01. Juli 2010 09:22

Zeitverschiebung 

Medikament gegen Jetlag in Aussicht

Wirkstoff beschleunigt Anpassung des Körpers an verschobenen Rhythmus.

Medikament gegen Jetlag in Aussicht
© sxc

Mit dem Wirkstoff "Metyrapon" hoffen Wissenschafter des Max-Planck-Instituts (MPI) für biophysikalische Chemie in Göttingen (Deutschland) Reisenden die Anpassung an eine neue Zeitzone zu erleichtern. Die Forscher um Gregor Eichele testeten die Substanz erfolgreich an Mäusen, die Arbeiten wurden in der Wissenschaftszeitschrift "Journal of Clinical Investigation" veröffentlicht.

"Ein ganzes Netz molekularer Uhren in den verschiedenen Organen koordiniert die physiologischen Vorgänge des Körpers wie Herzschlag, Temperatur, Schlafbedürfnis oder Hormonhaushalt bis hin zu unserem Verhalten", erklärten die Wissenschafter. Alle diese Uhren stehen unter der Kontrolle eines zentralen Taktgebers im Gehirn, er sorgt letztendlich für Synchronisation und Anpassung.

Uhren-Gene
Die deutschen Forscher haben nun untersucht, wie sich einzelne Uhren-Gene und innere Uhren der Organe bei Jetlag wieder mit der neuen Zeit synchronisieren. Die Ergebnisse waren überraschend. "Die inneren Uhren und die 'Uhren'-Gene der Organe passen sich unterschiedlich schnell an die veränderten äußeren Einflüsse an", erklärte Eichele. Damit scheint das gesamte Räderwerk des Organismus bei einem Jetlag aus dem Rhythmus zu geraten.

Nebenniere Schlüsselrolle
Eine Schlüsselrolle spielt dabei offenbar die Nebenniere. Schalteten die Forscher die Nebennieren-Uhr aus, passten sich die Nager schneller an den verschobenen Tag-/Nachtrhythmus an. Die nachtaktiven Tiere drehten früher wieder im Gleichklang mit der äußeren Zeit im Laufrad ihre Runden.

Die Experten kamen zu dem Schluss, dass eine funktionierende Nebennieren-Uhr den Organismus gegen sporadische Lichtveränderungen stabilisiert. Ein schwarzer Gewitterhimmel oder ein dunkler Kinosaal führt so nicht gleich zu einer Umstellung der Uhren. Bei Fernreisen wäre eine raschere Anpassung dagegen wünschenswert. Neben der völligen Ausschaltung der Nebennieren-Uhr konnte die Anpassung der Tiere auch über einen sanfteren Weg, nämlich über einen Wirkstoff namens Metyrapon beschleunigt werden.

Erhielten die Tiere zum richtigen Zeitpunkt vor dem Jetlag Metyrapon, passten sich die Nager schneller an einen verschobenen Tag-/Nachtrhythmus an. Damit lässt sich die innere Uhr von Mäusen rascher sowohl vor- als auch zurückdrehen. Nun wollen die Wissenschafter in klinischen Tests und im Schlaflabor prüfen, ob die Sache auch beim Menschen funktioniert und ob es Nebenwirkungen gibt. Metyrapon ist bereits als Medikament zugelassen, allerdings für ein anderes Anwendungsgebiet.


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