25. Jänner 2008 09:56

Risiko 

Mehr Atemprobleme nach Kaiserschnitt

Ein Kaiserschnitt sollte nicht ohne medizinische Notwendigkeit eingesetzt werden, denn er kann das Kind gefährden.

Mehr Atemprobleme nach Kaiserschnitt
© sxc

Ein Kaiserschnitt ohne medizinische Notwendigkeit erhöht das Risiko für Atemfunktionsstörungen des Kindes. Darauf wies Dieter Köhler vom wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) unter Berufung auf eine dänische Studie hin. "Das Risiko für respiratorische Störungen ist auch dann noch deutlich erhöht, wenn der Kaiserschnitt zeitlich nah am errechneten Geburtstermin vorgenommen wird", erklärte der Professor, der die Lungenklinik Kloster Grafschaft im sauerländischen Schmallenberg leitet.

Stresshormone fehlen
Als Grund vermutet der Experte das Fehlen des sogenannten Katecholamin-Stoßes beim Kaiserschnitt. Die Stresshormone Katecholamine werden laut Köhler bei einer normalen vaginalen Geburt von der Mutter aufgrund der Wehen und Schmerzen ausgeschüttet. Offensichtlich seien sie auch für die Entfaltung der Lungen des Neugeborenen wichtig. So sorgten Katecholamine dafür, dass weniger Flüssigkeit in die Lungen des Kindes abgesondert und gleichzeitig die Bildung eines wichtigen Stoffes angekurbelt werde, der die Lungenbläschen weite und dem Säugling die ersten Atemzüge erleichtere.

Schutzfilm
Dieser Stoff mit dem Namen Surfactant, der aus einem Gemisch von Eiweißen und Fetten besteht, wird nach Angaben des Mediziners von den Lungenbläschen gebildet. Er wirke wie ein Schutzfilm für diese Alveolen und verringere deren Oberflächenspannung. Wenn bei der Ausatmung die Bläschen kleiner werden, verdickt sich laut Köhler der Surfactant-Film an ihrer Oberfläche und verhindert so, dass die Alveolen in sich zusammenfallen. Erweiterten sich die Lungenbläschen bei der Einatmung, werde der Schleimfilm zwar dünner, aber die Tendenz zu kollabieren sei dann ebenfalls vermindert, erklärt der Facharzt.

Wunsch-Kaiserschnitt
Immer häufiger werden "Entbindungen per sectio", wie Kaiserschnitte in der Fachsprache heißen, ohne medizinische Notwendigkeit und auf ausdrücklichen Wunsch der Mutter durchgeführt. "Viele Schwangere scheuen offenbar die Schmerzen und Anstrengungen einer vaginalen Geburt; manche meinen sogar, dass sich die Geburt per Kaiserschnitt auch für das Kind stressfreier gestalte", erklärte Köhler. Dem sei allerdings keineswegs so: "Vielmehr müssen die Kinder nach einem Kaiserschnitt auf Wunsch sehr viel stärker um ihren Atem ringen als nach einer vaginalen Geburt."

Schwere Komplikationen
So traten in der dänischen Studie schwere Komplikationen, die eine Sauerstofftherapie oder Beatmung erforderlich machen, nach einem Kaiserschnitt rund fünfmal häufiger auf. Bei jedem zehnten Kind, das in der 37. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt geholt wurde, kam es zu Problemen wie einer vorübergehend gesteigerten Atemfrequenz oder einem dauerhaften Lungenhochdruck. Bei Kindern, die ebenso früh, aber vaginal entbunden wurden, wurden derartige Störungen hingegen etwa viermal seltener beobachtet.


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