20. Oktober 2009 07:30

Schweinegrippe 

Deutsche wollen unseren Impfstoff

Austro-Medizin nur für deutsche Elite. In Österreich gibt's Mittel für alle.

Deutsche wollen unseren Impfstoff
© Getty Images

Wien/Berlin. Aufstand der Bürger gegen ihre Regierung in Deutschland. Der Auslöser: Für die breite Masse wurde gegen die Schweinegrippe der Impfstoff Pandemrix bestellt. 50 Millionen Dosen, die jetzt an Ärzte und Gesundheitsämter ausgeliefert werden – hergestellt von der Firma GlaxoSmithKline in Dresden.

Der Aufreger: Die Regierung in Berlin hat für sich und die deutsche Bundeswehr ein anderes Mittel geordert: 200.000 Dosen von Celvapan. Der Herstellungsort: Österreich. Genauer gesagt die Baxter-Werke in Wien, in Orth/Donau und in Bohumile/Tschechien. Hier wird derzeit der Impfstoff für die ganze Welt mit Hochdruck produziert.

Schweinegrippe: So schützen Sie sich!

"Zwei-Klassen-Medizin"
Seit das bekannt wurde, ist in Deutschland ein Sturm der Entrüstung über diese „Zwei-Klassen-Medizin“ losgebrochen. Ärzte und Oppositionspolitiker wettern gegen dieses „falsche Signal“. Professor Alexander Kekulé von der Uniklinik Halle: „Es ist ein Skandal, dass Regierung und Behörden einen anderen Impfstoff bekommen.“ Die Bevölkerung fordert den gleichen Impfstoff, der auch Behörden und Politikern gespritzt werden soll.

Der Hintergrund: Das Baxter-Mittel aus rot-weiß-roter Herstellung gilt als besser verträglich, hat angeblich vor allem bei Kindern weniger Nebenwirkungen.

In Österreich bekommt jeder den Stoff „Celvapan“
Die Österreicher können sich zurücklehnen und dem Streit bei den Nachbarn lächelnd zuschauen: Die heimische Regierung unter Kanzler Werner Faymann hat für alle Behörden und Bürger ohne Ausnahme Celvapan bestellt.

Hochsicherheits-Transport rollt heute durchs Land
Damit der Stoff rechtzeitig zu den anstehenden Impf-Wellen (siehe Kasten rechts) verfügbar ist, rollten gestern erste Baxter-Lkws vom Werk in Wien über die Westautobahn zu einem Verteilungszentrum in Linz. „Von dort wird das Mittel ab heute an die einzelnen Länder verteilt“, schildert Jean-Paul Klein, der im Gesundheitsministerium für die Planung der Impfungen zuständig ist.

Bei der Auslieferung der 500.000 Dosen des begehrten Mittels gilt höchste Sicherheitsstufe. Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Absicherung im Lkw, alles ist genau geregelt. Celvapan wird in Kartons zu je 20 Flaschen auf Paletten geliefert. Eine eigene Firma wurde mit der heiklen Auslieferung beauftragt – damit der Impfstoff ab heute bei der Bevölkerung ist.

Die 2 Impfungen im Vergleich
Celvapan: Vom Pharmariesen Baxter in Österreich und Tschechien auf Basis eines Vogelgrippe-Impfstoffes hergestellt. Am 7. Oktober von der EU als Impfstoff zugelassen.

Pandemrix: Hergestellt von GlaxoSmithKline in Dresden. Von der EU ebenso zugelassen. Aber: Es enthält Konservierungsstoffe und Wirkungsverstärker, die angeblich stärkere Nebenwirkungen auslösen können. Die Wirkung ist gleich.

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In einer Woche startet Impfung
27.10.: Impfung für medizinisches Personal startet. Ab heute in einer Woche kann sich medizinisches Personal impfen lassen. Dazu zählen z. B. alle Mitarbeiter in Spitälern, Ärzte, Sprechstundenhilfen. Morgen sollen die ersten Ladungen des Impfstoffes in den Spitälern ankommen. Die Impfung ist auch hier freiwillig, es besteht kein Zwang. Aber: Im Gegensatz zur breiten Bevölkerung wird das Impfen für Ärzte völlig gratis sein – die Spitäler übernehmen auch die Rezeptgebühr.

9.11.: Impfung für die Risikogruppen startet. Chronisch kranke Menschen oder Schwangere können sich zur Sicherheit impfen lassen. Es wird in jedem Bundesland eigene Impfzentren geben. Hausärzte werden das Mittel nicht verabreichen können, es ist nicht in Apotheken zu kaufen. Die Zentren befinden sich meist bei den Bezirkshauptmannschaften. Beispiel NÖ: Hier wird es rund 25 solcher Zentren geben. Es sind zwei Impfungen im Abstand von drei Wochen nötig. Die Kassen übernehmen die Kosten für den Impfstoff, nicht aber die Rezeptgebühr (4,90/Packung).


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