02. September 2010 08:37

Gefährlich 

Langstrecken-Läufe können Herz schädigen

Marathon sollte nur mit einem adäquaten Trainingspensum gelaufen werden.

Langstrecken-Läufe können Herz schädigen
© sxc

Sport ist nicht nur gesund, sondern kann auch krank machen: Eine aktuelle Studie von Forschern des Countess of Chester Hospitals in Liverpool besagt, dass Ultra-Langstrecken-Läufe den Herzmuskel schädigen können. Selbst Spitzenathleten könnten davon betroffen sein. Untersucht wurden 45 Teilnehmer des Ultra-Marathon-Rennens "Lakeland Race", bei dem eine Strecke von mindestens 80 Kilometer in zum Teil hügeligem Gelände zurückgelegt wird.

Schädigung des Herzmuskels
Nach Ende des Laufes wiesen 96 Prozent der Teilnehmer einen signifikanten Anstieg von Troponin I auf, einem möglichen Indikator für Schädigungen des Herzmuskels. Zwölf Prozent der Teilnehmer hatten Anzeichen einer signifikanten Schädigung des Herzmuskels. 50 Prozent der EKGs zeigten Veränderungen: Nach dem Lauf wurde eine Abnahme der Herzfunktion von sechs Prozent beobachtet, "die bedeutsam sein könnte", erklärten die Studienautoren. Die Teilnehmer waren zwischen 24 und 62 Jahre alt und hatte alle bereits mehrfach an Marathons und Ultra-Marathons teilgenommen, bei keinem war vor dem Rennen ein Herzproblem bekannt gewesen.

Eine weitere Studie der Berliner Charite-Universitätsklinik, die ebenfalls beim Europäischen Kardiologenkongress in Stockholm vorgestellt wurde, zeigten 167 Teilnehmer mit einem Durchschnittsalter von 50 Jahren nach dem Berlin-Marathon echokardiographische Veränderungen. Diese bildeten sich allerdings nach zwei Wochen wieder zurück.

Teilnahme hinterfragen
"Die Teilnahme an Ultramarathons muss aus sportmedizinischer Sicht ernstlich hinterfragt werden", betonte Falko Skrabal vom Institut für Herzkreislauf- und Stoffwechselmedizin in Graz. Außerdem sei "das dafür notwendige Trainingspensum über die Jahre mit einer erhöhten Gesamtmortalität belastet", erklärte Skrabal. Um aus sportmedizinischer Sicht einen Marathon laufen zu können, ist im jahrelangen Training ein Laufpensum von etwa 50 Kilometer pro Woche nötig. Für einen Ultramarathon sind zumindest 80 Kilometer pro Woche günstig.

Dreimal wöchentlich 45 Minuten trainineren
Das optimale Trainingspensum für den Gesundheitssport liegt bei dreimal wöchentlich 45 bis maximal 60 Minuten aerobem Training, "womit man aber keinen Marathon sinnvoll bestreiten kann", sagte Skrabal. Gegen die Teilnahme an Marathons in jüngeren Jahren sei aus sportmedizinischer Sicht bei adäquatem Vorbereitung nichts einzuwenden. Wenn bei solchen Ereignissen ab dem 50. Lebensjahr jedoch Veränderungen beim EKG nach dem Wettkampf beobachtet werden, seien strukturelle Veränderungen am Herzen oder auch an den Koronargefäßen wahrscheinlich. Bei Marathonläufern in mittleren Lebensjahren wurde zusätzlich bei Langzeitbeobachtungen eine höhere spätere Inzidenz von Vorhofflimmern beobachtet.


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