09. Oktober 2008 08:32

Sex-Doping 

Pflaster gegen Sex-Unlust

Hormonpflaster, Spray und Homöopathie: Die Wissenschaft sucht Mittel und Wege, um uns die Lust am Sex wiederzugeben.

Pflaster gegen Sex-Unlust
© getty
Pflaster gegen Sex-Unlust
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Die Lust sitzt im Kopf, heißt es. Vom Standpunkt der Medizin aus ist das durchaus richtig. Liegt doch die wichtigste Schaltstelle für die Produktion der Hormone – die Botenstoffe von Lust und Liebe – im Gehirn: Hypothalamus und Hypophyse regulieren die Freisetzung von Sexualhormonen. Und diese wiederum spielen eine wesentliche Rolle für Libido und Orgasmusfähigkeit.

Antrieb
Lustförderer bei Frau und Mann ist das männliche Sexualhormon Testosteron. „Bei Frauen ist es in der Mitte des Monatszyklus am höchsten“, erklärt Hormonexperte Johannes Huber. Sinkt der Testosteronspiegel, etwa unter Einnahme der Pille oder in der Menopause, schwindet auch die Libido. Bei Männern ist der Hormonmangel nicht nur ein Lustkiller, sondern beeinträchtigt auch die Potenz. Huber: „Übergewicht, vor allem am Bauch, ist oft die Ursache für Testosteronmangel.“

Pflaster für die Liebe
Das männliche Sexualhormon kann bei nachgewiesenem Androgenmangel mittels Gel oder Pflaster zugeführt werden. Bei Männern haben sich derartige Präparate bereits bewährt. Neu ist das Testosteronpflaster für Frauen. Huber: „Das Pflaster ist bereits in Deutschland registriert, aber noch nicht in Österreich.“

Libido steigern
Doch auch andere Hormone mischen bei der Liebe mit. Derzeit nimmt die Wissenschaft das Kuschelhormon Oxytocin unter die Lupe. Das Hormon wird bei Frauen und Männern während des Orgasmus freigesetzt und soll laut neuesten Erkenntnissen die Libido steigern. Als Spray ist Oxytocin zwar verfügbar, es ist aber (noch) nicht als Mittel für die Libido registriert. Auch die Wirkung des Hormons Prolaktin auf die Lust wird derzeit in Studien erforscht.

Viagra für Frauen
Während Männern mangelnde Standfestigkeit zu schaffen macht, leiden Frauen unter Orgasmusproblemen. Das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim entwickelte eine Lustpille für Frauen. Der Wirkstoff Flibanserin wird derzeit auch im AKH getestet.

Und mit Orgafem ist seit Kurzem auch ein homöopathisches Präparat auf dem Markt, das lustlosen Frauen die Freude am Sex bringt.

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Wirkung der Hormone

Testosteron
Männer haben zwar mehr davon als Frauen, aber das männliche Sexualhormon steigert bei beiden Geschlechtern Antrieb und Lust. Gegen Testosteronmangel gibt es Gel oder Pflaster. Neu: Testosteron-Pflaster für Frauen.

Östrogen
Das weibliche Sexualhormon (über das aber auch Männer verfügen) fördert die Freisetzung von Stickoxyd, das die Blutgefäße für Orgasmusfähigkeit und Erektion erweitert. ­Östrogen sorgt bei Frauen auch für eine feuchte Vagina.

Oxytocin
Das Hormon löst die Geburtswehen aus und ist auch ein Botenstoff, der die Libido anregt. Er wird beim Orgasmus von der Hypophyse im Gehirn produziert und wirkt ähnlich wie Opium. Als Stimulans wird es derzeit in Studien erforscht.

Prolaktin
Es regt in der Schwangerschaft die Produktion der Muttermilch an. Prolaktin wird aber auch im Körper des Mannes gebildet. Die Rolle des Hormons beim Orgasmus wird derzeit in wissenschaftlichen Studien näher erforscht.

Dopamin
Der Neurotransmitter gilt als Glückshormon und färbt bei Freude die Wangen rot. Bei Männern wird der Botenstoff schneller ausgeschüttet als bei Frauen, was die raschere Erregbarkeit von Männern erklärt.

Wachstumshormon
Das Hormon wird als Jungmacher bezeichnet und fördert die allgemeine Leistungssteigerung. Da es mit dem Alter abnimmt, lässt mitunter auch die Lust nach. Der Botenstoff ist nur als Injektion verfügbar.

Cortisol
Das Stresshormon ist der stärkster Lustblocker. Es wird bei Belastungen vermehrt in der Nebennierenrinde ausgeschüttet und setzt den Körper auf Schongang. Daher klappt es bei permanentem Stress auch nicht mit Sex und Liebe.

Foto: (c) getty


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