19. November 2009 08:26

Schweinegrippe 

Keine Angst vorm Punschhäferl

Wienerin: "Da müsst' ich mich ja zu Hause einsperren".

Keine Angst vorm Punschhäferl
© reuters

Die Angst vor der Schweinegrippe am Wiener Christkindlmarkt wird weggespült: Häferln stoßen gegeneinander, ihre Besitzer prosten sich zu und nehmen einen großen Schluck. Schon am frühen Nachmittag herrscht am Rathausplatz reger Betrieb. Menschenansammlungen meiden, um sich nicht mit dem H1N1-Virus anzustecken? Furcht vor mangelnder Hygiene der oft verwendeten Punschhäferln? Weit gefehlt. "Da müsst' ich mich ja zu Hause einsperren", meint eine Wienerin, während sie mit ihrer Freundin und ihrem Mann das heiße Getränk genießt.

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Kein Grund für Sorge
Die Schweinegrippe ist beim Lokalaugenschein der APA kaum Grund zur Sorge für die Punsch-Kunden. "Da dürfte ich nicht mehr U-Bahn fahren, nix angreifen, keine Türschnallen und so", erklärt eine Frau mit dem dampfenden Becher in der Hand. Auch dass die Häferl nicht sauber sein könnten, glaubt sie nicht: "Das können die Standlbetreiber sich nicht leisten." Alkohol soll ja desinfizieren, den Punsch will sie aber nicht durch Schnapsbeigabe verstärken. "Vielleicht trink' ich zwei oder drei, aber kan' stärkeren."

"Ein bisschen Angst ist immer dabei"
Auch zwei Studentinnen lassen sich den Weihnachtspunsch von der Angst vor der Schweinegrippe nicht nehmen, auch wenn eine der beiden zugibt: "Ein bisschen Angst ist immer dabei." Panik sei sicher nicht angebracht: "Wenn man die Sicherheitstipps beachtet, sich die Hände wäscht und nicht jeden Fremden mit Bussi links, Bussi rechts begrüßt ..." Dass die Häferl unsauber sein könnten, "auf die Idee wäre ich gar nicht gekommen", meint sie. "Man muss einfach Vertrauen in die Wirte haben." Zur Not könne man es ja auch noch mit Desinfektionstüchern versuchen, mit denen man den Rand des Häferls abwischt, bevor man trinkt: "Solang's nicht grauslich schmeckt. Schnaps hilft, glaub' ich, nicht, außerdem glaube ich sowieso, dass der Punsch ein bisschen gestreckt ist", vermutet die Studentin.

Ein älterer Herr scheint den Häferln ein bisschen weniger zu trauen. Während seine Frau den Punsch genießt, steht er eisern mit einer Mineralwasserflasche am Stand: "I nimm's Häferl fast net, i trink' kaum an Punsch. I geh mit mein' Wasserl spazieren. Besser wär's, wenn's die neuen Häferln nur verkaufen täten." - "Na, du bist super", fällt ihm seine Frau ins Wort. "Du hast die Angst, aber mi' lasst den Punsch trinken", wirft sie ihm vor. Er quittiert das eher ungerührt und sinniert weiter über die Schweinegrippe-Gefahr, die seiner Meinung nach im Häferl lauert: Hochprozentiges schütze gegen die Viren sicher auch nicht: "Der Schnaps hilft nur, dass da woam is - kurzfristig - und dass da vielleicht irgendwann egal is'." Die Gefahr durch die Menschenansammlung an sich ist ihm hingegen nicht so präsent: "Gegen Grippe bin i geimpft, und anstecken kannst dich überall."

Das große Geschäft haben die Punsch-Verkäufer trotz meist relativ angstfreier Kunden bisher nicht gemacht: "Ich glaube, es ist ein bisserl zu warm", meint eine Verkäuferin zur APA. "Das Geschäft geht schlecht, es ist zu warm", lautet die deckungsgleiche Diagnose einer Konkurrentin. Dass das etwas mit Angst vor Menschenansammlungen zu tun hat, in denen man sich schneller die Schweinegrippe einfangen kann, glauben beide nicht. "Unsere Stammkunden kommen schon", sagt eine. Auch die Trinkgewohnheiten sind nicht in Richtung der stärkeren Getränke a la "Turbo-Punsch" oder "Wilderer" verändert worden. "Niemand hat bis jetzt einen stärkeren Punsch verlangt, außerdem haben wir einen starken", sagt die Verkäuferin.

Keine Schutzmasken
Schutzmasken sind am Christkindlmarkt eher out. Sie hindern ja auch beim Trinken. Die "Dealerin": "Die Kunden haben bis jetzt noch keine Maske getragen, nur eine Gruppe japanischer Touristen. Aber die kaufen sowieso keinen Punsch."


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