16. Dezember 2008 08:50

Multiple Sklerose 

Neue Erkenntnisse im Kampf gegen MS

Wissenschaftler widerlegen Annahmen über Entstehung der Krankheit. Großer Einfluss auf künftige therapeutische Strategien.

Neue Erkenntnisse im Kampf gegen MS
© sxc
Neue Erkenntnisse im Kampf gegen MS
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Ein aktueller Forschungserfolg könnte die Therapie von Multipler Sklerose (MS) auf eine völlig neue Grundlage stellen: Wissenschafter aus Deutschland und der Schweiz haben erstmals nachgewiesen, dass jene Immunzellen, die bisher für die Krankheit verantwortlich gemacht wurden, unter falschem Verdacht stehen.

Autoimmunkrankheit
Bei Autoimmunkrankheiten wie der MS greift das Immunsystem versehentlich den eigenen Körper an. Auf der Grundlage der Forschungsergebnisse der vergangenen Jahre werden dafür sogenannte Th17-Zellen verantwortlich gemacht. Dabei handelt es sich um Helferzellen, deren eigentliche Aufgabe es ist, den Körper gegen schädliche Mikroorganismen zu schützen.

Nicht verantwortlich
Verbreitet herrschte bisher die Meinung, dass die von den Th17-Zellen ausgeschütteten hormonähnlichen Botenstoffe zur Zerstörung von Körpergewebe durch Immunzellen führen, wie die Universität Zürich mitteilte. Einer Forschergruppe um den Zürcher Immunologen Burkhard Becher sei nun aber in enger Zusammenarbeit mit Wissenschaftern aus Genf, Mainz und Berlin gelungen, die spezifische Funktion dieses Botenstoffs zu entschlüsseln. Dabei stellte sich heraus, dass der Botenstoff zwar bei Entzündungen von Gelenken, der Haut, der Lunge und anderer Organe, nicht aber des Gehirns eine Rolle spielt und damit für die Entstehung von MS nicht verantwortlich ist.

Neue Therapien
Da Pharma- und Biotechunternehmen auf der ganzen Welt ihre therapeutischen Strategien zur Bekämpfung von MS und anderen Autoimmunerkrankungen so ausgelegt haben, dass vor allem Th17-Zellen bekämpft werden, erwartet Becher von den Forschungsergebnissen großen Einfluss auf künftige therapeutische Strategien.

Erwiesen ist, dass nicht alle Autoimmunerkrankungen gleich behandelt werden können. "Das Hirn ist halt anders als die Haut oder die Lunge", wird Becher in der Mitteilung zitiert. "Nun müssen wir herausfinden, welche Eigenschaften Immunzellen haben, die das Gehirn angreifen."

Foto: (c) sxc


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