28. September 2007 09:00

Eklig 

Starke Hygienemängel in unseren Thermen

Mehr als die Hälfte der Kaltbecken und Saunabereiche verstoßen gegen gesetzliche Bestimmungen.

Starke Hygienemängel in unseren Thermen
© sxc

Die heimischen Thermalbäder weisen starke Hygienemängel auf. Eine mikrobiologische Untersuchung von 20 Thermen durch das Bischofshofener Prüflaboratorium für Hygiene und Medizinprodukte Hygcen hat ergeben, dass mehr als die Hälfte der Kaltbecken und Saunabereiche gegen die gesetzlichen Bestimmungen verstoßen haben, berichtet das Wirtschaftsmagazin "Format" in seiner aktuellen Ausgabe.

Legionellen und Co
Mehr als 600 Proben aus Beckenwasser, Duschwasser und sonstigen Flüssigkeiten wurden zu stark belasteten Zeiten, und an möglichst ungünstigen Stellen entnommen. Die Oberflächen wie etwa in den Saunabereichen seien mittels Abdruckplatten untersucht worden. In 29 "Verdachtsfällen" wurde der Chlorgehalt in Becken bestimmt. Davon wiesen 16 gar keinen messbaren Chlorgehalt auf. Auch der Zustand beim Duschwasser sei nicht befriedigend: Beim Großteil der Thermen wurden dort Legionellen festgestellt. In acht Prozent aller Becken, und auch in einigen Trinkbrunnen wurden diese Bakterien nachgewiesen. In den Saunabereichen fand man auf den Oberflächen teilweise hohe fäkale Belastungen.

Kein Desinfektionsmittel
Der Nachweis von Legionellen und Pseudomonas aeruginosa (Boden-und Wasserkeime) im Badewasser hat außerdem ergeben, dass dort kein ausreichender Desinfektionsmittelgehalt existiere. "In diesen Zonen können von Badegästen eingebrachte Krankheitserreger über längeren Zeitraum infektiös bleiben, beziehungsweise können sich Krankheitserreger dort vermehren", berichtete Format über die Studie.

Pilzerkrankungen und Lungenentzündungen
"Pilzerkrankungen, vor allem Vaginalpilze, aber auch Lungenentzündungen können die Folge sein", berichtet die Studienverantwortliche Margarita Gilowsky. Legionellen sind im Verdauungsapparat ungefährlich, können aber bei Eintritt in die Atemwege Lungenentzündung auslösen. Die genannten Pseudomonas aerguinosas können Schlauchsysteme, Filtermaterialien, Teile medizinischer Geräte sowie ganze Installationssysteme kontaminieren und lösen Haut- und Hörgangsinfektionen aus, schreibt "Format". In Krankenhäusern zählen sie zu den häufigsten Auslösern von Wund-, Harn- und Atemwegsinfektionen mit oft tödlichem Verlauf.

Mangelnde Information
Als Grund für die fatalen Zustände sehe Gilowsky weniger den bösen Willen oder Schlampigkeit, als vielmehr mangelnde Information: "Es war geradezu erschütternd, wie wenig die Verantwortlichen über hygienische Erfordernisse wussten. Das betraf nicht nur die Thermenbetreiber selbst, sondern auch die Hersteller von Thermalanlagen oder Saunen", sagte sie im "Format". Fünf österreichische Thermalbetreiber haben auf Basis der Studie mit dem Laborbetrieb tiefer gehende Untersuchungen angestellt und bereits Konsequenzen daraus gezogen.


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