15. Oktober 2008 08:56

Studie zeigt 

Schmerz wirkt auf das Gehirn

Schmerzforschung zeigt: Auch das Gedächtnis leidet, wenn uns das Knie zwickt.

Schmerz wirkt auf das Gehirn
© getty

Heroismus ist out. Zumindest wenn es um das geduldige Ertragen von Schmerzen geht. Denn neue Erkenntnisse in der Schmerzforschung zeigen: Chronische Schmerzen setzen den Körper nicht nur unter Stress, sondern erzeugen im Gehirn auch ein Schmerzgedächtnis. Dieses wiederum fördert die Anfälligkeit für schmerzhafte Empfindungen. Außerdem stört Schmerz die kognitive Leistungsfähigkeit.

Denken behindert
Wie Hamburger Forscher jetzt nachweisen konnten, behindert sowohl akuter als auch chronischer Schmerz nachweislich Denken und das Erinnerungsvermögen. Die Untersuchungen zeigten: Wenn das Gehirn mit der Verarbeitung von Schmerzreizen beschäftigt ist, steht weniger Kapazität für die Verarbeitung anderer Reize zur Verfügung. So konnten sich die Versuchspersonen später auch schlechter an die Bilder erinnern, die sie während des Schmerzes gesehen hatten.

Früh bekämpfen
Egal, wo der Schmerz sitzt, er bleibt nicht ohne Folge für das Gehirn. Daher empfehlen Schmerzexperten heute, den Qualen möglichst rasch mit adäquater Behandlung zu lindern.

Teufelskreis: So entstehen Schmerzen
1. Reiz

Schmerzsignale werden von den sogenannten „Nozirezeptoren“ registriert und über spezielle Nervenfasern zuerst an das Rückenmark und von dort zum Gehirn weitergeleitet.

2. Weiterleitung
Das Rückenmark sammelt die Schmerzreize aus dem Körper und leitet sie weiter zum Gehirn. Das Hinterhorn des Rückenmarks fungiert dabei als Schaltstelle.

3. Rückenmark
Bestimmte Nervenzellen im Rückenmark setzen einen Botenstoff (GABA) frei, der Schmerzempfindungen bremst. So kommen nur intensivere Schmerzsignale zum Gehirn durch. Werden die Nervenzellen wiederholt mit Schmerzsignalen bombardiert, schalten sie auf Daueraktivität um. Aus akuten Schmerzen entstehen somit chronische.

4. Gehirn
Die Schmerzsignale gelangen über Nervenbahnen in das Gehirn und werden dort weiterverarbeitet. Hier wird der Schmerz empfunden und auch emotional wahrgenommen. Dauernde Schmerzimpulse beeinträchtigen das Gehirn und seine Funktionen.

Foto: (c) Getty


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