11. April 2008 09:44

Abhängigkeit 

So gefährlich ist Internet-Sucht

Suchtexperte appelliert: Bei auffallendem Computergebrauch Beratungsstellen aufsuchen!

So gefährlich ist Internet-Sucht
© sxc

Internetnutzer werden immer mehr - und mit ihnen wächst die Zahl der Internetsüchtigen. Über 3,95 Millionen Österreicher gehen mehrmals pro Woche online, wie der Austrian Internet Monitor (AIM) aus dem vierten Quartal 2007 zeigt. Mit zunehmender Verfügbarkeit des Internet steigt auch die Internetsucht, warnt Michael Musalek, Leiter des Anton-Proksch-Institus für Suchterkrankungen.

Kontrolle geht verloren
Die Internetsucht zählt neben Glücksspiel-, Arbeits- und Kaufsucht zu den gesicherten Suchtformen. Die Symptome und der Verlauf dieser Krankheit ähneln denen bei Alkohol-, Tabletten- oder Drogensucht. Der Betroffene verliert die Kontrolle über seinen Internetkonsum - er braucht eine immer höhere Dosis - andernfalls kommt es zu Entzugserscheinungen, berichtet Musalek. Wird der Abhängige vom Computer ferngehalten, reagiert er mit Unruhe und Aggressivität, es kommt zu Schlafstörungen, Hitzewallungen bis hin zu Angstzuständen.

Freunde werden vernachlässigt
Internetsüchtige stellen - wie andere Abhängige - ihre Droge in den Lebensmittelpunkt. "Alle anderen Tätigkeiten werden vernachlässigt, es gibt kein Freizeitverhalten mehr", erklärt der API-Chef. Die Betroffenen isolieren sich, soziale Kontakte werden abgebrochen. Kranke Internetnutzer gelangen meist über Online-Glücksspiele oder Fantasy-Spiele zu ihrer Sucht.

Schleichender Verlauf
Laut Musalek ist die Online-Sucht besonders weit verbreitet, weil die Verfügbarkeit des Internet so hoch ist. Die Krankheit stellt sich schleichend ein und wird daher oft nicht erkannt. Es beginnt mit einem erhöhtem - also mehrstündigen - täglichen Gebrauch. Zum "problematischen Gebrauch" wird die Internetnutzung, wenn man beginnt, das Leben aufs Internet zu zentrieren, um dadurch etwa vorhandene Ängste, wie Sozialphobie, zu kompensieren. Musalek rät allen, deren Internetkonsum auffallend hoch ist, sich an Beratungsstellen des Anton-Proksch-Institutes zu wenden, um prüfen zu lassen, ob ihr Verhalten bereits problematisch ist. "Man sollte unbedingt Hilfe in Anspruch nehmen."

Behandlungsmethode
Besonders problematisch ist auch die Therapie der Internetsucht, weil eine völlige Abstinenz in der heutigen Zeit kaum realisierbar ist. Arbeitsgruppen tüfteln derzeit an einer fachgerechten Behandlungsmethode. Die Krankheit wächst direkt proportional zum zunehmenden Internetkonsum. Statistiken über die Anzahl der Betroffenen gibt es nicht. In Deutschland wird die Zahl der Computersüchtigen auf 1,5 Millionen geschätzt.

Sind Sie internetsüchtig?
Folgende Symptome treten bei einer Internetsucht auf:
-Fokussierung: der Brennpunkt des Denkens und der Handlungsintention richtet sich darauf, online zu sein. Offline treten quälende Fantasien darüber auf, was man versäumen könnte.

-Kontrollverlust: der online verbrachte Zeitrahmen kann nicht kontrolliert werden.

-Negative Konsequenzen: durch das exzessive online-Verhalten treten sowohl körperliche Schäden auf (Mangelernährung, Vernachlässigung des Schlafbedürfnisses, Schäden am Bewegungsapparat, Schäden am Sehapparat, bis hin zu vital bedrohlichen Erschöpfungszuständen) als auch psychosozialen Folgeschäden (soziale Selbstisolierung durch Vernachlässigung aller Sozialkontakte, Arbeitsplatzverlust, schulisches Versagen bzw. mögliche Verschlechterung psychischer Grundkrankheiten).

-Entzugssymptome: wie bei anderen Abhängigkeitserkrankungen findet man bei Internetsüchtigen dann, wenn sie unfreiwillig offline sind, Entzugssymptome wie Reizbarkeit, Affektlabilität, Unruhe, Unkonzentriertheit.


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