18. Oktober 2007 08:37

Durchhalten! 

Militär-Fitness boomt in Großbritannien

Wenn es Ihnen im Fitness-Studio zu fad wird, sollten Sie mal Liegestütze im Matsch probieren.

Militär-Fitness boomt in Großbritannien
© sxc

"Vier, fünf, sechs", schreit Unteroffizier Simon Richman. Das blonde Mädchen mit der Nummer 25 auf dem Rücken zählt leise mit, Sit-up für Sit-up, die Stimme zittert vor Anstrengung. Sie greift nach der Hand ihrer Nachbarin und drückt sie fest. Durchhalten, gemeinsam. Ihr Gesicht ist rot vor Anstrengung, die Augen verkniffen. So wie sie lassen sich immer mehr Briten - völlig freiwillig - beim Militär-Training von Soldaten anschreien, anfeuern und an ihre körperlichen Leistungsgrenzen bringen. Ein Trend, mit dem der Erfinder und Ex-Soldat Robin Cope nun weltweit den Ton angeben will.

Knallhartes Training
Was vor acht Jahren mit nur drei Teilnehmern im Londoner Hyde Park begann, wurde im Vereinten Königreich ein landesweiter Erfolg. Heute zählt Cope 7.000 Mitglieder an 35 Standorten. British Military Fitness heißt das knallharte Training, für das Freiwillige für zehn Stunden 120 Pfund (170 Euro) hinlegen.

Herausforderung
Die Hände der Teilnehmer klatschen in den Matsch, der Rasen im Hyde Park ist aufgeweicht und erdig. "Liegestütze! Haltet den Körper gerade, ich will keine Golden Gate Bridges sehen", brüllt Trainer Richman. Der Mann mit der Nummer 13 starrt auf den Boden, seine graue Jogginghose ist voller Flecken. Überrascht blickt er auf, als das nächste Kommando kommt: "Und jetzt zu den Bäumen sprinten!" Nummer 13 ist Graham Sheerwood. Ein kleines Bäuchlein spannt sich unter seinem Trikot. "Ich bin hier, weil ich endlich abnehmen möchte", sagt der 31-Jährige. Der IT-Manager mag die Herausforderung. "Ich finde gut, dass es qualvoll ist."

Langeweile
Quälerei hatte Cope nicht im Sinn, als ihm die Geschäftsidee beim Joggen im Hyde Park kam. "Ich fand das Angebot der Fitness-Center so langweilig", sagt der frühere Major. Soldatenfitness für Zivilisten fand er da schon viel besser. Das heißt im Trupp marschieren und Befehlen gehorchen. Der einzige Unterschied zum Training in der Armee: "Bei uns ist es ein wenig spielerischer", meint Trainer Richman.

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Cope ist überzeugt, dass Soldaten die besseren Fitnesstrainer sind, "denn sie haben hervorragende Führungsqualitäten". Sie könnten eine Gruppe schnell einschätzen und die einzelnen Teilnehmer im richtigen Maß fordern. Cope stellt deshalb nur Trainer mit militärischen Hintergrund ein. Da sein Unternehmen schnell wächst, hat er allerdings Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal zu finden.

Rennt!
"Links um!" Ein Mädchen springt in die falsche Richtung. "Einer macht's immer falsch", sagt Richman in gespielter Verzweiflung. Die rund 20 Teilnehmer müssen sich unterhaken. "Rennt!", schreit der Soldat mit dem Kurzhaarschnitt. Nummer 31 ist knallrot im Gesicht. Die zierliche Frau muss die letzten Kraftreserven aus sich herausholen, um dem Tempo der Gruppe zu folgen.

Leistungsgrenze
Jonty Beavam mag es, an die eigene Leistungsgrenze zu gehen. Seit vier Jahren kommt der Journalist zwei Mal pro Woche zum Training. "Wie sie einen anschreien, war am Anfang ein Schock", sagt der 36-Jährige, "doch sie treiben dich zu Höchstleistungen." Er mag es, im Freien Sport zu treiben - auch bei schlechtem Wetter. "Bei Regen oder Schnee ist es in den ersten fünf Minuten die Hölle. Aber dann fühlst du dich, als hättest du das Wetter besiegt." Manche Teilnehmer haben hinterher nicht nur einen gestählten Körper, sondern auch einen Partner, der ihn bewundern kann: Schon sieben künftige Ehepaare hätten sich beim Militär-Drill kennengelernt, erzählt Cope stolz.


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