13. Oktober 2009 08:40

Schweinegrippe 

Junge Patienten besonders gefährdet

Bei jungen Menschen kann das H1N1-Virus zu lebensbedrohlichen Erkrankungen führen.

Junge Patienten besonders gefährdet
© AP

Die Schweinegrippe hat bei den meisten Betroffenen einen milden Verlauf. Aber gerade bei jungen Menschen kann das H1N1-Virus zu dramatischen und lebensbedrohlichen Erkrankungen führen. Das ergaben jetzt drei Studien aus Kanada, Mexiko und den USA. Sie wurden jetzt im "Journal of the American Medical Association" (JAMA) publiziert.

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Organversagen
Kanadische Mediziner aus Winnipeg untersuchten den Krankheitsverlauf von 168 Patienten, die wegen besonders schwerer Beschwerden in Krankenhäuser gebracht wurden. Diese Personen hatten im Mittel vier Tage lang Symptome gezeigt, bevor ihr Zustand sich rapid verschlechterte und sie in eine Klinik kamen. Der Sauerstoffgehalt des Blutes war extrem gering, bei vielen von ihnen versagten mehrere Organe, rund 80 Prozent der Patienten wurden lange künstlich beatmet. 24 Personen starben innerhalb der ersten vier Wochen, fünf weitere in den folgenden zwei Monaten. Das Durchschnittsalter der Patienten war mit 32 Jahren auffällig niedrig.

Schwerer Verlauf und Todesfälle
"Unsere Daten deuten darauf hin, dass schwerer Krankheitsverlauf und Todesfälle sich bei relativ gesunden Heranwachsenden und Erwachsenen zwischen zehn und 60 Jahren häufen", schreiben die Mediziner im "Journal of the American Medical Association". Diese Altersverteilung gleiche jener der Spanischen Grippe von 1918, die ebenfalls durch den Influenzatyp H1N1 verursacht wurde. In der gleichen Zeitschrift kommen Untersuchungen aus Mexiko, Australien und Neuseeland zu ähnlichen Ergebnissen.

Von den teilweise dramatischen Erfahrungen in Winnipeg hatte vor einigen Wochen der kanadische Experte Anand Kumar (Universität von Manitoba) bei einer Pressekonferenz des Pharmakonzerns Roche in Basel im Detail berichtet.

Der Fachmann sagte damals: "Wir hatten rund 50 Fälle, die schwerst krank waren und wochenlang beatmet und in der Intensivstation untergebracht werden mussten. Wir haben in Winnipeg 75 Intensivbetten. In der ersten Woche kamen vier Influenza-Kranke auf die Intensivstation, in der zweiten acht neue, dann 17 und schließlich gar 37 in einer Woche. Wir waren besorgt und überlegten schon, Patienten auszufliegen. Drei Wochen stiegen die Zahlen an, dann gingen sie wieder herunter."

Es waren in Winnipeg nicht die sonst schon Mehrfach-Kranken und alten Menschen, die mit A(H1N1) lebensgefährlich erkrankten. Kumar: "Die Patienten waren jung, im Durchschnitt um die 40. Nur wenige waren über 55 Jahre alt, zwei Drittel davon Frauen. Und wenn man sie eine Woche vorher nach ihrem Gesundheitszustand gefragt hätte, hätten sie gesagt: 'Ich bin eigentlich gesund'."

Fieber, trockener Husten, Kurzatmigkeit
Fieber, trockener Husten und Kurzatmigkeit, die Hälfte der Schwerkranken hatte auch Magen-Darm-Beschwerden, 15 Prozent sogar als erstes Symptom, kennzeichneten die Erkrankung aus. Der Experte: "Im Röntgen zeigten sich schwere Veränderungen der Lunge. In Gewebeproben unter dem Mikroskop ähneln sie ganz genau den Krankheitserscheinungen der Influenza-Pandemie von 1958 und jener von 1918 (Spanische Grippe, Anm.). Und die Patienten, die ich da gesehen habe, gehörten zu den kränksten Menschen, die ich je gesehen habe. Man braucht wochenlange Beatmung - mit modernen Methoden." Der Spezialist warnte insbesondere vor einem Engpass an Intensivbetten. Das könnte leicht zu einem Ansteigen der Mortalität durch A(H1N1) führen.


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