03. März 2010 12:31

In den USA 

Therapien gegen Sex-Sucht boomen

Wenn die Lust zur Last wird. Berühmtester Patient Tiger Woods.

Therapien gegen Sex-Sucht boomen
© Getty Images

Das Leiden, um das es hier geht, zählt nicht zu jenen Krankheiten, bei denen die Betroffenen sofort mit Mitgefühl und Verständnis rechnen können. Sex-Sucht wird in der Öffentlichkeit belächelt, auch in Fachkreisen wird sie nicht allseits als Krankheit anerkannt. Erst der Fall des Golf-Stars Tiger Woods hat das Thema zum weithin diskutierten Thema werden lassen. Skeptiker bezweifeln, ob es hier überhaupt um eine Krankheit geht. In den USA freilich ist Sex-Sucht zum profitablen Geschäft für spezialisierte Therapieeinrichtungen geworden.

Verlust der Kontrolle
"Das Problem greift um sich, mehr Leute als wir denken haben damit zu kämpfen", sagt der Suchtexperte und Buchautor Craig Cross. "Tiger Woods hat dem Thema viel Aufmerksamkeit beschert, mich beschäftigt es allerdings schon seit Jahren." Experten wie Cross argumentieren, dass Sex-Sucht bei den Betroffenen zum Verlust der Kontrolle über ihren Geschlechtstrieb führt und zur zwanghaften Suche nach sexuellen Kontakten. In seinen Symptomen und Auswirkungen für das Leben der Betroffenen sei Sex-Sucht dem Alkoholismus ähnlich.

Behandlung in Klinik
Woods hatte in einer öffentlichen Entschuldigung außereheliche Affären zugegeben. US-Medien berichteten über Verhältnisse mit Kellnerinnen, Nachtclub-Animateurinnen und einer Pornodarstellerin. Woods wird derzeit in der Pine-Woods-Klinik im Bundesstaat Mississippi behandelt. Experte Gross schätzt die Kosten für eine sechswöchige Therapie auf 20.000 bis 40.000 Dollar (15.000 bis 30.000 Euro). Derartige Kurse bestehen aus Psychotherapie, Gruppengesprächen und bisweilen auch Medikamenten - gegen Depressionen und zur Zügelung des Geschlechtstriebs.

Eigenständige Krankheit?
Die Diagnose und Behandlung von Sex-Sucht ist nicht unumstritten. Skeptiker spotten, es handle sich bei Sex-Sucht nur um eine faule Ausrede für notorische Schürzenjäger. Sie fragen, ob ein ausschweifendes Sexualleben wirklich gesundheitlichen Schaden anrichtet - oder ob es einfach gegen gesellschaftliche Moralvorstellungen verstößt, ohne dabei gleich zur behandlungsbedürftigen Krankheit zu werden. Die maßgebliche US-Branchenvereinigung American Psychiatric Association hat Sex-Sucht bisher nicht als eigenständige Krankheit anerkannt.

Spezialisierte US-Therapeuten wie der Sex-Sucht-Experte Michael Johnson aus dem texanischen Austin weisen derartige Kritik zurück und berichten von der großen Last, als die manche Patienten ihre zügellose Lust empfinden. "Ich habe Leute in der Behandlung, die nicht so bekannt sind wie Tiger Woods, die aber erfolgreich sind und ihre Lebensleistung aufs Spiel setzen", sagt Johnson. "Tiger Woods ist ein Beispiel: Sehen Sie, was er alles riskiert hat."

Für Woods bedeutete die Enthüllungen über seine Ausschweifungen viel Ärger mit seinen Sponsoren, eine zumindest zeitweilige Unterbrechung seiner Sportkarriere und eine Ehe-Krise. Dass Sex-Sucht enge menschliche Bindungen zerstört, ist für den Therapeuten Cross eines der größten Probleme. "Beziehungen gehen deswegen in die Brüche", betont er.


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