10. Oktober 2007 11:14

Gütesiegel 

Naturkosmetik bekommt in Österreich Pickerl

Gütesiegel. Naturkosmetik soll endlich auch in Österreich ein "Pickerl" bekommen.

Naturkosmetik bekommt in Österreich Pickerl
© www.sxc.hu

Immer mehr Duschgels, Cremen und Lotionen werden als "Naturkosmetik" beworben. Begriffe wie "natürlichen Ursprungs" oder "pflanzliche Inhaltsstoffe" führen den Käufer oft in die Irre: Mitunter ist der Anteil an natürlichen Rohstoffen nur ganz gering. Gütesiegel können hier Klarheit schaffen. In absehbarer Zeit soll Naturkosmetik auch in Österreich endlich ein "Pickerl" bekommen. Experten arbeiten daran.

Zusätzliche Qualitätskriterien für Naturkosmetika
Die heimischen Regeln legt der Österreichische Lebensmittelcodex fest. "Zusätzlich zu den Standards für 'normale' Kosmetika müssen Naturkosmetika zusätzliche Qualitätskriterien erfüllen", erläuterte Alexander Zilberszac vom Gesundheitsministerium bei einem Expertentreffen in Wien. Sie müssen beispielsweise mehrheitlich aus Naturstoffen bestehen und dürfen weder gentechnisch veränderte Organismen enthalten noch radioaktiv bestrahlt worden sein. So manchem Hersteller und vielen Konsumenten geht das längst nicht weit genug. Selbst die als BDIH-Siegel bekannten Auflagen des Bundesverbands Deutscher Industrie und Handelsunternehmen sehen viele als nicht ausreichend an. Die seit einem Vierteljahrhundert in Salzburg bestehende Pieper Naturkosmetik-Manufaktur etwa hat sich den Auflagen des Austria Bio Garantie-Siegels für Kosmetika unterworfen, die viel strenger sind, als das Gesetz es derzeit vorsieht.

Nicht glücklich mit Codex
"Mit dem Codex bin ich nicht glücklich gewesen. Das Wesen jedes Bio-Produktes ist es doch, dass die Rohstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau stammen", sagte Naturpflege-Pionierin Maria Pieper. Das Bio-Zertifikat schreibt vor, dass 95 Prozent der landwirtschaftlichen Komponenten biologisch angebaut wurden. Weitere Kriterien sind Umwelt- und Artenschutz, Nachhaltigkeit, fairer Handel und Tierschutz.

Ehrlichere Produkte
Zilberszac versteht das Anliegen: "Das Codex-Teilkapitel Naturkosmetik wird überarbeitet und modernisiert." Noch heuer wolle man fertig werden. Umweltverträglichkeit, biologische Abbaubarkeit und die Verwendung nachwachsender Rohstoffe sollen verankert werden, dazu Regionalität, einheimischer Anbau bzw. Fair-Trade-Kriterien. "Wir haben auch die Einführung eines Gütesiegels angedacht, das von der Ages (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) vergeben werden soll." Ein solches "Pickerl" könnte den Konsumenten "ehrlichere" Produkte bescheren. Derzeit gibt es nur Marktkontrollen durch die Lebensmittelaufsicht.

Wann kommt europäisches Siegel?
"Es wäre gut, ein gemeinsames europäisches Siegel zu haben", sagte Maria Pieper. "Wenn man sich aber ansieht, worüber die Beteiligten diskutieren, wird einem klar, dass das nicht in den nächsten Jahren zu erwarten ist. Deshalb muss man einmal mit etwas anfangen."


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