04. Jänner 2007 14:21

Therapie umstritten 

Mit Nabelschnurblut gegen Leukämie

Nach Berichten über die Behandlung eines leukämiekranken Kindes mit seinem eigenen Nabelschnurblut warnen Ärzte vor überzogenen Hoffnungen auf diese Therapie.

Mit Nabelschnurblut gegen Leukämie
© buenas dias

Das heute sechsjährige, leukämiefreie Mädchen hatte vor zwei Jahren nach der üblichen Chemotherapie Stammzellen aus seinem eigenen Nabelschnurblut bekommen.

Beitrag nicht eindeutig bestimmbar
Der Fall zeige, dass die Infusion von Stammzellen aus dem eigenen Nabelschnurblut bei Leukämie eine Erfolg versprechende Behandlungsmöglichkeit sein könne, sagte der Gründer und Vorstand der privaten Leipziger Nabelschnurblutbank Vita 34, Eberhard Lampeter, deren US-Tochterunternehmen das Nabelschnurblut der Patientin verwahrt hatte. Die Geschäftsführerin der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (Kinderkrebskunde), Prof. Ursula Creutzig, wies allerdings darauf hin, dass der Beitrag der Stammzelltransplantation nicht eindeutig bestimmbar sei.

Das Kind hätte sich nach der zweiten Chemotherapie möglicherweise auch ohne diese zusätzliche Transplantation erholt, sagte Creutzig am Freitag in Hannover. Grundsätzlich sei aber die Transplantation von eigenem Nabelschnurblut eine abwägenswerte Option.

Ethisch fragwürdig
Der Oberarzt Volker Weisbach von der Nabelschnurblutbank an der Universität Erlangen betonte dagegen, eigenes Nabelschnurblut von Leukämie-Patienten berge das Risiko, den Blutkrebs erneut auszulösen, weil es bereits Leukämiezellen enthalten könne. "Die Mediziner hätten weltweit nach einem geeigneten Spender suchen müssen, stattdessen benutzten sie das Eigenblut des Mädchens, das ist ethisch fragwürdig", kritisierte der Arzt.

Weltweit erste Behandlung
Das US-Ärzteteam stellt die nach seinen Angaben weltweit erste Behandlung eines leukämiekranken Kindes mit dem eigenen Nabelschnurblut im Fachblatt "Pediatrics" vor. Das betroffene Mädchen hatte demnach mit drei Jahren eine so genannte akute lymphoblastische Leukämie (ALL) bekommen, eine der häufigsten bösartigen Erkrankungen bei Kindern. Zehn Monate nach einer ersten Chemotherapie bekam das Mädchen einen Rückfall. Zwar war das Knochenmark weiter krebsfrei, im zentralen Nervensystem fanden die Ärzte jedoch Krebszellen.

Verfahren muss untersucht werden
Die Mediziner untersuchten das konservierte Nabelschnurblut des Mädchens, bis sie "einige Sicherheit" hatten, dass darin keine Leukämie-Auslöser enthalten waren. Bis heute ist das Mädchen nach Angaben der Ärzte gesund. Die Ärzte betonen, Verfahren zur Suche nach Leukämie-Auslösern im Nabelschnurblut müssten genauer untersucht und verbessert werden.


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