwäche, Müdigkeit, Flüssigkeitsansammlungen oder Herzrasen: Rund eine Viertel Million Österreicher leidet an Herzschwäche (-insuffizienz), was bedeutet, dass ihr Herz das Blut nicht ausreichend durch den Körper pumpen kann und daher die genannten Symptome verursacht. Anlässlich des Europäischen Tages der Herzschwäche am 8. Mai kritisierten Experten am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien die mangelnde Versorgung von Patienten. Behandlungsmodelle würden häufig an der Finanzierung scheitern.

Hohe Sterblichkeitsrate
Die Sterblichkeitsrate bei Herzinsuffizienz ist größer als bei den meisten Krebsformen. Die Krankheit entwickle sich laut der Präsidentin der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (ÖKG), Irene Lang, zu einer wahren Volkskrankheit, die Fallzahlen würden zunehmend steigen. "Die Dunkelziffer ist hoch", sagte sie. Rund ein Prozent der 45- bis 55-jährigen Österreicher ist davon betroffen, bei den 80-Jährigen ist es immerhin jeder zehnte.

Aufklärung wichtig
Aufklärung und Bewusstseinsbildung ist das erklärte Ziel des Europäischen Tages der Herzschwäche, betonte Burkert Pieske, Leiter der Klinischen Abteilung für Kardiologie an der Medizinischen Universität in Graz. "Betroffene müssen über das Risiko bescheid wissen, um ihren Lebensstil entsprechend adaptieren zu können", sagte er. Herzinsuffizienz sei sehr gut behandelbar, es stünden sehr wirksame medikamentöse Therapien zur Verfügung. Allerdings werden diese zu wenig eingesetzt, kritisierte Pieske. Nur etwa der Hälfte der Betroffenen würden diese zuteil.

"Es ist ein weltweites Phänomen, dass Herzinsuffizienz ungenügend behandelt wird", ergänzte Hans Altenberger von der Universitätsklinik für Innere Medizin in Salzburg. Die Erkrankung werde oft zu spät erkannt, die Therapie sei sehr komplex.

Zwei verschiedene Formen
Es gibt zwei Formen der Erkrankung: Die klassische systolische Herzschwäche betrifft eher jüngere Männer mit entsprechender Vorgeschichte. Das könne ein Herzinfarkt oder eine Herzmuskelentzündung sein. Die diastolische Herzinsuffizienz sei schwieriger zu erkennen, "dort gibt es die höchste Dunkelziffer", sagte Irene Lang, "wir glauben, dass sie in erster Linie Frauen betrifft". Die Beschwerden sind in beiden Fällen die gleichen: Kurzatmigkeit bei Belastung, körperliche Leistungsschwäche und Wassereinlagerungen. Der Körper setzt zur Kompensation der mangelnden Pumpleistung des Herzens Mechanismen in Gang, die zu einer weiteren Schädigung des ohnehin schon geschwächten Herzens führen. Risikofaktoren sind laut Pieske "die üblichen Verdächtigen" wie Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht oder Rauchen.


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