30. April 2008 09:20

Ratgeber 

So kaufen Sie gesund ein

Gesunde Ernährung beginnt mit dem richtigen Einkauf. Wir verraten Ihnen wie das funktioniert.

So kaufen Sie gesund ein
© sxc

Lebensmittel sollen gesund und nahrhaft sein, schmecken, und der Preis muss natürlich auch passen. Doch bei dem riesigen Angebot an Nahrungsmitteln den Durchblick zu behalten, ist für Konsumenten gar nicht so einfach und wirft viele Fragen auf: Wie ist es um die Qualität der Lebensmittel bestellt? Bedeutet teurer auch qualitativ besser? Was bringt Functional Food tatsächlich? Und was macht überhaupt eine gesunde Ernährung aus? Antworten auf diese Fragen gibt der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in seinem neuen Ratgeber "Gesund einkaufen".

Gesunde Ernährung nicht möglich?
Viele glauben, ausgewogene Ernährung ist aufgrund gestiegener Lebensmittelpreise und knapper Zeitressourcen heutzutage kaum möglich. Dem widerspricht VKI-Geschäftsführer Franz Floss: "Gesund Leben beginnt mit dem richtigen Einkaufen: Wer sich gesund ernähren will, kauft besser ein bisschen weniger, dafür aber umso hochwertigere Produkte ein. Das schont letztlich nicht nur das Geldbörserl, sondern trägt auch zum gesundheitlichen Wohlbefinden bei." Aber selbst wer Tiefkühlpizza & Co nicht abschwören möchte, kann mit wenig Aufwand einiges dafür tun, die eigene Nährstoffbilanz aufzuwerten. Auch darauf geht der "Konsument"-Ratgeber mit nützlichen Tipps ein.

Einkauf nach Plan
Das folgende Szenario kennt jeder: Eigentlich wollte man nur rasch Milch und Obst holen, aus dem Geschäft ist man dann aber doch wieder mit einem prall gefüllten Einkaufskorb marschiert. Nicht selten vergammeln teuer bezahlte Lebensmittel und wandern vom Einkaufskorb in den Mistkübel. Alleine in Wien werden laut einer Studie des Instituts für Abfallwirtschaft an der Universität für Bodenkultur pro Jahr und Kopf 43 Kilogramm originalverpackte und häufig sogar noch genießbare Lebensmittel weggeworfen. In Summe sind das bis zu 387 Euro pro Jahr. Einkauf nach Plan zahlt sich also aus. "Der gute alte Einkaufszettel hilft dabei, dass nur das im Wagen landet, was wirklich benötigt wird. Und auch ein halbwegs voller Magen schützt vor Spontankäufen", weiß VKI-Ernährungswissenschafterin Nina Siegenthaler.

Nah und frisch bringt’s
Nur das Beste und Frischeste soll auf den Tisch? Der Schlüssel dazu liegt in saisonalen, regionalen Produkten. Denn diese können reif geerntet werden, haben - auch im Sinne der Umwelt - kürzere Transportwege und sind zudem preisgünstig. Doch auch hier gilt: Kontrolle geht vor blindem Vertrauen. Obst und Gemüse sollten beim Kauf auf jeden Fall prall, knackig und fleckenlos sein. Offen angebotene Ware sollte Stück für Stück geprüft werden, bevor man sie in den Einkaufswagen legt. Verfärbungen, welke Blätter oder Druckstellen sind Zeichen von Überlagerung. Verpacktes Obst und Gemüse sollte besonders streng kontrolliert werden. Ein feuchter Karton ist beispielsweise ein Hinweis auf verdorbene Ware. Gibt es keine einwandfreien Produkte, ist Tiefgekühltes auf jeden Fall die bessere Wahl: Es wird erntefrisch verarbeitet, der Vitamingehalt ist höher und sein Geschmack besser als von überlagerter Ware.

Qualität leicht erkennen
Auch bei Fisch und Fleisch lässt sich mit geübtem Blick Qualität leicht erkennen: So gibt etwa frisches Fleisch auf Fingerdruck nach. Nach dem Loslassen darf keine Delle zurückbleiben. Bei Fleisch wie auch bei Geflügel ist zudem Blut oder getrockneter Fleischsaft in der Tasse ein Zeichen für zu lange Lagerung.

Teils ungenügende Kennzeichnung
Zu unverpackten Lebensmitteln müssen im Geschäft nur wenige Angaben gemacht werden. Bei verpackten Produkten finden sich dagegen auf der Packung bzw. dem Etikett zahlreiche Informationen. Sie zu entziffern kann jedoch mühsam sein, denn die Angaben sind meist in winzig kleinen Lettern gedruckt. "Das ist zwar nicht verboten, aber alles andere als konsumentenfreundlich", kritisiert Siegenthaler.

Ursprungsland
Pflichtangaben auf der Verpackung sind etwa die Sachbezeichnung, die Nettofüllmenge, das Mindesthaltbarkeitsdatum oder Name und Anschrift des Ansprechpartners. Das kann der Hersteller, der Händler oder der Verpacker sein - einer dieser drei muss als Verantwortlicher im lebensmittelrechtlichen Sinn für das Produkt mit Name und Anschrift auf der Verpackung angeführt sein. Hat der Produktionsverantwortliche seinen Sitz in Österreich, heißt das aber noch lange nicht, dass in der Packung heimische - genauer gesagt aus heimischen Rohstoffen erzeugte - Ware steckt. Woher die Rohware stammt, ist aus diesen Angaben nämlich nicht herauszulesen. Ebenso wenig, ob das Produkt überhaupt in Österreich produziert wurde. Nur wenn das Produkt außerhalb der EU produziert wurde, ist auch das Ursprungsland anzugeben.

Wenig Verlass ist diesbezüglich auch auf das Genusstauglichkeitszeichen, das auf den Packungen von Lebensmitteln tierischer Herkunft angegeben sein muss: Anhand der Kennzeichnung lassen sich EU-weit nämlich nur das Land und der Betrieb ermitteln, in dem das Produkt zuletzt bearbeitet oder verpackt wurde.

Strenge Auflagen
Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Zeichen und Gütesiegel für Lebensmittel: Während etliche nur bei Einhaltung strenger Auflagen vergeben werden, dienen andere wiederum ausschließlich Marketingzwecken. Bei der Suche nach Lebensmitteln österreichischer Herkunft bieten die beiden AMA-Gütesiegel für Bio- bzw. konventionell hergestellte Produkte eine gute Orientierungshilfe. Aber selbst hier gilt: Wenn die Rohstoffe nicht aus heimischer Quelle erhältlich sind, darf bis zu einem Drittel aus anderen Ländern bezogen werden. Verlässliche Informationen zur regionalen Herkunft bietet die EU-Kennzeichnung "geschützte Ursprungsbezeichnung" (gU). Nicht zu verwechseln mit den beiden EU-Kennzeichnungen "geschützte geographische Angabe" (ggA) und "garantiert traditionelle Spezialität" (gtS): Beiden Zeichen sagen nichts über die Herkunft der Rohstoffe aus.

Wenn es einmal schnell gehen soll
Tiefgekühlt, gekühlt, in Dosen, Gläsern oder Beuteln: Das Angebot an Halbfertig- und Fertigprodukten für die schnelle Küche ist enorm. Doch nicht immer heißt fertig auch gleich schnell: Oft dauert es auch hier gut zehn bis fünfzehn Minuten, bis die Gerichte fertig sind. In derselben Zeit sind aber auch schon manche Nudeln fertig gekocht, eine einfache Sauce oder Suppe in Eigenregie zubereitet.

Enorme Unterschiede
In puncto Nährstoffgehalt gibt es enorme Unterschiede zwischen tiefgekühltem Gemüse oder Kräutern und Produkten, denen die Vitamine im Produktionsprozess weitgehend abhanden gekommen sind. Siegenthaler warnt: "Der Fett-, Zucker- und Salzgehalt von Fertigprodukten wird mitunter stark unterschätzt." Dennoch kann der Nährwert von Fertiggerichten schon mit relativ einfachen Mitteln aufgebessert werden. Tiefkühl-Pizza kann man zusätzlich mit frischem Gemüse belegen. Petersil-Erdäpfel, Reis oder Gemüse als Beilage zu knusprigen Fischstäbchen serviert, kompensieren den Fettgehalt von paniertem Fisch.

Darüber hinaus erleichtern Produkte wie tiefgekühlte Hülsenfrüchte oder Tomaten aus der Dose nicht nur das Kochen, sondern liefern auch in 15 bis 20 Minuten schon etwas aufwändigere Gerichte, die eine tadellose Nährstoffbilanz vorweisen können.

Functional Food funktioniert nur bedingt
"Stärkt das Immunsystem", "hilft, die Verdauung natürlich zu regulieren" oder "für alle, die geistig fit bleiben wollen" - geht es nach den Packungsaufschriften, machen etliche Lebensmittel nicht nur satt, sondern tragen darüber hinaus noch zu Gesundheit und Wohlbefinden bei. Das Angebot an sogenannten funktionellen Lebensmitteln wird stetig breiter. Mittlerweile gibt es nicht nur angereicherte Milchprodukte oder Säfte, sondern auch Brot und Schinken mit "Mehrwert". "Doch vor allem für die Geldbörse ist dieser vermeintliche Mehrwert deutlich spürbar", sagt Siegenthaler. Bei ausgewogener Ernährung braucht man im Normalfall weder angereicherte Lebensmittel noch Nahrungsergänzungsmittel.

Bei vielen Zusätzen ist darüber hinaus der Nutzen noch nicht wissenschaftlich abgesichert. Allerdings hat sich gezeigt, dass etwa prebiotische Ballaststoffe Völlegefühl, Blähungen und Durchfall verursachen können. Ab welcher Menge, ist individuell verschieden.

Frische und Qualität
Der Wocheneinkauf ist erledigt, am Küchentisch türmen sich die mühsam nach Hause geschleppten Lebensmittel. Damit sie länger appetitlich sind und die empfindlichen Nährstoffe erhalten bleiben, sollte man auf Folgendes achten:

- Kühlkette einhalten
Empfindliche Lebensmittel in der Kühltasche nach Hause transportieren. Unverzüglich in den Kühlschrank einschlichten oder gleich verbrauchen.
- Strikt trennen
Rohkost streng getrennt von Speisen, die erhitzt werden, zubereiten. Eier und rohes Geflügel im Kühlschrank getrennt von anderen Lebensmitteln aufheben. Bei Zubereitung und Lagerung der Lebensmittel gut auf Hygiene achten.
- Kontrollieren
Vorräte regelmäßig kontrollieren und das Ablaufdatum im Auge behalten.
- Rasch einfrieren
Portionsweise abgepackte Lebensmittel frieren schneller durch als große Stücke. Möglichst tiefe Temperaturen zum Einfrieren halten Qualitätseinbußen hintan.
- Nährstoffschonend zubereiten
Bei Dämpfen und Dünsten bleiben Vitamine und Mineralstoffe am besten erhalten.
- Ab in den Mistkübel
Offensichtlich verdorbene oder von Schädlingen befallene Lebensmittel unverzüglich wegwerfen.


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