13. Jänner 2010 09:51

Schweinegrippe 

Staaten testen auf Verbreitung

Wegen oft unauffälliger Symptome weiß niemand, wie groß der Anteil der Infizierten bisher war.

Staaten testen auf Verbreitung
© APA

In Österreich dürften in den vergangenen Monaten um die 300.000 Menschen an der Schweinegrippe erkrankt sein. Doch wie groß die Verbreitung der ersten A(H1N1)-Pandemiewelle war, weiß weltweit niemand. Jetzt wollen Staaten wie Großbritannien, Frankreich oder Vietnam durch Bluttests auf A(H1N1)-Antikörper in der Allgemeinbevölkerung bzw. in bestimmten Bevölkerungsgruppen genauer feststellen, wie groß die erste Erkrankungswelle war.

Daten wären wichtig
"Ich bin irgendwie erschüttert, dass wir nicht einmal eine Idee davon haben, wie stark die Infektionsraten waren. Epidemiologen wissen nicht, ob fünf, zehn oder 20 Prozent angesteckt wurden", erklärte vor kurzem der Virologe Xavier de Lamballerie von der Universität in Marseille gegenüber "Nature". Dabei wären genau diese Daten wichtig: A(H1N1) wird nämlich - das weiß man aus Erfahrungen mit anderen Influenza-Pandemien - wahrscheinlich in mehreren Wellen rund um den Erdball kreisen. Und da könnte man auf der Basis von genauen bisherigen Infektionsdaten das Ausmaß zukünftiger Belastungen für Gesundheitswesen, Gesellschaft und Wirtschaft genauer vorhersagen.

Meist milder Verlauf
Nur bräuchte man dazu die Informationen über den bisherigen Verbreitungsgrad, die Verteilung der Schwere der Erkrankungen und genau auch über die Mortalität. Weil A(H1N1)-Infektionen in den meisten Fällen mild und teilweise sogar ohne Symptome verlaufen, sind Krankenstands- oder Patientenstatistiken bei Ärzten wahrscheinlich nur wenig aussagekräftig.

Ein Gutteil der Sterblichkeit infolge von Influenza-Infektionen wird in meisten Ländern traditionsgemäß nicht der Infektion, sondern Begleitkomplikationen wie Herz-Kreislauf-Versagen, chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) und andere Leiden. Damit fällt die Influenza als Todesursache oft einfach "unter den Tisch".

Bluttests
In Großbritannien wurde deshalb vom Medical Research Council und vom Wellcome Trust ein Projekt aus der Taufe gehoben: Statt wie normalerweise jährlich 650 bis 850 Personen zu beobachten sollen es jetzt rund 10.000 sein. Eine Gruppe von 2.500 Menschen sollen auf Antikörper im Blut gegen A(H1N1) untersucht werden. Ein zweites britisches Projekt besteht darin, dass man Blutproben von 1.403 Spitalspatienten vor dem Ankommen der Pandemie in Großbritannien mit jenen von 1.954 Hospitalisierten nach Auftauchen der Influenza vergleicht.

In Frankreich sollen die routinemäßig gesammelten Blutproben von 30.000 Schwangeren nun auch auf A(H1N1)-Antikörper untersucht werden. Die Daten von jeweils 800 Frauen als wöchentliche Untergruppe sollen sehr schnell veröffentlicht werden. De Lamballiere: "Wir haben einen Basiswert, der auf etwa fünf Prozent Infizierte lautet." In Vietnam hingegen stellen Wissenschafter am Nationalen Institut für Infektions- und Tropenerkrankungen in Hanoi eine routinemäßig laufende Studie zur saisonalen Influenza mit 908 Probanden aus 269 Haushalten um und testet nun die Blutproben auch auf A(H1N1).

Unklar ist, warum man nicht derartige Untersuchungen von allem Anfang der ersten A(H1N1)-Krankheitswelle an durchführte. Die Wiener Virologin Therese Popow-Kraupp erklärte vor Jahreswechsel: "Es ist wie eine etwas schwerer verlaufende Influenza (nach Erkrankungszahlen, Anm.) mit saisonalen Stämmen." In Österreich sei aber derzeit keine serologische Studie geplant.


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