14. Juli 2009 11:19

Schade schade 

Hitzefrei gibt es nicht

Recht auf hitzefrei gibt es nicht. Weder für Schüler noch für Arbeitnehmer.

Hitzefrei gibt es nicht
© APA

Bei heißen Temperaturen die Arbeit niederlegen und ab ins Schwimmbad? Das spielt es nicht, zumindest nicht als gesetzliche Vorgabe, erklärte Harald Bruckner von der Arbeiterkammer Wien, Abteilung Sicherheit, Gesundheit und Arbeit. Freiwillig kann der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern natürlich "hitzefrei" geben, aber verpflichtend findet sich dieser Begriff nicht im Gesetzestext - ebenso wenig übrigens auch für den Schulbereich.

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Hitzefrei gibt es nicht
"Das Recht auf hitzefrei gibt es nicht", sagte Bruckner. Generell gibt es diesbezüglich keine großartig ausformulierten Regelungen. Grundsätzlich ist im Arbeitnehmerschutzgesetz festgelegt, dass Arbeitgeber verpflichtet sind, "für Sicherheit und Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer in Bezug auf alle Aspekte, die die Arbeit betreffen, zu sorgen". Weiters haben Arbeitgeber die Arbeitsvorgänge und -plätze so zu gestalten, dass "die Arbeitnehmer keinen erheblichen Beeinträchtigungen durch blendendes Licht, Wärmestrahlung, Zugluft, (...) Hitze, (...) ausgesetzt sind oder diese Einwirkungen möglichst gering gehalten werden".

Klimaanlage Pflicht?
In der Arbeitsstättenverordnung ist die Sache etwas deutlicher ausgewiesen: Gibt es am Arbeitsplatz eine Klimaanlage, dann muss die auch funktionieren und es müssen Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsgrenzen eingehalten werden. Genau heißt das: Bei "normaler" körperlicher Belastung wie z. B. häufigem Stehen muss die Raumtemperatur zwischen 18 und 24 Grad betragen; bei Tätigkeiten mit geringer körperlicher Belastung wie im Büro zwischen 19 und 25 Grad. Die Luftfeuchtigkeit muss 40 bis 70 Prozent betragen. Dass ein Unternehmen seinen Mitarbeitern eine Klimaanlage zur Verfügung stellen muss, ist aber gesetzlich nicht verankert.

Schutz vor Sonne
Abgesehen davon ist der Arbeitgeber verpflichtet, seine Mitarbeiter vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen, z. B. durch bauliche Maßnahmen wie Jalousien. Sind solche Maßnahmen nicht möglich, dann müsse organisatorisch umgeändert werden, etwa Personal nur zwei Stunden am betroffenen Arbeitsplatz werkeln zu lassen statt acht, nannte Bruckner ein Beispiel. Erst als dritte Lösung, wenn also baulich und organisatorisch nichts zu machen ist, können individuelle Maßnahmen wie z. B. eine Schutzausrüstung ergriffen werden. Der Chef kann sich also nicht einfach die günstigste Variante aussuchen und z. B. seinem Mitarbeiter am Schreibtisch nur ein Kapperl auf den Kopf setzen.

Arbeitspausen
Auch was Arbeitspausen bei Hitze anbelangt, sind keine gesetzlich verpflichtenden Abweichungen vorgesehen. Trinkwasser muss der Arbeitgeber zwar zur Verfügung stellen - mengenmäßig ist laut Bruckner aber auch hier nichts genauer definiert. Lockerungen bei den Kleidungsvorschriften können auch nur vonseiten der Arbeitsmedizin empfohlen werden; vorgeschrieben sind sie nicht. Grundsätzlich steht es einem Chef natürlich frei, seinen Mitarbeitern - gegen Bezahlung jederzeit - freizugeben; immerhin sinkt mit der Hitze auch die Leistung. In der Praxis hätten die Chefs allerdings wohl lieber zumindest 30 Prozent Arbeitsleistung als gar keine, gab Bruckner zu Bedenken.

"Hitzefrei" gibt es übrigens auch für Schüler nicht: Das ist in den Schulgesetzen nämlich nicht vorgesehen und wird auch nicht praktiziert, erklärte ein Sprecher des Bildungsministeriums. Auch eine diesbezügliche Änderung sei nicht vorgesehen.

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Übermäßige Hitze kann zu körperlicher Erschöpfung und folglich auch mentalem Leistungsabfall führen, was gerade am Arbeitsplatz nicht gerade vorteilhaft ist. Grundsätzlich spricht man von einem Arbeitsabfall zwischen 30 und 70 Prozent: Das sei abhängig von der jeweiligen Person und den Umständen, erklärte Christine Klien, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Arbeitsmedizin.

Anstrengend
"Generell gewöhnt sich der Körper nach etwa sieben bis 14 Tage an ein anderes Klima", sagte Klien. In den heimischen Breitengraden sei eher ein wettermäßiges "Auf und Ab" zu finden, was für den Körper auch anstrengend sei. Bei übermäßiger Hitze drohen u. a. Flüssigkeits- und Elektrolytverlust, Herz-Kreislaufprobleme, Sonnenstich, Hitzeschlag bis zum Hitzekollaps.

Da gesetzlich bei Hitze am Arbeitsplatz nicht allzu viel geregelt ist, gibt die Arbeitsmedizin Empfehlungen für Arbeitgeber und -nehmer, damit auch bei hohen Temperaturen alles klappt: So sollte man z. B. genügend trinken, wobei der Flüssigkeitsverlust nicht allein durch Kaffee ausgeglichen werden sollte und Alkohol sei sowieso nicht empfehlenswert. Der Chef sollte dementsprechend genügend Wasser zur Verfügung stellen und den Arbeitsplatz abschatten; gelüftet werden sollte in den Morgenstunden. Untertags die Jalousien geschlossen halten, bringt ebenso Kühlung.

Bei Klimaanlagen sollte darauf geachtet werden, dass diese nicht zu kalt eingestellt sind: "Der Unterschied sollte nicht mehr als sechs Grad betragen - wenn es also draußen 30 Grad hat, dann die Klimaanlage auf 24 Grad einstellen", so Klien. Sonst drohen u. a. Muskelverspannungen und Kopfschmerzen - und wieder ein Leistungsabfall.

Früher beginnen
Organisatorisch könnte man Mitarbeiter früher zu arbeiten beginnen lassen; auch genügend Pausen sollten eingelegt bzw. Körperhaltungen öfters gewechselt werden, damit der Blutdruck keine Probleme macht. Achten sollte auch jeder auf seine Kost - leichtes Essen ist angesagt: "Fettiges wie eine Leberkäse-Semmel ist nicht ideal, weil es schwer ist", meinte Klien. Kleidungsmäßig sollte man weites Gewand in hellen Farben bevorzugen und gerade bei körperlicher Anstrengung auf Schweiß aufsaugendes Material achten.

Bei längerem Arbeiten im Freien empfiehlt die Arbeitsinspektion laut Arbeiterkammer-Website zusätzlich u. a. das Tragen von luftdurchlässiger UV-sicheren Kleidung und einer Kopfbedeckung, wobei eine Durchlüftung gewährleistet sein sollte. Auch sollten Sonnenschutzbrillen und entsprechende Sonnenschutzmittel bereitgestellt werden, ebenso wie Schutzhandschutze für das Angreifen erhitzter Oberflächen. Experten betonen auch die Hautkrebs-Vorsorge: Selbstbeobachtung und hautärztliche Kontrolle von Muttermalen sollten durchgeführt werden.


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