16. November 2008 12:10

Seelen-Medizin 

So werden Sie glücklich

Immer mehr Menschen leiden unter Stress oder Depressionen: Experten verraten, was uns auf Dauer wirklich glücklich macht. Plus Glücks-Test!

So werden Sie glücklich
© Getty Images
So werden Sie glücklich
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Objektiv betrachtet leben wir in einem Schlaraffenland: Die Lebenserwartung steigt und der Lebensstandard war noch nie höher. Dennoch ist die subjektive Befindlichkeit der Mehrheit so schlecht wie noch nie: Stress, Angst und Depressionen dominieren die so genannte Spaßgesellschaft.

Glück lernen
Woran liegt das? „Um all die täglichen Anforderungen zu bewältigen, müssen wir nicht nur körperlich, sondern vor allem auch psychisch im Gleichgewicht sein“, erklärt der Salzburger Psychiater Manfred Stelzig. Er ist überzeugt: „Der Mensch des 21. Jahrhunderts wird lernen müssen, dass es ohne Psychohygiene nicht mehr geht.“ In seinem aktuellen Ratgeber „Keine Angst vor dem Glück“ fordert er sogar: „Glücklichsein als Unterrichtsfach.“

Ein Anliegen, das schon sehr bald Realität werden könnte. Denn angesichts der steigenden Gewalt an Schulen soll in der Steiermark ab dem kommenden Unterrichtsjahr das Fach „Glück“ als Pilotprojekt eingeführt werden. 60 Volksschullehrer wurden bereits als „Persönlichkeitsbildner“ weitergeschult.

Bücher-Boom
Wie hoch der Bedarf an Hilfestellung ist, beweisen auch die zahlreichen Ratgeber zum Thema „Glück“, die laufend erscheinen. Die Bücher sollen Menschen ansprechen, die sich „auf die Entdeckungsreise nach mehr Glück“ begeben oder die das Glück entdecken möchten, „das längst in Ihnen steckt“ – so die Klappentexte.

Aber kann man Glück überhaupt aus Büchern lernen? „Maßgeschneiderte Lösungen kann der beste Ratgeber nicht liefern. Aber die Bücher können Menschen durch Selbstreflexion helfen, den Weg zum Glück aufzuspüren beziehungsweise wertvolle Impulse geben“, meint die Wiener Psychologin Rosa Stieger. Und: „Lebensglück – und damit ist nicht das kurzfristige Glück gemeint – zu empfinden, setzt immer einen Prozess voraus, welcher mit der Arbeit an sich selbst und seinem Lebenskonzept zu tun hat.“ Mit anderen Worten: Die Auseinandersetzung mit dem Ich ersparen einem auch die besten Glücksratgeber nicht.

Glücksforschung
Das gesteigerte Interesse am Glück ist neu: Jahrzehntelang hat sich die Wissenschaft kaum darum gekümmert. Zu sehr standen die Erkrankungen der Psyche – wie etwa Depressionen – im Vordergrund. Erst Ende der 90er-Jahre appellierte Martin E. P. Seligman, der Präsident der American Psychological Association, an seine Kollegen, sich endlich mehr um das menschliche Wohlergehen zu kümmern: Menschen wollen schließlich mehr, als seelisches Leid verhindern. Sie wollen wissen, wie sie ihre Kräfte für mehr Glück, Zufriedenheit und Wohlbefinden nützen können. So entstand der Forschungszweig der „Positiven Psychologie.“ Diese untersucht zum Beispiel, welche Vorteile glückliche Menschen haben. So etwa sind diese besser vor Schlaganfällen geschützt, sie können mit Rückschlägen leichter umgehen und werden seltener krank: Eine optimistische Grundstimmung scheint sich auch auf das Immunsystem positiv auszuwirken.

Was macht happy?
Weitere interessante Erkenntnisse der Glücksforschung: Das Glücksmaß des Menschen dürfte genetisch festgelegt sein. Ob Glück oder Unglück: Bei fast allem, was uns im Leben passiert, fallen wir nach einem Jahr wieder auf das frühere Glücksmaß zurück. Gleich, ob wir eine Million Euro geerbt haben oder nach einem Unfall querschnittsgelähmt sind. Reiche sind auch nicht per se glücklicher als andere Menschen: Das neue Kleid macht nur kurzfristig glücklich, ebenso der Sportwagen. Dann braucht man wieder neue und oft auch teurere Dinge, um das Glückslevel aufrechtzuerhalten. Aber: Ab einem gewissen Grad von Wohlstand erhöht sich das Glücksgefühl nicht mehr. Dazu Expertin Rosa Stieger: „Geld alleine macht nicht glücklich. Doch die existenzielle materielle Grundausstattung, gesellschaftliche Eingebundenheit und der Zugang zu Wissen, Bildung und Arbeit ist Voraussetzung und Basis für das Glücklichsein.“

Grundlos glücklich
US-Bestsellerautorin Marci Shimoff, die auch eine der zitierten Lehrerinnen aus Rhonda Byrnes Esoterik-Bibel „The Secret – das Geheimnis“ ist, behauptet wiederum: Weder eine tolle Karriere, noch ein üppiges Bankkonto oder der perfekte Lebenspartner sind nötig, um glücklich zu sein. In ihrem aktuellen Werk „Glücklich ohne Grund“ (siehe Kasten auf Seite 59) erklärt sie, wie Menschen das „Glück aus ihrem Inneren“ heraus erfahren können – ganz unabhängig davon, in welchen Lebensumständen sie sich gerade befinden: „Echtes Glück basiert nicht auf dem, was wir tun oder haben“, so Shimoff. Ob und wie gut Sie Ihr vorhandenes Potenzial zum Glücklichsein bereits nutzen, verrät der Test auf Seite 61.

November-Blues
Gefühltes Glück kann aber auch von der Jahreszeit abhängig sein: Sobald die Tage kürzer werden, erlebt über ein Drittel der Menschen in unseren Breiten einen Stimmungseinbruch. „Licht, Sonne, Wärme, Tag- und Nachtrhythmus beeinflussen auch unsere Psyche. Die sogenannte saisonal abhängige Depression (SAD) kann in den trüben Herbst- und Wintermonaten auch völlig gesunde Menschen treffen“, weiß Psychologin Stieger. Typische Kennzeichen: Antrieb, Leistungsfähigkeit und Stimmung sind erlahmt und führen zu empfindlichen Gemütsschwankungen. „Weiters sind ständige Müdigkeit, sozialer Rückzug, Heißhunger auf Kohlenhydrate (Süßes) und verlängerter Schlaf zu beobachten, welcher aber nicht zu der sonst üblichen Frische frühmorgens führt“, erklärt die Psychologin. Sie rät, einen Facharzt aufzusuchen: „Er kann aufgrund der Schwere entscheiden, ob es sich um ein vorübergehendes Stimmungstief handelt oder um eine SAD.“

Beste Behandlungsmethode
Als beste Vorbeuge- und Behandlungsmethode haben sich ein Mix aus Bewegung an der frischen Luft, ausgewogene Ernährung und notfalls eine Lichttherapie erwiesen. Der deutsche Arzt und Bestseller-Autor Rüdiger Dahlke meint, der Winter-Blues sei auch ein Zeichen dafür, „dass wir verlernt haben, im Einklang mit den Jahreszeiten zu leben“. Sein Rat: „Wir müssen den Herbst für uns und in uns entdecken und den inneren Widerstand gegen den Winter aufgeben. Auf der psychologischen Ebene entspricht der Winter dem Lebensende: Und in unserer Gesellschaft wollen viele um keinen Preis daran erinnert werden. Sich mit der Thematik auszusöhnen, ist aber ein Gewinn – nicht nur für vom Winter-Blues Betroffene“, so Dahlke. Erster Schritt: Den Herbst mit allen Sinnen genießen – etwa bei einem Spaziergang durch raschelndes Laub.

Die besten Glücksbücher:
Martin Brune: Zum Glück ins Jetzt!
Mit seiner „Energieschule fürs Leben“ will uns der deutsche Autor und „Energieseher“ klarmachen, wie viel positive Kraft in uns steckt, wenn wir im „Hier und Jetzt“ leben. Sein Credo: Man muss den Naturkräften in sich selbst vertrauen. Sehr esoterisch! Ansata, 17,50 Euro.

Marci Shimoff: Glücklich ohne Grund
Die These der US-Autorin: Nicht die tolle Karriere oder der perfekte Lebenspartner sind nötig, um Glück zu erleben. Vielmehr könne man Glück aus dem Inneren heraus erfahren – gleich, in welchen Lebensumständen man sich befindet. Anleitung in 7 Schritten. Mosaik bei Goldmann, 18,50 Euro.

Heide-M. Smolka: Mein Glückstrainingsbuch
Kernaussage der Wiener Psychologin: Glück ist trainierbar. In ihrem „Mitmachbuch“ ist jeder aufgefordert, selbst aktiv zu sein. Begleitend zu den Übungen wird der Glücksbegriff in all seinen Facetten beleuchtet: vom Genießen des Augenblicks bis zur Ruhe als Kraftquelle. Springer,19,95 Euro.

Manfred Stelzig: Keine Angst vor dem Glück
Schon sein erstes Buch „Was die Seele glücklich macht“ wurde zum Bestseller. In seinem neuen Ratgeber fordert der Salzburger Mediziner „Glücklichsein als Unterrichtsfach“ und erklärt, dass jeder seines Glückes Schmied ist. Plus: 88 Tipps für die seelische Gesundheit. Ecowin, 19,95 Euro.

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Testen Sie: Wie glücksfähig sind Sie wirklich?

Geben Sie Punkte von 1 bis 5!

1 = Trifft überhaupt nicht zu
2 = Trifft ein wenig zu
3 = Trifft in Maßen zu
4 = Trifft weitgehend zu
5 = Stimmt absolut

1. Ich bin oft aus keinem bestimmten Grund glücklich und zufrieden.
2. Ich lebe im Augenblick.
3. Ich fühle mich lebendig, vital, voller Energie.
4. Ich habe das tiefe Gefühl von innerem Frieden und Wohlbefinden.
5. Das Leben sit ein großes Abenteuer für mich.
6. Ich lasse mich von schlimmen Situationen nicht unterkriegen.
7. Mich begeistert was ich tue.
8. Ich lache fast jeden Tag und bin fröhlich.
9. Ich vertraue darauf, in einem freundlichen Universum zu leben.
10. In allem was geschieht, suche ich nach dem Positiven oder was ich daraus lernen kann.
11. Ich kann loslassen und vergeben.
12. Ich liebe mich selbst.
13. Ich suche in jedem Menschen nach dem Guten.
14. Ich ändere die Dinge, die ich ändern kann, und akzeptiere die Dinge, die ich nicht ändern kann.
15. Ich umgebe mich mit Menschen, die micht unterstützen.
16. Ich gebe anderen nicht die Schuld un jammere nicht.
17. Meine negativen Gedanken drücken micht nicht nieder.
18. Ich empfinde eine großes Gefühl der Dankbarkeit.
19. Ich fühle mich etwas verbunden, das größerist als ich selbst.
20. Ich fühle mich inspiriert, weil ich weiß, dass mein Leben einen Sinn hat.

Auflösung: Zählen Sie Ihre Punkte zusammen.
Zwischen 80 und 100 Punkte: Sie können in hohem Maße Glück aus Ihrem Inneren (unabhängig von äußeren Umständen) erfahren.
Zwischen 60 und 79 Punkte: Sie sind in Maßen aus Ihrem Inneren heraus glücklich.
Zwischen 40 und 59 Punkte: Sie haben eine leise Ahnung davon, was es heißt, Glück ohne ersichtlichen Grund zu empfinden.
Unter 40 Punkte: Sie haben noch kaum Erfahrung mit „Glück ohne Grund“ gemacht.

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Die schnellsten Glücks-Tipps
1. So tun als ob!
Auch wenn Sie das Schicksal gerade herausfordert: Kontern Sie mit Leichtigkeit. Lächeln Sie – auch wenn Ihnen eigentlich nicht danach ist. Das hebt sofort die Stimmung.

2. Loslassen
Glück lässt sich nicht erzwingen: Lassen Sie sich öfter überraschen, statt dem Glück nachzujagen.

3. Seelendüfte
In der dunklen Jahreszeit erhellen ätherisches Neroliöl (eine Stimmungskanone!), Lavendelöl (toll gegen Stress) und Rosenöl (gegen Traurigkeit) in der Duftlampe das Gemüt.

4. Glückspunkt
Drücken Sie 20 Sekunden lang den Punkt H3: Er liegt am Ende der Ellbogenfalte auf der Kleinfingerseite. Weckt sofort Energie und Lebensfreude.

5. Im Augenblick sein
Ob Hausputz, Kuscheln oder Büroarbeit: Wer ganz in dem aufgeht, was er gerade tut (ohne an anderes zu denken!), erzeugt ein Gefühl, das Glücksforscher als „Flow“ bezeichnen: Man erreicht einen Zustand vollkommener Harmonie.

6. Bewegung
Aktiv sein ist mit dem Gefühl von Jugend verbunden: Eine Joggingrunde oder ein flotter Herbstspaziergang setzen Glückshormone (Endorphine) frei.

7. Ballast abwerfen
Nicht unkontrollierter Konsum oder Dauerberieselung (im Fernsehen) machen glücklich, sondern bewusster Genuss. Und nicht oberflächliche Bekanntschaften zählen, sondern echte Begegnungen.

8. Mood Food
Milchprodukte sind reich an L-Tryptophan, der Vorstufe des Wohlfühlhormons Serotonin. Genießen Sie öfter ein Joghurtshake mit frischen Früchten oder am Abend warme Milch mit Honig.

Foto: (c) Getty Images


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