12. Februar 2008 11:02

Wiihablitation 

Nintendo Wii als Therapiegerät

Nach Schlaganfall, Knochenbruch oder nach Operation eingesetzt. Bewegungsübungen mit Video-Spiel motivieren Patienten mehr.

Nintendo Wii als Therapiegerät

Die Nintendo-Spielkonsole Wii setzt ihre Erfolgsgeschichte als Therapiegerät fort: Übungen mit dem bewegungssensitiven Controller werden in den USA für die Behandlung von Patienten nach einem Schlaganfall, Knochenbruch oder nach einer Operation eingesetzt. Therapeuten sprechen bereits in Anlehnung an den Begriff der Rehabilitation von der "Wiihabilitation".

Motivation
Die Dehn-, Streck- und Hebe-Übungen der herkömmlichen Krankengymnastik werden von den Patienten oft als qualvoll und langweilig empfunden. Viele Patienten lösten die Abkürzung PT für den Fachbegriff "Physical Therapy" nur mit "pain and torture" (Schmerz und Folter) auf, sagt der Leiter der Reha-Abteilung am Herrin-Hospital im US-Bundesstaat Illinois, James Osborn. Verbinde man die Bewegungsübungen mit dem Video-Spiel, seien die Patienten ganz anders bei der Sache.

Siegeswillen
"Wenn sie mit einem elektronischen Gegner boxen oder Tennis spielen, ist es erstaunlich, wie viele unserer Patienten dann gewinnen wollen", sagt Osborn. Daher bemühten sie sich viel mehr als ohne den zusätzlichen Spielanreiz, die geforderte Bewegung zu meistern. Die südöstlich von St. Louis gelegene Klinik schaffte im vergangenen Jahr eine Wii-Spielkonsole für die Reha-Patienten an. Die beliebtesten Wii-Sportarten in der Klinik sind Baseball, Bowling, Boxen, Golf und Tennis. Mit dem Arm steuern die Patienten den drahtlosen Controller, dessen Sensor die Bewegungen auf die Konsole und den Bildschirm überträgt.

Behandlung
Auch das Hines Veterans Affairs Hospital in der Nähe von Chicago hat kürzlich eine Wii angeschaft, um Patienten mit Wirbelsäulen-Verletzungen zu behandeln. Dort spielt der 22-jährige Matthew Turpen in seinem Rollstuhl sitzend Golf und Bowling. Im vergangenen Jahr wurde der in Deutschland stationierte Soldat bei einem Autounfall so schwer verletzt, dass er nun von der Brust abwärts gelähmt ist. Das Spiel sei eine angenehme Abwechslung von der Monotonie des Reha-Alltags und tue ihm gut, sagt Turpen. Im Walter Reed Army Medical Center kommt die Spielkonsole auch bei Patienten zum Einsatz, die im Irak-Krieg verletzt wurden. "Sie glauben, es ist für ihre Unterhaltung, aber wir wissen, dass es Therapie ist", sagt die Leiterin der Abteilung für Beschäftigungstherapie, Stephanie Daugherty.

Ausdauer verbessert
In einem Krankenhaus in Raleigh, North Carolina, wird die Spielkonsole bei Patienten von neun bis weit über 80 eingesetzt. "Sie verbessern so ihre Ausdauer, Kraft und Koordination", erklärt Therapeutin Elizabeth Penny. "Es hilft, den Körper zu lockern, damit er tun kann, was von ihm verlangt wird", hat der 64-jährige Billy Perry festgestellt, der zu Weihnachten einen Schlaganfall erlitten hat. Beim virtuellen Tennis habe er das Gefühl in seinem linken Arm zurückerlangt.

Studie
Um jenseits der einzelnen Erfahrungsberichte eine wissenschaftliche Grundlage für die "Wiihab" zu erhalten, hat Lars Oddsson am Sister Kenny Research Center des Abbott Northwestern Hospitals in Minneapolis eine Studie begonnen. Dabei sollen die Erfahrungen der Wii-Therapie an denen einer Vergleichsgruppe gemessen werden.

Maß und Ziel
Das richtige Maß zu wahren, dazu rät der Mediziner Julio Bonis in Madrid. Er beschrieb in der Fachzeitschrift "New England Journal of Medicine", dass exzessives Wii-Spielen zu andauernden Schmerzen in der Schulter führen kann. Bonis stellte dies an sich selbst fest und beschrieb die Schmerzen als "Wiiitis". Er überwand diese neue Krankheit mit Hilfe eines Antirheumatikums und einer Woche Wii-Verzicht.


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