29. April 2009 10:25

Tabuthema 

Neue Therapie: Damit Mann länger kann

Kurzzeitig wirksame Substanz zur Erhöhung der Serotonin-Konzentration im Nervensystem.

Neue Therapie: Damit Mann länger kann
© Getty Images

Tabuthema und Beziehungskiller: der vorzeitige Samenerguss des Mannes beim Geschlechtsverkehr (Ejaculatio praecox). Es handelt sich um die häufigste sexuelle Funktionsstörung des Mannes. Erstmals ist eine erfolgversprechende Therapie möglich, hieß es bei einer Pressekonferenz der österreichische Urologen in Wien.

Tabuthema
"Stellen Sie sich vor, Sie betreten einen Lift. Darin stehen fünf Herren, die schweigend mit ihnen fahren. Wahrscheinlich hat zumindest einer von diesen Herren ein Problem mit vorzeitigem Samenerguss. Und obwohl er vielleicht sehr darunter leidet, spricht er nicht darüber. Er spricht mit niemandem", sagte Karl Dorfinger, Präsident des Berufsverbandes der österreichischen Urologen. Wahrscheinlich gebe es für Männer - wohl auch für Paare - kaum ein größeres Tabuthema.

Kontrollverlust
Gerti Senger, Klinische Psychologin, Verhaltens- und Paartherapeutin in Wien: "Es handelt sich um einen Kontrollverlust im intimsten Bereich des Einzelnen und der Sexualpartner. Die ersten Reaktionen auf einen solchen Kontrollverlust sind Angst und 'Reaktanz'. Letzteres ist das heftige Bemühen, die Kontrolle doch herzustellen. Anhaltender Misserfolg aber wird schließlich zu 'gelernter Hilflosigkeit'. Es kommt zum Selbstwertverlust, die subjektive Befindlichkeit und das Beziehungsklima verschlechtern sich."

Wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen - quer über alle Altersgruppen hinweg - dass 18 bis 25 Prozent der Männer unter vorzeitigen Samenerguss beim Sex leiden.

Die Definition:
- Ejakulation schon vor oder innerhalb einer Minute nach der vaginalen Penetration.
- Der Mann hat keine Kontrolle über seinen Samenerguss.
- Zumindest einer der beiden Partner empfindet die Störung als belastend und frustrierend.

Mittlerweile sind die physiologischen Vorgänge bei der Ejaculatio praecox weitgehend bekannt. Bei den betroffenen Männern kommt es im Rahmen der sexuellen Erregung zu einer verkürzten "Plateaubildung", bevor der Orgasmus erfolgt. Dorfinger: "Der zentrale 'Schaltknopf' für den Ablauf der männlichen Sexualität im Nervensystem ist der Botenstoff Serotonin. Hier gibt es ein neues Medikament, das jetzt auch in Österreich verfügbar ist und bei unserer Jahrestagung (1. bis 3. Mai/Waidhofen an der Ybbs) vorgestellt und diskutiert wird. Männer mit Ejaculatio praecox haben offenbar zu wenig Serotonin im Nervensystem. Das neue Medikament Dapoxetin aus der Gruppe der sogenannten selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRIs, Anm.) erhöht die Wirksamkeit des im Nervensystem vorhandenen Serotonins und verzögert dadurch den Samenerguss beim Sex."

Kurze Wirkung
Das Arzneimittel wird eine bis drei Stunden vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen. Es wirkt nur kurz. Das Medikament wurde in klinischen Studien bei rund 6.000 Probanden getestet. Das Ergebnis: In der Gruppe der Betroffenen, die Dapoxetin erhielten, verdreifachte sich die Zeitspanne, bis die Männer beim vaginalen Sex zum Höhepunkt kamen. Es wurden, bis auf einige Fälle von leichter Übelkeit, kaum Nebenwirkungen registriert. Die Urologen hoffen, dass nun mehr Männer ihre "Tabuzone" mit diesem Thema verlassen und Rat suchen, weil es eine Behandlung gibt.


Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |
Facebook Kommentare