02. Februar 2009 10:08

Lebenselixier 

"Schlaf macht erfolgreich"

Wer gut schläft, ist erfolgreicher und bleibt auch länger jung. Ein Schlafexperte verrät, wie Sie Ihre Nachtruhe optimieren.

"Schlaf macht erfolgreich"
© Getty Images
"Schlaf macht erfolgreich"
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Schlafen gilt in unserer Gesellschaft als ziemlich langweilig: Up to date ist, wer viel leistet und sich wenig Ruhe gönnt.

Interview
Das ist schade, meint der Psychologe Günther W. Amann-Jennson, der in seinem aktuellen Ratgeber „Schlaf dich jung, fit und erfolgreich“ (siehe unten) eine Bresche für den Schlaf als „Gesundheitsfaktor Nummer eins“ schlägt. Im Health-Talk mit MADONNA erklärt der international renommierte Schlafexperte, warum:

Schlafen wir Österreicher eigentlich gut?
Günther W. Amann-Jennson: Nein. Laut der Österreichischen Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung leiden etwa 25 bis 30 Prozent der Österreicher an echten Schlafstörungen. Frauen sind laut Statistik mehr betroffen als Männer. Schlafmediziner warnen jedoch schon länger, dass die Quote der Schlafgestörten in Wirklichkeit viel höher ist.

Wie macht sich schlechter Schlaf bemerkbar?
Amann-Jennson: Man kann davon ausgehen, dass 70 Prozent der Erwachsenen keinen erholsamen Schlaf haben. Die Folgen sind Dauermüdigkeit, Gesundheitsstörungen, Leistungsabfall oder erhöhte Unfallgefahr.

Und umgekehrt: Warum sollten wir uns um guten Schlaf bemühen?
Amann-Jennson: Weil Ihr persönlicher Nutzen sehr hoch sein wird: Sie bleiben länger jung und gesund und werden mehr Lebensfreude, aber auch wesentlich mehr Erfolg in Ihr Wachleben bringen.

Gesunder Schlaf macht also erfolgreich?
Amann-Jennson: So ist es. Wer zu wenig oder schlecht schläft, bei dem geht der aktive, vitale Tag daneben. Ein renommierter Schlafforscher der Stanford University hat gesagt: „Nach 40 Jahren Schlafforschung habe ich keinen Faktor gefunden, der auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden einen größeren Einfluss hat als der Schlaf. Unsere Gesundheit hängt zu 90 Prozent vom gesunden Schlaf ab.“

Stimmt es, dass man durch gesunden Schlaf auch abnimmt?
Amann-Jennson:
Studien zeigen tatsächlich: Wer ausreichend und qualitativ gut schläft, läuft weniger Gefahr, zuzunehmen. Das hängt vor allem mit dem Stoffwechsel und im Besonderen mit der Insulinproduktion zusammen. Voraussetzung ist jedoch, dass man abends vor allem eiweißhaltige Lebensmittel wie Fisch oder mageres Fleisch isst und Kohlenhydrate wie Brot oder Nudeln meidet.

Und wie kann ich erholsamen Schlaf nun fördern?
Amann-Jennson: Ziel ist es, zu einem sogenannten bioenergetischen Schlaf zu kommen. Das ist der Ausdruck für die höchstmögliche körperlich-geistig-seelische Regeneration und Vitalisierung durch Schlaf. Zunächst einmal muss man die Hardware berücksichtigen. Das heißt: Ist die Schlafunterlage orthopädisch korrekt? Und: Ist das Schlafumfeld weitgehend störungsfrei? So zum Beispiel können Quarzuhren die Regenerationsphase empfindlich stören. Nehmen Sie die Uhren in der Nacht ab und lagern Sie sie nicht in der Nähe Ihres Schlafplatzes!

Was ist noch wichtig?
Amann-Jennson: Auch Stress, Ernährung oder Bewegung beeinflussen unser Schlafverhalten. So etwa ist es von Vorteil, nicht gegen Stress anzukämpfen, sondern sich mit ihm zu arrangieren. Sehr wirkungsvoll: Halten Sie täglich mehrmals einige Minuten lang inne. Meditieren Sie! Und suchen Sie vermehrt positive Abenteuer: Lassen Sie sich immer wieder zu etwas Neuem anregen!

Aber was hat das mit dem Schlaf zu tun?
Amann-Jennson: Viel. Denn wer gut schlafen will, muss tagsüber bereits die Weichen stellen. Je größer der Tagesstress, desto größer muss der Ausgleich sein. Die ideale Tagesverteilung lautet: Acht bis neun Stunden Arbeit, sieben bis acht Stunden Freizeit und sieben bis acht Stunden Schlaf.

Welche Rolle spielt das Abendessen für die Schlafhygiene?
Amann-Jennson:
Eine zentrale. Das Nachtmahl sollte spätestens zwei Stunden vor der tatsächlichen Bettzeit erfolgen und leicht verdaulich sein. Ideal ist ein Mix aus Kohlenhydraten (wie Kartoffeln oder Vollkornbrot) mit tryptophanhaltigen Eiweißprodukten wie Huhn oder Fisch. Tryptophan ist eine Aminosäure, die die Produktion des Schlafhormons Melatonin begünstigt.

Was fördert die Entspannung zusätzlich?
Amann-Jennson: Bewährte Methoden aus der Naturheilkunde sind entspannende Kräutertees, Massagen oder ein warmes Fußbad.

Und Sex?
Amann-Jennson: Auf Sex am späten Abend sollte man sich nur einlassen, wenn man relativ sicher ist, dass man einen Höhepunkt haben wird. Denn nur dadurch kommt es zu einer tiefen Entspannung, die das Ein- und Durchschlafen erleichtert.

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Gesundheits-Tipps: Was gesunden Schlaf fördert
Sanfte Hilfen. Diese Tipps erleichtern das Ein- und Durchschlafen:

Kein Alkohol
Bier oder Wein machen zwar müde und man schläft zunächst gut ein. Aber: Man wacht nachts leichter auf. Daher: Maximal ein Gläschen!

Ruhig
Das Zimmer sollte ruhig, kühl, aber nicht zu kalt sein. Ideal sind 18 bis 20 Grad. Regelmäßig lüften!

Rituale
Sie geben Halt, beruhigen und entspannen. Ideal: Ein Abendspaziergang, eine Tasse Kräutertee, ein Bad oder warme Milch.

Nur müde ins Bett
Gehen Sie erst schlafen, wenn Sie die Müdigkeit überkommt. Das Bett nur zum Schlafen (nicht zum Arbeiten, Fernsehen) nutzen!

Foto: (c) Getty Images


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