16. Mai 2008 10:47

Immunsystem 

Schnupfen und Co haben heilende Wirkung

Ein neues Buch empfiehlt, Krankheiten zuzulassen um das Immunsystem zu trainieren.

Schnupfen und Co haben heilende Wirkung
© getty

Antibiotika, fiebersenkende Medikamente, Impfungen - all das soll verhindern, dass wir krank werden. Genau das Gegenteil empfiehlt Bert Ehgartner in seinem neuen Buch "Lob der Krankheit: Warum es gesund ist, ab und zu krank zu sein", das heute in Wien präsentiert wurde. Sein Anliegen: Das Selbstbewusstsein stärken und kleine Krankheiten zulassen, denn kein Medikament könne so effektiv eingreifen, wie das eigene Immunsystem.

Immunsystem wird gestört
Wer gegen jede kleine Krankheit Vorsichtsmaßnahmen trifft, übernimmt ständig von außen die Verantwortung und stört das Immunsystem in seiner Arbeit und Entwicklung, so Ehgartners Grundaussage. "Dahinter steckt der Gedanke, dass die Keime das Reich des Bösen sind", vermutete der Autor und Medizinjournalist. Dabei sei die Kraft der Viren und Bakterien nötig gewesen, damit sich Menschen entwicklungsgeschichtlich weiterentwickeln konnten.

Fieber ein gutes Zeichen
Das Immunsystem sei außerdem ein lernendes System - bei einem Neugeborenen sei es noch naiv, damit es sich in den ersten Lebensjahren auf die spezielle Umwelt einstellen könne. Dass der Nachwuchs mit Schmutz und Bakterien in Berührung komme, sei also durchaus sinnvoll und notwendig. "Wenn Fieber beim Kind auftritt, merkt man, dass das Immunsystem im Trainingscamp ist", betonte Ehgartner die Wichtigkeit von kleineren Krankheiten. Auch bei Tierversuchen mit Ratten und Hasen hätte man festgestellt, dass kranke Tiere, die mit fiebersenkenden Medikamenten behandelt worden waren, von einem höheren Sterberisiko betroffen waren als andere. Hohes Fieber sei auch bei Erwachsenen ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem noch fit ist.

Ärzte verschreiben was Patienten wollen
Ärzte würden aus Angst vor Klagen wegen Unterlassung zu 99 Prozent das verschreiben, was die Patienten wollen, behauptete der Autor. Er plädierte daher stattdessen für eine Partnerschaft mit den Medizinern. Man solle einen finden, dem man vertraut und der im besten Fall über Vor- und Nachteile von Behandlungen informiert. Nur so könne man eine Entscheidung als mündiger Patient treffen.
Buchtipp: "Lob der Krankheit: Warum es gesund ist, ab und zu krank zu sein", von Bert Ehgartner, Gustav Lübbe Verlag, 17,50 Euro


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