16. Juli 2010 10:14

Bis 27 Grad 

Sommerwärme fördert das Flirten

Kontaktaufnahme leichter, aber ab 27 Grad wird's dann zu hitzig.

Sommerwärme fördert das Flirten
© getty

Heiße Temperaturen machen unkonzentriert und aggressiv, warnen Ärzte angesichts der anhaltenden Hitzewelle in weiten Teilen Mitteleuropas. Die Sommerhitze hat jedoch auch ihre Vorteile. Das sagt der Psychologe Hans Ijzermann von der Universität Amsterdam. "Es ist nachweisbar, dass Menschen in heißen Sommern mehr den Kontakt zu anderen suchen als in kühlen", so der Experte im pressetext-Interview. Wir befinden uns demnach in einem Flirt-Sommer.

Nähegefühl durch Temperatur bestimmt
Logisch ist, dass Menschen an Sonnentagen zumindest abends eher ins Freie gehen als bei Regen. Doch es gibt auch weitere Faktoren, die den Kontakt fördern. "Wir haben erhoben, wie Menschen bei verschiedenen Temperaturen auf andere zugehen. Wärme aktiviert im Kopf einen Sinn für Nähe, den es sonst nicht gibt", so der Forscher. Das funktioniere bei warmer Raumtemperatur ebenso wie bei einer heißen Tasse Kaffee oder einem behaglichen Rückenkissen.

Hitze verändert sogar unser Reden. "Die romanischen Sprachen des Mittelmeerraums verwenden weniger Pronomen, zeigt der Kulturvergleich. Das deutet hin auf mehr Nähe. Im Süden gibt es zudem mehr Gemeinschaftsdenken statt Individualität", erklärt Ijzermann. Auch die Methapher von menschlicher "Wärme" existiert nur in bestimmten Sprachen wie im Angelsächsischen oder Deutsch, im Finnischen jedoch nicht.

Extreme Hitze macht dumm
Allerdings muss auch der Psychologe eingestehen, dass ab einer bestimmten Temperatur die positiven Effekte kippen. Kenneth Thau von der Wiener Uniklinik für Psychiatrie sieht Nachteile schon ab 27 Grad Celsius. "Befindet sich das Gehirn außerhalb der gewohnten Temperaturzone, beginnt eine Stressreaktion", so der Psychiater gegenüber pressetext. Die Reaktion jeder Person auf Hitze sei ganz unterschiedlich.

Wie bei Fieber
Folgen von Hitzestress sind dieselben wie bei leichtem Fieber. "Kognitive Funktionen sinken und das Gehirn arbeitet eingeschränkt", erklärt Thau. Aufgaben mit Feingefühl leiden zuerst darunter. Somit werden Menschen leichter reizbar, unaufmerksam, gespannt, verlieren ihre Stresstoleranz anderen gegenüber und die Stimmung sinkt. Senioren leiden bei Hitze oft an fehlender Motivation, an Kopfschmerzen bis hin zur Verwirrtheit, besonders wenn sie zu wenig trinken. "Positive Folgen der Hitze sehe ich keine", so der Mediziner.


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