15. März 2010 08:23

Infarktrisiko steigt 

Schwankender Blutdruck ungesund

Auch wenn der Blutdruck nur ab und zu hoch ist, ist die Infarktgefahr größer.

Schwankender Blutdruck ungesund
© Getty

Wenn der Blutdruck nur ab und zu hoch ist, könnte das schlimmer sein als ein dauerhaft erhöhter Wert. Das geht aus vier Studien hervor, die am Freitag in den medizinischen Fachzeitschriften "Lancet" und "Neurology Lancet" veröffentlich wurden. Europäische Forscher legen darin nahe, die derzeitigen Empfehlungen für Bluthochdruck-Patienten zu überarbeiten.

Schwankender Blutdruck
Der Arzt Peter Rothwell untersuchte in einem Krankenhaus in Oxford rund 8.000 Patienten, die einen Herzinfarkt erlitten hatten. Sein Ergebnis: Wer an einem ständig schwankenden Blutdruck litt, hatte ein sechs Mal höheres Infarktrisiko als Patienten mit konstant erhöhtem Blutdruck. Zusammen mit Kollegen wies Rothwell in zwei anderen Studien nach, dass Medikamente, die Spitzen im Blutdruck reduzierten, am besten zur Verhinderung von Infarkten geeignet waren.

Nach Ansicht Rothwells könnten die neuen Erkenntnisse zu einer Verdoppelung der Bluthochdruck-Patienten führen. Die Krankheit ist für etwa die Hälfte aller Schlaganfälle und Herzinfarkte verantwortlich. Mehr als die Hälfte aller Erwachsenen hat zu hohen Blutdruck.

Experten hatten schon länger untersucht, ob Menschen mit schwankenden Blutdruckwerten stärker gefährdet sind. Die nun veröffentlichten Studien sind aber die ersten, die den Zusammenhang über mehrere Jahre nachweisen.

Regelmäßig messen
Die Schlussfolgerungen aus den neuen Forschungsergebnissen sind noch umstritten. Die Amerikanische Herzgesellschaft rät jedem, der an Bluthochdruck leidet, seine Werte regelmäßig zu Hause zu messen. Die gelegentlichen Untersuchungen beim Arzt könnten nicht ausreichend sein, um die Schwankungen nachzuweisen.

Andere Mediziner nannten die Ergebnisse Rothwells und seiner Kollegen zwar interessant, rieten aber dazu, erst weitere Untersuchungen abzuwarten. "Wir können nicht jedes Mal die Richtlinien ändern, wenn etwas Neues herauskommt", sagte Lars Hjalmar Lindholm, Forscher an der Uniklinik im schwedischen Umea.

Rothwell riet Patienten mit schwankend hohem Blutdruck dazu, nicht übereilt ihre Therapie zu ändern. Die Betroffenen sollten zunächst mit ihrem Arzt sprechen. "Die Schädigungen brauchen Monate und Jahre, um sich zu entwickeln."

Die neuen Erkenntnisse sollten seiner Ansicht nach auch niemanden dazu bringen, die Behandlung von gewöhnlichem Bluthochdruck abzubrechen. "Ich will auf keinen Fall, dass die Leute jetzt denken, ihr konstant hoher Blutdruck sei kein Problem." Es ginge allein darum, künftig auch diejenigen zu behandeln, deren Blutdruck nur ab und zu nach oben gehe.


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