23. April 2009 13:42

Ärzte widersprechen 

Streit um Handystrahlen neu entflammt

Mobilfunk stellt bei Einhaltung der Grenzwerte keine Gefährdung für die menschliche Gesundheit dar - das ist das Ergebnis einer Studie. Die Wiener Ärztekammer widerspricht.

Streit um Handystrahlen neu entflammt
© dpa

22 Experten des Wissenschaftlichen Beirats Funk (WBF) kamen nach ihrer jährlichen Bewertung von 85 aktuellen wissenschaftlichen Studien zu dem Schluss, dass gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Handys "nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft" nachgewiesen werden können.

Weder konnte eine gesundheitsschädigende Wirkung bei der Hirnstromaktivität (EEG) nachgewiesen werden, noch gab es Hinweise auf Störungen der Schlafqualität oder auf eine Veränderung des Hormonstatus beim Mann.

Bei den kognitiven Fähigkeiten zeigte eine Studie sogar eine geringe Verbesserung durch Mobilfunk.

Ärztekammer widerspricht
Die Wiener Ärztekammer wies nach Bekanntgabe der Studie am Donnerstag die Aussagen des WB entschieden zurück. Tatsache sei, dass die Datenlage und die Langzeiterfahrungen noch viel zu dürftig seien, um solche verharmlosende Prognosen abgeben zu können. Es sei "äußerst bedauerlich", dass die Warnungen von Medizinern und insbesondere der Ärztekammer in Österreich nach wie vor zu wenig ernst genommen würden, betont Ärztekammerpräsident Walter Dorner. Während viele EU-Länder bereits auf politischer Ebene über die möglichen Gefahren von Mobilfunkstrahlen offen diskutierten, beharre Österreich weiterhin auf dem von der Mobilfunkindustrie vorgegebenen Kurs einer kompletten Unbedenklichkeit.

Dorner appelliert an die Bevölkerung, sich weiterhin nach den von der Ärztekammer herausgegebenen "10 medizinischen Handyregeln" zu orientieren.

Tumorschäden noch nicht messbar
Lediglich, was die Tumorentwicklung anbelangt, schließen die WBF- Experten Auswirkungen zumindest in einem Zeitraum von fünf Jahren aus - für Langzeitwirkungen nach über zehn Jahren fehlten noch aussagekräftige Untersuchungen, so WBF-Vorsitzender Norbert Vana. Fehlen würden weiterhin auch z. B. epidemiologische Studien zu möglichen Langzeiteffekten bei Kindern und Erwachsenen.

Immer mehr Menschen besorgt
Die Zahl der besorgten Menschen steige, so der stellvertretende WBF-Vorsitzende Christian Wolf. "Das Beharrungsvermögen im Glauben, geschädigt zu werden, ist groß." Selbst ohne Gefahr würden manche von Symptomen berichten.

Auch Piercings und Prothesen "kein Problem"
In experimentellen Studien zeigte sich übrigens, dass Piercings beim Telefonieren mit dem Handy abhängig von ihrer Größe wie eine Art Empfangsantenne verstärkend wirken könnten: "Im Praktischen wird nichts passieren", sagte Wolf. So bräuchten sich z. B. Träger von Intim-Piercings keine Sorgen machen, dass wegen eines Handys in der Hosentasche "etwas abfällt". Auch bei Prothesen sei "nichts zu erwarten".


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