01. November 2009 08:51

Schweinegrippe 

Risiko für Schwangere ist 10-Mal so hoch

Jetzt ist die Pandemie in Österreich angekommen. Allein am Samstag gab es 27 neue Betroffene. Schwangere Wienerin weiter in Lebensgefahr.

Risiko für Schwangere ist 10-Mal so hoch
© APA/GEORG HOCHMUTH

Ihr Fall erschreckt das Land: Seit Donnerstag liegt eine schwangere Wienerin mit Schweinegrippe auf der Intensivstation des Hanusch-Krankenhauses. Die 18-Jährige ist im sechsten Monat schwanger. Erschwerend kommt hinzu: Sie leidet seit Jahren an chronischem Asthma – diese Schwächung verbunden mit der Schwangerschaft macht bei ihr die Krankheit doppelt so gefährlich.

Alle Infos zur Schweinegrippe-Impfung

Seit Tagen kämpfen die Ärzte um das Leben der jungen Frau. Dr. Klaus Klaushofer, Direktor des Spitals, zu ÖSTERREICH: „Ihr Zustand ist kritisch, aber stabil. Wir tun alles, um ihr zu helfen.“

Wo sich die Wienerin angesteckt hat, ist unklar. Die Lage ist deshalb ernst, weil das H1N1-Virus eine schwere Lungenerkrankung ausgelöst hat. Klaushofer: „Es ist unsicher, wie die Krankheit verläuft. Die Behandlung von Schwangeren auf der Intensiv ist nicht einfach. Ein Risiko für das Ungeborene ist gegeben.“

Beinahe stündlich tauchen neue Grippefälle auf
Völlig unverändert ist die Situation bei zwei weiteren schweren Fällen. Ein 41-jähriger Bayer ringt in Salzburg mit dem Tod. „Sein Zustand ist kritisch. Die nächsten Tage werden zeigen, wie es weitergeht“, sagt Mick Weinberger vom Landesklinikum Salzburg.

Eine 11-jährige Südtirolerin liegt auf der Intensivstation der Innsbrucker Uni-Klinik. „Ihr Zustand ist ernst, sie wird künstlich beatmet“, sagt Johannes Schwamberger vom Tiroler Landesklinikum (Tilak).

Mittlerweile tauchen fast stündlich neue Fälle auf: Am Samstag wurde bekannt, dass in Tirol fünf Soldaten in fünf verschiedenen Kasernen erkrankt sind. Laut Militärkommando würden alle auf ihren jeweiligen Krankenstationen mit Tamiflu behandelt – und scheinen zum Glück zu jenen Fällen zu gehören, in denen die Schweinegrippe eher mild verläuft.

Im Burgenland tauchten nach einer Party in Mörbisch am Neusiedler See gleich 22 Verdachtsfälle auf – zwei der Teilnehmer an einer Geburtstagsfeier mit etwa 40 Gästen, die schon vor einer Woche stattfand, sind inzwischen tatsächlich akut an Schweinegrippe erkrankt.

Fünf weitere der Angesteckten zeigen alle Symptome der tückischen Krankheit: Sie liegen in „Heim-Quarantäne“ mit Fieber und Gliederschmerzen im Bett. Laut Amtsarzt Michael Schriefl „könnte eine Frau, die nicht aus Mörbisch stammt, und sich schon während der Party nicht wohlfühlte, Auslöser der Erkrankungen sein“.

H1N1-Virus: Großes Risiko für schwangere Frauen
Während bisher nur chronisch Kranke als Top-Risikogruppe galten, alarmiert der Fall der 18-Jährigen in Wien jetzt an einer neuen Front: Laut World Health Organisation (WHO) haben Schwangere ein 10-mal höheres Risiko, dass es zu akuter Lebensgefahr kommt. Viele Schwangere sind deshalb verunsichert. Marion Sprenger (30), Pädagogin, erwartet im November ihr Kind: „Ich meide Menschenansammlungen.“ Sozialmediziner Michael Kunze rät deshalb dringend: „Alle Schwangeren sollen sich rasch impfen lassen.“


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