05. Jänner 2009 10:11

Fitmacher 

Skitourengehen wird zum Trendsport

Zahl in den vergangenen zehn Jahren auf 500.000 verdoppelt. Fitness und Genuss stehen im Vordergrund.

Skitourengehen wird zum Trendsport
© sxc
Skitourengehen wird zum Trendsport
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Die Zahl der Skitourengeher hat sich in den vergangenen zehn Jahren in Österreich mehr als verdoppelt: Ende der 1990er Jahre stiegen rund 250.000 Alpinisten mit ihren Skiern auf den Berg, nach Angaben des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV) sind es jetzt bereits eine halbe Million. Der Fitnessgedanke, das Naturerlebnis und die als zu teuer empfundenen Liftpreise sind laut ÖAV eine der wesentlichen Gründe, warum sich das Skitourengehen zur Trendsportart entwickelt hat. Trotz des Booms ist der langjährige Schnitt von 26 Lawinentoten im Jahr gleichgeblieben.

Genuss-Geher
Für die Zunahme sorgten vor allem die "Genuss-Geher", die leichte Touren bevorzugen. Die Kolonnen, die sich an leichteren Hängen und am Pistenrand bergwärts schinden, werden immer länger. Auch immer mehr Frauen reihen sich in die Gruppe der Körperbewussten ein. "Im oberen Segment, also bei jenen, die regelmäßig Touren bis zu acht Stunden am Tag gehen, hat sich die Zahl kaum geändert", meint Walter Würtl vom Österreichischen Alpenverein in Innsbruck." Nach Schätzung des Alpinwissenschafters zählen zu dieser "Hardcore-Gruppe" weniger als 250.000 Österreicher.

Achtung Lawinengefahr
Der Trend gehe "zu großen Schwüngen mit breiten Skiern und viel Spaß", sagt Würtl. Aufgrund der modernen Textilien und Materialien ist die Last der Tourengeher um "fünf bis sechs Kilogramm" leichter geworden", weiß Heinz Slupetzky vom Alpenverein in Salzburg. Deshalb könne er nicht verstehen, warum sich bisher nur einige wenige Prozent der Tourengeher einen Lawinenairbag gekauft haben. "Er wiegt nicht mehr als zwei Kilo und ist das einzige Rettungsgerät, das die Verschüttung um fast 100 Prozent verhindert." Offenbar wirkt der Preis von rund 700 Euro für den ABS-Rucksack abschreckend, obwohl er Leben rettet.

Mondschein-Touren
In Mode gekommen sind Nacht- beziehungsweise Mondschein-Touren und Fitness-Touren entlang von Skipisten. "Extrem viele gehen jetzt mit ihren Skiern auf den Berg statt ins Fitness-Center am frühen Abend", so Würtl. Die Devise heißt: "Möglichst rasch und sicher vor Lawinen auf den Gipfel, deshalb wird der Aufstieg entlang der präparierten Skipisten bevorzugt. Was bereits zu Konflikten zwischen Tourengeher und Seilbahnen geführt hat."

In Salzburg haben zahlreiche Wintersportgemeinden auf den Skipisten eine nächtliches Abfahrtsverbot verhängt. Seit 22. Dezember 2006 können sie aufgrund einer Novelle zum Landespolizeistrafgesetz dieses "Nachtfahrverbot" verfügen. Dadurch sollen Unfälle während der Pistenpräparierung mit Seilwinden vermieden und das Liftpersonal aus der Haftung entlassen werden. Die Seilbahnen wollen auch vermeiden, dass die "Nachtfahrer" Spuren in den planierten, noch weichen Schnee ziehen, die am nächsten Tag zu Rillen gefrieren können.

Die Verbote sind allerdings noch kaum geahndet worden. Einige Bergbahnen bemühten sich um Alternativlösungen: Die Maiskogelbahn (Pinzgau) hält jeden Mittwoch eine Piste bis 22.30 Uhr offen. In Hallein (Tennengau) wurde für Tourengeher eine Extra-Variante auf den "Zinken" (1.336 Meter Seehöhe) beschildert.


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