28. September 2007 11:56

Wundermittel 

So gesund ist Kaffee wirklich

Das Koffeingetränk schützt vor Diabetes und Krebs. Vier Tassen pro Tag sind nicht gesundheitsschädlich.

So gesund ist Kaffee wirklich
© sxc

Lange Zeit galt Kaffeekonsum als schädlich. Doch seit Jahren häufen sich Hinweise darauf, dass das anregende Koffeingetränk die Gesundheit schützen kann. Manche können sich noch an das alte Lied erinnern: "C-A-F-F-E-E, trink nicht zu viel Kaffee", hieß es darin, und zur Begründung: "Schwächt die Nerven, macht dich blass und krank". Aber auch die warnenden Kinderreime konnten den Siegeszug des Getränks nicht aufhalten,

Beschwerden
Vielleicht wäre das Getränk noch beliebter, würden sich Sorgen über schädliche Folgen des Konsums nicht hartnäckig halten. Das liegt nach Ansicht des Ernährungsforschers Olaf Adam von der Ludwig-Maximilian-Universität München an den Beschwerden, die wohl schon jeden Kaffeetrinker nach dem Konsum großer Mengen heimgesucht haben: Übelkeit, Unruhe, Pulsrasen, Schlaflosigkeit.

Schlechter Ruf
Aber auch abgesehen von diesen Unpässlichkeiten haftete dem Getränk lange ein schlechter Ruf an. Kaffee erhöhe das Diabetesrisiko, den Blutdruck, die Cholesterinwerte und entziehe dem Körper Wasser, hieß es. Die Vorwürfe sind mittlerweile weitgehend entkräftet. Den Blutdruck erhöht Kaffee allenfalls kurzzeitig, auch der Harndrang steigt nur vorübergehend an. Und Filterkaffee erhöht im Gegensatz etwa zu Espresso auch die Blutfettwerte nicht, wie Isabelle Keller von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) betont. Der Grund: In dem Papierfilter bleiben fettlösliche Substanzen wie Cafestol oder Kahweol hängen. Was das Risiko für Diabetes Typ 2 anbelangt, so deuten Studien inzwischen sogar an, dass Kaffee vor der Stoffwechselerkrankung schützt.

Senkt Krebsrisiko
Weitere - mehr oder weniger starke - Indizien für eine Schutzwirkung von Kaffee gibt es für neurodegenerative Erkrankungen wie Demenz oder Parkinson, Nieren- und Gallensteine sowie für verschiedene Tumorformen. So prüften Forscher aus Mailand kürzlich die Studienlage zum Einfluss von Kaffee auf Leberkrebs: Die Analyse von elf Untersuchungen ergab, dass Kaffeekonsum im Vergleich zu Abstinenz das Risiko um 41 Prozent senkt.

Nächste Seite: Weniger Darmkrebs
Und in einer japanischen Langzeitstudie verringerte der tägliche Konsum ab drei Tassen täglich die Darmkrebsgefahr um 56 Prozent allerdings nur bei Frauen. Gestützt wird das Resultat dieser epidemiologischen Untersuchung durch Laborstudien. Dabei entdeckten Forscher aus Hamburg und Potsdam, dass die in Kaffee enthaltenen löslichen Ballaststoffe das Wachstum von Darmbakterien anregen und von diesen zu kurzkettigen Fettsäuren verarbeitet werden. Diese senken im Verdauungstrakt den pH-Wert und könnten den Darm damit, so die Vermutung, vor Tumoren schützen.

Ballaststoffe
Eine Tasse Kaffee enthalte etwa ein halbes Gramm löslicher Ballaststoffe, berichtet der an der Studie beteiligte Michael Blaut vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam, wobei der Anteil in Espresso tendenziell am höchsten und in entkoffeiniertem Kaffee deutlich geringer sei. Angesichts der Ballaststoff-Empfehlung von 30 Gramm pro Tag sei diese Menge zwar nicht üppig, aber auch nicht unerheblich.

Sehr komplex
Auch Antioxidantien, die freie Radikale fangen und unschädlich machen, werden oft dafür herangezogen, die vermeintlichen positiven Eigenschaften von Kaffee zu erklären. Doch Ballaststoffe und Antioxidantien sind nur ein winziger Teil einer schier unüberschaubaren Menge von Kaffee-Inhaltsstoffen. Thomas Hofmann von der Technischen Universität München schätzt ihre Zahl auf mehrere Tausend, von denen die meisten noch nicht bekannt seien. "Kaffee ist bezüglich der Zusammensetzung eines der komplexesten Lebensmittel", sagt der Lebensmittelchemiker. "Das macht seine Erforschung so schwierig."

Kein kausaler Zusammenhang
Bei der Gesamtbewertung des Getränks halten sich Forscher auffallend zurück, selbst im Fall der erwähnten Darmkrebs-Studien, bei denen die Ergebnisse der Laborstudie das Resultat der epidemiologischen Untersuchung stützen. "Man muss sehr vorsichtig sein", mahnt Blaut. Denn einen kausalen Zusammenhang beweisen solche Befunde noch lange nicht.

Wenig aussagekräftig
DGE-Ernährungsexpertin Keller teilt diese Skepsis: "Die Ergebnisse einzelner Studien sind wenig aussagekräftig." Dies gelte besonders für Krebserkrankungen, an denen viele Faktoren über längere Zeiträume beteiligt seien, neben der genetischen Disposition etwa die Gesamternährung oder Umwelteinflüsse. Bei so komplexen Vorgängen sei es schwierig, den Einfluss einzelner Faktoren einzuschätzen.

4 Tassen erlaubt
Gegen den täglichen Genuss von bis zu vier Tassen Kaffee mit 350 Milligramm Koffein hat die DGE nichts einzuwenden. Lediglich während Schwangerschaft und Stillzeit sollten Kaffeetrinkerinnen kürzertreten und den Konsum auf ein bis zwei über den Tag verteilte Tassen begrenzen.


Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |