23. September 2008 09:37

Vorbeugen 

Schlaganfall ist zweithäufigste Todesursache

Schlaganfall: Das sind die größten Risikofaktoren und wie man einen Schlaganfall erkennt.

Schlaganfall ist zweithäufigste Todesursache
© sxc

Weltweit eine steigende Gefahr, in Österreich mindest teilweise medizinisch beherrscht: der Schlaganfall. Doch es gibt viele Möglichkeiten für Verbesserungen. Mittwoch beginnt in Wien die World Stroke Conference (bis 27. September). Rund 3.000 Teilnehmer werden in der Neuen Messe Wien erwartet.

Todesursache Nummer 2
"Es handelt sich international um die größte Schlaganfallkonferenz. Diese Erkrankung ist weltweit bereits die zweithäufigste Todesursache. Sie hat den Krebs überholt und epidemische Ausmaße erreicht. Das ist vor allem auf die Entwicklung in den asiatischen Ländern zurückzuführen. Immer häufiger sind auch junge Menschen Opfer dieser Erkrankung", sagte Tagungspräsident Michael Brainin (LKH Tulln/Niederösterreich).

20.000 Schlaganfälle pro Jahr in Österreich
In Österreich erleiden pro Jahr rund 20.000 Menschen einen Schlaganfall. 85 Prozent diese akuten Erkrankungen werden durch einen Gefäßverschluss in Folge eines Thrombus im Gehirn hervorgerufen. Jeder vierte Mann und jede fünfte Frau im Alter bis 85 Jahren erleidet einen Schlaganfall. 31 Prozent der Schlaganfallpatienten benötigen danach allgemeine Hilfe, 20 Prozent Hilfe beim Gehen, 16 Prozent müssen wegen schwerer Langzeit-Invalidität in Pflegeeinrichtungen aufgenommen werden.

Die größten Risikofaktoren
Die größten Risikofaktoren sind nicht oder nicht ausreichend behandelter Bluthochdruck sowie die klassischen Herz-Gefahren durch Rauchen und hohe Cholesterinwerte im Blut. Wichtig wären eine optimale Vorsorge mit Vermeidung der Risikofaktoren, aber auch die sofortige Aufnahme in eine spezialisierte Krankenhausabteilung im Akutfall, wo man mit Thrombolytika den Gefäßverschluss wieder auflösen kann. Am besten funktioniert dies innerhalb von 90 Minuten ab dem Auftauchen von Symptomen.

Sterblichkeit deutlich reduziert
"Time is brain. (...) Unbehandelt bleiben nur 26 Prozent der Patienten ohne Langzeitschäden, mit Behandlung hingegen 39 Prozent", sage dazu der Wiener Neurologe Wilfried Lang (Krankenhaus Barmherzige Brüder) vor einiger Zeit. In Österreich hat sich die Sterblichkeit nach Schlaganfall in den vergangenen Jahrzehnten deutlich reduziert. 1970 wurden noch 14.737 Todesfälle wegen "Hirngefäßerkrankungen" registriert, im Jahr 2006 waren es 5.611. Die Sterblichkeit sank somit von 129,5 pro 100.000 Einwohner und Jahr auf 27,8 pro 100.000 Menschen und Jahr.

Thrombolyse-Behandlung
Daran maßgeblich beteiligt war die flächendeckende Einrichtung von sogenannten Stroke Units in Österreich, von denen derzeit 32 bestehen. Dort gibt es auch die Möglichkeit zur Thrombolyse-Behandlung. Brainin: "In Österreich bekommen diese Therapie bereits mehr als zehn Prozent der Schlaganfallpatienten. Weltweit sind es nur zwei bis drei Prozent." Lässt man jene Patienten unberücksichtigt, welche für diese Therapie nicht in Frage kommen, liegt die Anwendungsrate in der Alpenrepublik bei mehr als 50 Prozent. Das stellt laut dem Experten Weltspitze dar.

Zunehmend allerdings kommt ein zusätzliches Problem ans Tageslicht. Mehr als zwei Drittel der Schlaganfälle verursachen offenbar keine Symptome. Sie schädigen aber trotzdem das Gehirn. Hier gibt es noch kaum Lösungsansätze.

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Ein Schlaganfall ist eine sehr ernsthafte Erkrankung, bei der ohne Zögern medizinische Hilfe gesucht werden muss. Bei rechtzeitiger Behandlung lassen sich Spätfolgen drastisch verringern.

Darum ist es wichtig, die häufigsten Anzeichen für einen Schlaganfall genau zu kennen. Insbesondere Menschen (und die nächsten Angehörigen, bzw. Lebensgefährten), die mehrere Risikofaktoren, wie z. B. Rauchen, Übergewicht, Bluthochdruck, Arteriosklerose, in sich vereinen, sollten die Symptome kennen.

Diese Symptome lassen auf einen Schlaganfall schließen:
-Gefühllosigkeit, Taubheit an den unterschiedlichsten Körperregionen.
-Schwäche oder Lähmungserscheinungen an Arm, Gesicht oder Bein (besonders halbseitig).
-plötzliche Sehschwäche oder Sehstörungen, z. B. sehen von Doppelbildern, Verschwommensehen, einseitiger Sehverlust, halbseitige Gesichtsfeldausfälle.
-Hörverlust
-Erschwertes Sprechen, z. B. Wortsalat, Silbenverdrehungen, Sprachverlust oder und Verständnisstörungen, das sich durch falsches Befolgen von Anweisungen, oder sinnlosen Wortschwall ausdrückt. Eine schwere Zunge kann zu Lallen führen.
-Benommenheit, Schwindel, Gleichgewichtsstörungen oder Koordinationsschwäche können zu einer Unsicherheit beim Gehen und zu einer Fallneigung (besonders zu einer Seite) führen.
-Bewusstseinsveränderungen, z. B. Verwirrung oder Erregtheit.
-epileptische Anfälle.
-plötzliche und starke Kopfschmerzen.
-plötzliche Übelkeit, Fieber, Schläfrigkeit, Bewusstlosigkeit.

Zauberformel
Die "Zauberformel" für die Erhaltung der Herz-Kreislaufgesundheit: "0-3-5-140-5-3-0".

Und das steckt hinter der Formel "0-3-5-140-5-3-0":

- 0: keine Zigaretten
- 3: Täglich drei Kilometer zu Fuß gehen oder 30 Minuten moderates körperliches Training
- 5: fünf Portionen Obst oder Gemüse täglich
- 140: weniger als 140 mmHg systolischer Blutdruck
- 5: Gesamtcholesterin niedriger als fünf mmol pro Liter (das entspricht 190 mg/dl)
- 3: LDL-Cholesterin niedriger als drei mmol pro Liter (das entspricht 116 mg/dl)
- 0: Vermeiden von Übergewicht und Diabetes

Diese Werte sind für gesunde Menschen gedacht. Für Personen mit besonders hohem Risiko - zum Beispiel aufgrund eines früheren Herz-Kreislauf-Zwischenfalls - gelten der neuen Empfehlung zufolge niedrigere Richtwerte, nämlich:

- Blutdruck von maximal 130/80 mmHg
- Gesamtcholesterin unter 4,5 mmol pro Liter (175 mg/dl), idealerweise unter 4 mmol pro Liter (155 mg/dl)
- LDL-Cholesterin unter 2,5 mmol pro Liter (100 mg/dl), idealerweise sogar unter 2 mmol pro Liter (75 mg/dl)
- Blutzucker unter sechs mmol pro Liter (100 mg/dl)
- HbA1c-Wert: unter 6,5 Prozent (HbA1c ist jener Wert, der die Zuckerbelastung im Blut für einige Wochen angibt)


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