04. Oktober 2007 12:14

Kürzeres Leben 

Männer gehen zu selten und zu spät zum Arzt

Die kürzere Lebenserwartung von Männern hat nicht nur genetische Ursachen. Krankheiten werden einfach zu spät erkannt.

Männer gehen zu selten und zu spät zum Arzt
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Männer gehen zu selten zum Arzt, ihre Krankheiten würden zu spät diagnostiziert: Das ist für Ian Banks, Präsident des European Men's Health Forum, mit ein Grund, warum die Lebenserwartung von Männern deutlich unter jener der Frauen liegt. Die großen regionalen Differenzen bei der Lebenserwartung legten den Schluss nahe, dass es dafür nicht nur genetische Ursachen gebe, sagte Banks beim European Health Forum in Bad Hofgastein.

Genetische Faktoren
Wenn in den nordischen Ländern die Lebenserwartung zwischen Männern und Frauen um drei bis vier Jahren differiere, in Russland aber zwölf bis 15 Jahre, könne das nicht nur an genetischen Faktoren oder regionalen Unterschieden liegen, ist der Mediziner überzeugt. Das Gesundheitssystem berücksichtige die unterschiedlichen Bedürfnisse von Frauen und Männern zu wenig, ist Banks überzeugt. Außerdem würden sich Männer zu wenig um ihre eigene Gesundheit kümmern.

Männer sterben früher
"Männer sterben früher und überleben Krankheiten kürzer", sagte Banks. So liege die Überlebensrate bei Krebs bei Männer wesentlich unter jener von Frauen. Während in allen Ländern Europas Melanome bei Frauen häufiger auftreten würden als bei Männern, sei es bei der Sterblichkeit genau umgekehrt: Die Zahl der Männer, die an Hautkrebs sterben, ist in ganz Europa höher als jene der Frauen. Für Banks hat das einen Grund: Das Zeitfenster, ein Melanom erfolgreich zu behandeln, sei sehr klein. Männer gingen zu spät zum Arzt und hätten damit geringere Heilungschancen.

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Es liege auch oft an Unwissenheit über Risiken, an mangelnder sozialer Unterstützung im Umfeld oder an fehlender Motivation, meinte Norita Wilson, Expertin für Evaluierungen im Gesundheitssystem. Sie zitierte eine Studie über die Medikamenteneinnahme von Männern mit Herzinfarktrisiko: Zwölf Prozent würden das vom Arzt erhaltene Rezept gar nicht einlösen, weitere zwölf Prozent die Medikamente nicht einnehmen. Weitere 22 Prozent brächen die Behandlung ab. Um diese Zahlen zu verbessern, müsse man auf Information, Schulung und Motivation setzen. "Das Selbstmanagement der Patienten ist der Schlüssel", ist Wilson überzeugt.

Mann und Frau
Um gegenzusteuern, fordern die Experten, dass in den Gesundheitssystemen besser auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Männern und Frauen eingegangen werde. Es brauche außerdem Strategien, um das Gesundheitsbewusstsein und -wissen von Männern zu heben sowie Hürden - wie ungünstige Öffnungszeiten oder bürokratische Zugänge - abzubauen, forderte Banks.


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